„COMBAT 18”-VERBOT

Darum führte Schlag gegen Neonazis Ermittler nach Malchin

Stundenlang hat die Polizei am Donnerstag die Wohnung eines mutmaßlichen Mitglieds der rechtsextremen Gruppe „Combat 18“ durchsucht. Nachbarn waren völlig überrascht, wer da in ihrem Block wohnt.
Seit den frühen Morgenstunden überwachte die Polizei den Wohnblock in der Malchiner Innenstadt. Gegen 9 Uhr brach di
Seit den frühen Morgenstunden überwachte die Polizei den Wohnblock in der Malchiner Innenstadt. Gegen 9 Uhr brach die Polizei dann die Tür zur Wohnung des mutmaßlichen „Combat 18“-Mitglieds auf. Torsten Bengelsdorf
Malchin.

Es war ein dumpfes Geräusch, das einige Mieter des Wohnblocks in der Wargentiner Straße am Donnerstagmorgen aufschreckte. Die Polizei hatte gegen neun Uhr die Tür zu einer Zwei-Raum-Wohnung in dem Block ganz in der Nähe des Marktplatzes aufgebrochen. Der Mieter wisse Bescheid, versuchten die Polizeibeamten die Nachbarn zu beruhigen. Zu Hause war der junge Mann jedenfalls nicht, als Beamte des Landeskriminalamtes am Donnerstag für mehrere Stunden die Zweiraumwohnung im Malchiner Stadtzentrum durchsuchten.

Kaum jemand in dem Wohnblock hatte zu diesem Zeitpunkt wohl auch nur eine Ahnung davon, mit wem sie da Tür an Tür wohnen. Die Durchsuchung galt – wie mehrere weitere in sechs Bundesländern – einem mutmaßlichen Mitglied der rechtsextremen Gruppe „Combat 18“, die das Bundesinnenministerium am Donnerstag verboten hat.

Anführer einer rechtsextremen Gruppe

Der Mann soll seit etwa drei Jahren in Malchin wohnen. Er stammt aus Rheinland-Pfalz und war hier Anführer der rechtsextremen „Chaos Crew 33“, wie die Recherche-Plattform Exif berichtet, die sich auf das Auswerten von Bildmaterial von Aufmärschen, Treffen und Veranstaltungen konzentriert. Die Mitglieder der „Chaos Crew 33“ ließen sich demnach besonders gern mit „Blood & Honour“- und „Combat 18“-Symbolik ablichten.

Im Juni 2011 hat der junge Mann laut Exif zusammen mit weiteren „Chaos Crew“-Mitgliedern einen anderen Neonazi fast zu Tode geprügelt. Sie hatten ihr Opfer des Verrats verdächtigt und es in eine Falle gelockt. Der Crew-Anführer wurde daraufhin zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Nach seiner Entlassung soll er sich der Neonazi-Gang „Sturmgruppe 44“ angeschlossen haben, die jedoch 2016 zerfiel. Daraufhin sei er dann offensichtlich zu „Combat 18“ weiter gezogen, heißt es auf verschiedenen Recherche-Plattformen. Auf Internetseiten linker Gruppen ist der Malchiner auch auf Rechtsrockkonzerten und bei Treffen verschiedener Neonazi-Gruppen zu sehen, darunter auch Gruppen aus anderen europäischen Ländern.

Mann führte in Malchin bisher unauffälliges Leben

In Malchin führt der mutmaßliche Neonazi ein eher unauffälliges Leben, so ist von Nachbarn zu hören. Nett und ruhig sei er und dann sowieso nur an den Wochenenden zu Hause, weil er außerhalb arbeite. Zuletzt sei er wohl vor etwa zehn Tagen in Malchin gewesen, die Rede ist von einer Beinoperation, wegen der er in einer Klinik sei. Besuch habe er in letzter Zeit selten gehabt. Von einer Auffälligkeit berichten Nachbarn dann doch noch: Der junge Mann sei stark tätowiert.

Das Innenministerium teilte am Donnerstagnachmittag mit, dass bei der Wohnungsdurchsuchung Tonträger und NS-Devotionalien beschlagnahmt worden seien. Zudem sollte dem Mann eigentlich die Verbotsverfügung zugestellt werden. Die Wohnungsgesellschaft hatte am Donnerstag noch während der Durchsuchung der Wohnung das Türschloss bereits wieder ausgewechselt.

Unverständnis, dassVerbot so lange verschleppt wurde

Die Landtagsfraktion Die Linke hatte bereits vor längerer Zeit auf den mutmaßlichen Anhänger von „Combat  18“ in Malchin hingewiesen und dazu auch die Landesregierung befragt, wie Fraktionsmitglied Peter Ritter am Donnerstag sagte. Aus Geheimhaltungsgründen gab es allerdings keine Antwort. Ritter zeigte sich am Donnerstag erstaunt, dass es so lange gedauert hat mit dem Verbot von „Combat 18“. „Wir haben mehrfach deutlich gemacht, dass man auch ,Combat 18‘ verbieten muss“, sagte er. Es sei nicht zu verstehen gewesen, im Jahr 2000 das Netzwerk „Blood and Honour“ zu verbieten, dessen bewaffneten Arm „Combat 18“ aber weiter bestehen zu lassen. „Damit hat man den betroffenen Personen Zeit gegeben, sich neu zu strukturieren“, so Ritter.

Verbotsverfahren allein würden jedoch nicht zum Ziel führen. Um Rechtsextremismus entgegenzuwirken, brauche es andere Mittel. Doch es sei schwer, solche Personen aufzuspüren. Denn die seien seit einiger Zeit nicht mehr in festen Kameradschaften organisiert. „Stattdessen gibt es lose Netzwerke“, sagte Peter Ritter.

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