HOLOCAUST

Dutzende gedenken in Waren der Opfer des Nationalsozialismus

Zu wenige Zeitzeugen, die vom Terror berichten können; zu wenige Junge, die der Opfer gedenken. Der Gedenktag in Waren verband Vergangenheit mit Zukunft.
Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Stadtpräsident Rüdiger Prehn (Die Linke) legen am Gedenkstei
Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und Stadtpräsident Rüdiger Prehn (Die Linke) legen am Gedenkstein in der Kietzstraße einen Kranz nieder. Mehr als eine Handvoll anderer taten es ihnen gleich. Susann Salzmann
Waren.

Unterbleibt das Erinnern und stete Gedenken, gerät der Schrecken aus der Zeit des Nationalsozialismus sicher langsam in Vergessenheit. Warens Bürgermeister Norbert Möller (SPD) und mit ihm gut 50 weitere Kommunalpolitiker, Bürger und Interessierte haben sich am 25. Januar Zeit zum Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus genommen.Beinahe bis auf den allerletzten Platz war der Saal des Jugendclubs „Joo” besetzt.

Immer weniger Zeitzeugen können von dem Grauen berichten

In ihrer Gedenkrede plädierte die SPD-Landtagsabgeordnete Nadine Julitz (SPD) nicht für die „Verurteilung aller Deutschen, den Nachfahren dieser Täter”, die Familien auseinanderrissen und unter menschenunwürdigen Bedingungen zur Zwangsarbeit verpflichteten, sterben ließen oder gar ermordeten.

Vielmehr, mahnte die 30-Jährige, gehe es um das Begreifen, zu was die Deutschen imstande waren. „Ja, auch andere Nationen. Aber eben auch die Deutschen. Und vor allem die Deutschen”, betonte Julitz und lieferte mit ihren Aussagen gleichzeitig eine Begründung, warum es nach wie vor in der Gegenwart wichtig bleibt, an den Terror zu erinnern. Jetzt, in einer Gegenwart, in der immer weniger Zeitzeugen im persönlichen Gespräch einen Eindruck von den erlebten Gräueltaten vermitteln können.

SPD-Abgeordnete Julitz vermisste die Jugend

Was sich außerdem noch im Laufe der Zeit geändert hat? Die Anzahl der Menschen, die 75 Jahre nach Ende der Nazi-Diktatur der Opfer gedenken. Es seien laut Julitz weniger geworden. „Viel zu wenig junge Menschen erinnern hier aktiv mit uns – auch heute hier” hätte sie sich in den Reihen der Besucher junge Gesichter gewünscht.

Junge Gesichter, eben die Jugend, blieben am Gedenktag selbst auch der offiziellen Kranzniederlegung am Gedenkstein für die 224 Ermordeten im Retzower Außenlager des KZ Ravensbrück in der Kietzstraße fern.

Beim Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus, machte Warens Stadpräsident Rüdiger Prehn (Die Linke) klar, gehe es in der Gegenwart nicht um Schuldgefühle der Nachkriegsgeborenen. Was bleibt sei aber Scham. „Es ist beschämend, dass heute der Antisemitismus in Deutschland wieder offen und häufiger seine Fratze zeigt”.

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