FRIEDHOF

Malchiner AfD-Chef holt „Sozialismus” zurück – und kriegt Ärger

Ausgerechnet der AfD-Stadtfraktions-Chef hat dafür gesorgt, dass „Sozialismus” wieder in einem Schriftzug auftaucht. Er erntet empörte Reaktionen.
Der Malermeister und Chef der Malchiner Denkmalgruppe Udo Dohms gab dem „Sozialismus“ am Dienstag noch frische Far
Der Malermeister und Chef der Malchiner Denkmalgruppe Udo Dohms gab dem „Sozialismus“ am Dienstag noch frische Farbe. Torsten Bengelsdorf
Malchin.

Engelhardt Kelm versteht die Welt nicht mehr. Der Malchiner hat gerade dafür gesorgt, dass das VVN-Denkmal auf dem Friedhof der Stadt nach 30 Jahren wieder komplett ist und damit eine denkmalpflegerische Sünde der Wendezeit scheinbar bereinigt. „Ich hatte dafür eigentlich mit etwas Dankbarkeit gerechnet und dachte, alle freuen sich darüber“, sagt Kelm. Doch seitdem sein Werk am Montagabend bekannt wurde, hat er es nun eher mit wütenden Reaktionen zu tun.

Es geht gerade einmal um elf Buchstaben aus 15-Millimeter Stahlblech, die Kelm für die Gedenkmauer auf dem Friedhof anfertigen ließ – elf Buchstaben, die das Wort „Sozialismus“ ergeben. Nach der Wende war diese Schrift einfach abgeschraubt worden – sehr zum Entsetzen der Denkmalbehörde.

Nicht dass der Spruch „Den Kämpfern für Frieden und Sozialismus“ nun wieder komplett ist, sorgt nun für Empörung, sondern vor allem, wer hier an der Gedenkstätte herum geschraubt hat: Kelm ist in Malchin Fraktions-Chef der AfD.

War es „politisch motivierte Sachbeschädigung”?

Die Reaktionen ließen am Dienstag nicht lange auf sich warten. „Diesen Vorgang muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen“, meinte etwa der Gielower Dennis Burmeister, der Mitglied in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) – Bund der Antifaschisten ist. Da schraube die Malchiner AfD still und heimlich und ohne Beschluss der Stadtvertreter sowie der zuständigen Behörden das Wörtchen „Sozialismus“ an die Wand einer Gedenkstätte und wolle sich dafür auch noch feiern lassen, empörte sich Burmeister.

Der VVN-Landessprecher Peter Ritter sieht in dem Vorgang sogar „politisch motivierte Sachbeschädigung“ und fragt: „Darf in Malchin jetzt jeder an Denkmalen rumschrauben?“ Dass die Veränderung des Schriftzuges eine wohlmeinende Angelegenheit sein könnte, müsse wohl bezweifelt werden. „Denn rings um den 8. Mai ist die Malchiner AfD mit einer Reihe von fragwürdigen Äußerungen auffällig geworden“, erklärte Ritter. Auch bei der CDU-Fraktion soll es nach Nordkurier-Informationen mittlerweile wütende Reaktionen auf das Vorgehen des AfD-Fraktions-Chefs geben.

Wort „Sozialismus” war 1990 abgebaut worden

Engelhardt Kelm dagegen verweist darauf, dass er seit mehreren Jahren in der Denkmalgruppe des Heimatvereins mitwirkt und deshalb die ganze Aufregung nicht verstehen könne. Außerdem habe er mit Zustimmung des Bürgermeisters gehandelt. „Das ist alles legal.“ Bürgermeister Axel Müller (CDU) widersprach am Dienstag aber, dass er die Aktion genehmigt habe.

Peter Ritter forderte unterdessen den Bürgermeister und die anderen Malchiner Stadtfraktionen zu einer deutlichen Distanzierung auf. „Ich erwarte weiter, dass der bisherige Zustand des Denkmals umgehend wieder hergestellt wird und die Verantwortlichen der Sachbeschädigung zur Verantwortung gezogen werden“, so Ritter. Kelm muss nun sogar mit einer Strafanzeige wegen Sachbeschädigung rechnen, wie am Dienstag aus Kreisen der VVN zu hören war.

Der „Sozialismus“ war im Jahre 1990 auf Beschluss des Hauptausschusses von der Gedenkmauer abgenommen worden. Das haben am Dienstag Recherchen im Stadtarchiv ergeben. Damit müsste dieser Beschluss erst einmal aufgehoben werden, um den Schriftzug wieder zu vervollständigen.

Der Schul- und Sozialausschuss ging am Dienstagabend noch einen Schritt weiter. Er empfahl Bürgermeister Müller dringend, den AfD-Fraktions-Chef darauf hinzuweisen, dass er mit seinem Tun gegen die Friedhofssatzung verstoßen habe und der „Sozialismus“ damit wieder weg müsse. Diese Forderung stehe auch deswegen, weil die Buchstaben eine andere Schriftart haben würden als die anderen Wörter.

 

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Kommentare (6)

Schilda ist in Malchin längst angekommen. erst von einem Gegner des Sozialismus ohne Überlegung entfernt worden, dann wieder vollständig gemacht, nach Intervention.Jetzt aber muß erst wieder abgebaut, um Genehmigung ein zu holen, damit wieder angebaut werden darf. Haben diese Leute Langeweile? Passt zu der Aktion am Eingangstor von Malchin nur zum Unterschied: da gab es kein nachspiel...

heißt es doch Teterower Schildbürgerstreiche? Wenn das nicht noch zum erbitterten Streit zwischen Teterow und Malchin kommt!

Da übernimmt jemand auf eigene Initiative etwas Recht schaffendes, aber wie konnte es auch anders sein, gerade aus der linken Ecke kommen wieder die Angriffe. Trotz des Wortes "Sozialismus", die ja seine Partei schon lange nicht mehr prägen, springt Herr Ritter nun auf den Zug der empörten von NWO-Politiker auf. Der Malchiner AfD-Mann hat nichts zerstört, der Schriftzug wurde ja gerade von ihm vor dem Verfall gerettet und aus eigener Hand restauriert sowie montiert. Der nun aufgebauschte Schaden kann jederzeit wieder abgeschraubt und eingemottet werden. Linke Angriffe auf AfD-Parteibüros, Wohnhäuser von AfD Mitgliedern, das bedrohen deren Familienangehörigen und das anzünden der Autos werden hingegen als Kavaliersdelikt bezeichnet. Das sind dann wieder Herr Ritter seine Schildbürgerstreiche in Malchin.

Hier wurde Recht gebrochen, sich über Denkmalschutzbestimmungen hinweggesetzt und einen Beschluss der Stadtvertreter gab es auch nicht. Und doch, die AfD hat sehr wohl Schaden am Denkmal angerichtet. Das kann man aber als Sesselexperte aus der Entfernung nicht wissen. Daher: wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die ... halten.

Eine Tat ist gut, wenn sie gut ist.
Da ist es egal, wer der Täter ist.
Das sollten auch die Linksfaschisten um Hr. Ritter begreifen.

... das sie in den nächsten Tagen wieder abgenommen werden muss.