TOTSCHLAGSPROZESS IN ROSTOCK

Baby von Mutter im Gebüsch abgelegt

Ein gesundes Neugeborenes wurde im Mai von seiner Mutter in einem Gebüsch abgelegt. Der Säugling starb. Am Dienstag startet der Prozess im Landgericht Rostock.
dpa
Eine Mutter soll ihr Neugeborenes bei einem Spielplatz abgelegt haben. Es starb. Am Dienstag startet der Prozess im Landgericht Rostock.
Eine Mutter soll ihr Neugeborenes bei einem Spielplatz abgelegt haben. Es starb. Am Dienstag startet der Prozess im Landgericht Rostock. Bernd Wüstneck
Rostock.

Weil sie ihr gerade geborenes Kind seinem Schicksal überlassen hat und es wohl deshalb starb, muss sich von Dienstag an eine 26-jährige Frau vor dem Landgericht Rostock verantworten. Laut Anklage hat sie Ende Mai vergangenen Jahres im Rostocker Stadtteil Lichtenhagen ein gesundes Mädchen neben einer Tischtennisplatte entbunden und es anschließend in einem Gebüsch abgelegt. Bei Temperaturen zwischen 11 und 19 Grad und einer fehlenden Versorgung habe die junge Frau billigend in Kauf genommen, dass das nackte Neugeborene sterben könnte. Zudem habe sie den Ablageort so gewählt, dass das Kind nicht schnell habe gefunden werden können. Damit habe sie sich des Totschlags schuldig gemacht.

Wahrscheinlich eine verleugnete Schwangerschaft

Wie die Rostocker Rechtsmedizinerin und Betreuerin der Opferambulanz, Verena Kolbe, sagte, handelt es sich möglicherweise um einen Fall einer verleugneten Schwangerschaft. „Das ist ein gut bekanntes Phänomen, das immer wieder vorkommt”, sagte Kolbe. Es sei aber meist schwierig, an die betroffenen Frauen heranzukommen und sie über die vielfachen Möglichkeiten der Hilfe zu informieren. Es könne auch sein, dass das Umfeld der Mutter nichts von der Schwangerschaft mitbekommen habe. Hilfe fänden Frauen etwa bei Jugendämtern, Pro Familia oder über eine Hotline des Bundesfamilienministeriums.

Der Chef der Deutschen Kinderhilfe, Rainer Becker, gab zu bedenken, dass es Frauen gebe, die extrem spät ihre Schwangerschaft bemerken. Sie könnten dann leicht in Panik geraten, vor allem dann, wenn sie in schwierigen sozialen Umständen lebten. Er forderte mehr Werbung für Babyklappen mit entsprechenden Broschüren, die an zentralen Orten wie Jobcenter oder Sozialämtern ausgelegt werden sollten.

Im Notfall an Hilfetelefon „Schwangere in Not” wenden

Sozialministerin Stefanie Drese (SPD) warb für die vertrauliche Geburt. „Schwangere Frauen, die sich einer Notlage befinden und ihre Identität nicht preisgeben möchten, haben auf gesetzlicher Grundlage die Möglichkeit, vertraulich in einer Klinik zu entbinden.” Der Zugang zu diesem Angebot sei über das bundesweite Hilfetelefon „Schwangere in Not” zu finden. Via Chat und E-Mail würden die Frauen an eine Beratungsstellen vermittelt. „Die Kosten für vertrauliche Geburten sowie die Vor- und Nachsorge werden durch das Bundesfamilienministerium übernommen.”

 

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