Beiname Marcusstadt

Jetzt will sich auch Malchin einen Vornamen geben

Seit Langem schon wird in der Stadt darüber diskutiert, ob denn der Name „Marcusstadt“ angemessen ist. Jetzt sieht Bürgermeister Müller die Zeit reif dafür, die Stadtvertreter darüber abstimmen zu lassen. Es gibt allerdings nicht nur Befürworter.
Torsten Bengelsdorf Torsten Bengelsdorf
An vielen Stellen in Malchin wird bereits an den Erfinder erinnert, so wie am Marcus-Hotel.
An vielen Stellen in Malchin wird bereits an den Erfinder erinnert, so wie am Marcus-Hotel.
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Malchin.

Die Schilder sehen allesamt noch recht neu aus, am Ortseingang aus Richtung Stavenhagen leistet sich Malchin sogar gleich zwei Ortstafeln. Schon bald könnten die Malchin-Schilder aber schon wieder ausgetauscht werden, weil sie möglicherweise bereits in ein paar Wochen nicht mehr ganz aktuell sind.

Bürgermeister Axel Müller (CDU) macht jetzt nämlich ernst mit seiner Ankündigung, Malchin endlich einen „Vornamen“ zu verpassen. So soll es eine der letzten Entscheidungen der Stadtvertreter vor der Kommunalwahl Ende Mai werden, ob sich Malchin nun „Marcus-Stadt“ nennen sollte oder nicht.

Noch kein Tourismuskonzept dafür vorhanden

„Siegfried Marcus wurde am 18. September 1831 in Malchin geboren und ist der berühmteste Sohn der Stadt“, führt Müller ins Feld. Im Laufe seines Lebens habe er etwa zehn Patente angemeldet und zahlreiche Erfindungen wie zum Beispiel die Motorisierung maßgeblich beeinflusst. Marcus starb hochgeachtet am 1. Juli 1898 in Wien. „Um ihm ein ehrendes Andenken zu bewahren und die Stadt für Touristen interessanter zu machen, möchte die Stadt Malchin diesen Namenszusatz als offiziellen Stadtnamen führen“, so Müller.

Malchin ist mittlerweile umzingelt von Städten, die alle einen Zusatznamen haben – von der Müritzstadt Waren im Süden, der Peenestadt Neukalen im Norden, im Westen die Bergringstadt Teterow und im Osten die Reuterstadt Stavenhagen. Selbst Neubrandenburg hat mittlerweile einen Beinamen. Malchin diskutiert dagegen schon ziemlich lange über die „Marcusstadt“ – ein Name, der nicht nur für Begeisterung sorgt. Bedenken meldet nach wie vor der Vorsitzende des Malchiner Heimatvereins, Torsten Gertz, an. „Malchin hat noch kein Tourismuskonzept, jedenfalls ist mir keines bekannt“, sagt Gertz. Solch ein Konzept sei allerdings erst einmal wichtig, um den Erfinder hier auch mit einbinden zu können.

Kosten würden 11.500 Euro betragen

Siegfried Marcus hatte als Erster Benzin in einem Verbrennungsmotor zum Antrieb eines Wagens eingesetzt. Er ist allerdings nicht – wie immer mal wieder angenommen wird – der Erfinder des Automobils. An einigen Stellen wird in Malchin bereits an Marcus erinnert, so trägt der kleine Platz zwischen Sparkasse und Rats-Apotheke seinen Namen, hier steht auch der Marcus-Brunnen, der allerdings seit vielen Jahren nicht mehr funktioniert. Und auch die Regionalschüler gehen längst zur „Marcus-Schule“.

Das Austauschen der Ortseingangsschilder hat Bürgermeister Müller derweil schon mal durchgerechnet. Nimmt man alle Ortsteile Malchins dazu müssten 23 Malchin-Tafeln gewechselt werden. Das würde mit 11.500 Euro zu Buche schlagen – Kosten, die die Stadt tragen muss. Wobei – so fügt der Bürgermeister gleich hinzu: Die Schilder müssen ja nun nicht alle auf einmal ersetzt werden.