KLEINGÄRTEN

Malchiner Gartenfreund ohne Nachfolger wird böse überrascht

Leerstand in den Kleingartenanlagen, immer mehr Schrebergärtner wollen aus Altersgründen ihre Parzelle aufgeben. Doch dann stehen sie vor dem Problem Abriss. Das muss gerade ein 88-Jähriger schmerzlich erfahren.
Immer mehr ältere Leute wollen ihren Garten abgeben. Wenn sie keinen Nachfolger finden, stehen sie häufig vor dem Pr
Immer mehr ältere Leute wollen ihren Garten abgeben. Wenn sie keinen Nachfolger finden, stehen sie häufig vor dem Problem, dass sie die Parzelle samt Laube beräumen müssen. NK-Archiv
Malchin.

Für den 88-jährigen Heinz J. (Name geändert) wird der Garten langsam zu viel. Er kann seine Parzelle nicht mehr allein bewirtschaften. Schweren Herzens will er sie nun abgeben. Doch damit halst er sich neue Probleme auf. Denn der Rentner soll seinen Garten beräumen, die Holzlaube abreißen und sogar die noch vorhandenen Asbestplatten allein entsorgen. Zwei Jahre darf er sich dafür Zeit lassen. Er versteht die Welt nicht mehr. Verzweifelt fragt er nun, ob das alles rechtens sei. Das könne doch niemand von ihm verlangen. Für ihn sei das ein Dilemma.

Horst Rademacher, Vorsitzender des Regionalverbandes der Gartenfreunde Landkreis Demmin 1995, kann das gut nachvollziehen. Der Malchiner findet das auch nicht schön, aber das Gesetz lasse dies zu. Wenn jemand keinen Nachfolger findet, müsse er seinen Garten beräumen. Das sei Bestandteil des Pachtvertrages. Leider sei das so, bedauert er.

Selbst wäre es ihm fast genauso gegangen. Aus gesundheitlichen Gründen müsse auch er seinen Garten im Kleingartenverein „Sonnenschein“ jetzt aufgeben. Glücklicherweise aber habe er eine junge Familie gefunden, die ihn übernehmen will. „Ein halbes Jahr habe ich gebraucht, um Leute zu finden“, sagt Horst Rademacher. Vielen sei die Parzelle zu groß gewesen. Jetzt sei er froh, dass die jungen Leute, die Imker sind, seinen Garten künftig bewirtschaften wollen. Sonst hätte auch er Laube und Beete plattmachen müssen. Im Streitfall würde sich dem kein Gericht annehmen.

Schenkung an Verein als Lösung?

Aber es gebe noch eine andere Möglichkeit, dass der Kleingärtner seine Scholle dem Verein schenkt. Gerade erst habe es einen solchen Fall in der Sparte am Philosophenweg gegeben. Da habe der Verein den Garten so beräumt, dass er wieder verpachtbar sei. Die Laube gehöre dann dem Verein. Aber das müsse mit den Leuten besprochen werden, ein Muss gebe es nicht, so der Malchiner.

Viele Kleingärtner in der Region seien jetzt in einem Alter, wo sie ihre Parzellen in den Anlagen nicht mehr allein bewirtschaften können. Das sei biologischer Prozess. Viele seien Jahrgang 1940/41, so wie er. In den Kleingartenvereinen des Regionalverbandes gebe es einen Leerstand von 20 Prozent. Im vergangenen Jahr sei dieser zwar nur wenig angewachsen auf 20,2 Prozent, aber die Vereine würden damit ansitzen.

Lauben zu entsorgen, sei teuer. Im ländlichen Raum oder an Gewerbeflächen, sei der Leerstand besonders hoch. Wenn Interessenten wissen, dass wie im Fall Ivenack die Gartenanlage als Baugebiet überplant sei und viele Parzellen brach liegen, da werde sich dort keiner einen Garten nehmen. Auch für Gärten ohne Strom und Wasser in der Laube werde man kaum Nachfolger finden.

Appelle zu Arbeit an der frischen Luft

Heutzutage würden viele Gartenarbeit nicht mehr machen wollen. Man bekomme ja in jedem Markt preiswertes Gemüse, der Rosenkohl sei geputzt, die Schwarzwurzel auch, es gebe Rote Bete und Porree, ohne Lauchmotte. „Die Leute haben doch alles“, meint Horst Rademacher. Wenn auch jeder Arzt sage, man solle an die frische Luft und einen Garten nehmen, um in Bewegung zu bleiben. Doch diese Appelle scheinen ohne Widerhall zu bleiben. In Großstädten wie Rostock gebe es dagegen keinen Leerstand, das sei ein Problem ländlicher Räume.

In den neuen Bundesländern gebe es rund 500 000 Gärten, in den alten Ländern aber genauso viel, obwohl dreimal so viele Menschen dort leben. Das sei historisch entstanden. Überall wo Geschosswohnungen gebaut wurden, wie auch in Malchin, seien Gartenanlagen entstanden. In Altentreptow bestehe die größte Gartendichte auf die Einwohnerzahl. In Malchin gebe es Anlagen, die schon 80 Jahre alt sind. Nach dem Krieg hätten die Leute in der Sparte „Sonnenschein“ die Parzellen genutzt, um Runkeln für die Kaninchen anzubauen. Heute soll ein Garten nur dem Erholungszweck dienen. Der Regionalverband Demmin zählt 41 Vereine, sechs davon in Malchin.

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