Tatort Rathaus

Neue Ermittlungen nach Rangelei im Rathaus

Mehr als ein halbes Jahr ist es jetzt her, dass Gnoiens Bürgermeister und ein Handwerker bei einem „Bürgergespräch“ aneinander gerieten. Nun liegen zwei Anzeigen gegeneinander vor.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
Was hat sich am Abend des 24. Oktober 2018 hinter der Gnoiener Rathaus-Tür abgespielt? Die Staatsanwaltschaft wollte das Ermittlungsverfahren bereits einstellen. Doch nun muss der Fall noch einmal neu bewertet werden.
Was hat sich am Abend des 24. Oktober 2018 hinter der Gnoiener Rathaus-Tür abgespielt? Die Staatsanwaltschaft wollte das Ermittlungsverfahren bereits einstellen. Doch nun muss der Fall noch einmal neu bewertet werden. NK-Archiv
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Gnoien.

Die blauen Flecken nach der Rangelei dürften längst verschwunden sein. Und auch das zerrissene Hemd hat Bürgermeister Lars Schwarz (CDU) inzwischen gewiss ersetzt. Was da am Abend des 24. Oktober 2018 in Gnoiens Rathaus genau passiert ist, dafür hat sich auch die Staatsanwaltschaft in Rostock interessiert und nun eine Entscheidung getroffen.

Rückblende: Bei dem Gespräch im Bürgermeister-Zimmer hatten sich Anwohner aus dem Bereich der Park- und Teichstraße über den abendlichen Lärm im benachbarten Park beschwert. Doch das Gespräch geriet außer Kontrolle: Wüsten Beschimpfungen folgte offenbar ein Handgemenge zwischen Bürgermeister Schwarz und dem Tischler Dieter Bauch, der schließlich an dem Abend sogar die Polizei rief.

Da sich die Rangelei im Vorraum des Bürgermeister-Zimmers zutrug, gibt es keine direkten Zeugen. Beide Kontrahenten bezichtigten sich gegenseitig, angefangen zu haben. Der Bürgermeister erstattete am Folgetag Anzeige wegen Beleidigung und Körperverletzung.

Der Fall wird nicht zu den Akten gelegt

Die Staatsanwaltschaft hat nun das Ermittlungsverfahren vorläufig eingestellt und Dieter Bauch die Auflage erteilt, 500 Euro an die Landeskasse zu zahlen. „Die vorläufige Einstellung ist erfolgt, weil die Erfüllung der Auflage geeignet erscheint, das öffentliche Interesse an der Strafverfolgung zu beseitigen und die Schwere der Schuld nicht entgegensteht“, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Doch so schnell wird sie den Fall wohl nicht zu den Akten legen können.

Während Lars Schwarz sich durch die Staatsanwaltschaft entlastet sieht, denkt Dieter Bauch gar nicht daran zu zahlen und lässt es damit womöglich auf einen Gerichtsprozess ankommen. Ohnehin hat ihn die Mitteilung der Staatsanwaltschaft sehr verwundert, denn immerhin war der Handwerker davon ausgegangen, dass die Polizei auch seiner Anzeige nachgehen würde.

Doch die herbeigerufenen Beamten hatten an jenem Abend im Oktober gar keine Anzeige von ihm aufgenommen. Ein Polizeisprecher erklärt das so: Herr Bauch habe zwar die Polizei verständigt, die dann am gleichen Abend auch noch nach Gnoien kam. Da der Gnoiener aber weder über Schmerzen geklagt habe, noch von Verletzungen die Rede gewesen sei, hätten die Polizisten auf eine Anzeige verzichtet.

Vorwurf gegen die Polizei und Anzeige auf der Wache

Dieter Bauch sieht das anders. Die Polizei habe seine Anzeige einfach „unter den Tisch gekehrt“, wirft er den Ordnungshütern vor. Immerhin sei er wegen der Rathaus-Rangelei immer noch in ärztlicher Behandlung. Inzwischen sei er nun im Teterower Polizei-Revier gewesen und habe seine Anzeige wiederholt.

Die Polizei bestätigte denn auch, dass nun auch gegen Lars Schwarz ermittelt werde. „Es gibt jetzt zwei Verfahren, so dass der Fall auch wieder neu bewertet wird“, erklärte Polizeisprecher Gerd Frahm gegenüber dem Nordkurier. Ein Fehlverhalten der Beamten beim Einsatz im Oktober in Gnoien sieht Frahm nicht. Auch habe niemand versucht, etwas unter den Tisch zu kehren.

Bürgermeister Schwarz legt denn auch Wert auf die Feststellung, dass gegen ihn bisher gar keine Anzeige vorgelegen habe.

Mehr als ein halbes Jahr nach der Gnoiener Rathaus-Rangelei ist damit weiterhin ungeklärt, was sich da nun eigentlich im Zimmer des Bürgermeisters genau abgespielt hat.