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Landespolizei ist gnatzig

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Wie viel Kriminalität gibt es wirklich? – Neue Dunkelfeldstudie startet mit Panne

Das LKA will mit der Studie in Erfahrung bringen, wie viele Straftaten nicht angezeigt werden.
Das LKA will mit der Studie in Erfahrung bringen, wie viele Straftaten nicht angezeigt werden.
Silas Stein

Viele Straftaten werden nicht angezeigt. Das Landeskriminalamt schiebt nun dazu eine zweite große Bürgerbefragung an. Selbst wollten die Experten aber erst mal nicht viel sagen.

Die Landespolizei will nach Informationen des Nordkuriers erneut mit einer groß angelegten Studie Licht ins Dunkle bringen: Wie weit weicht die Polizeiliche Kriminalstatistik von der Wirklichkeit ab? Derzeit flattern 10 000 Bürgern in Mecklenburg-Vorpommern Briefe der Polizei-Fachhochschule Güstrow ins Haus.

In dem Schreiben wird die zweite so genannte Dunkelfeldstudie nach 2015 angekündigt und die per Zufallsprinzip ausgewählten Bürger gebeten, daran teilzunehmen. In der kommenden Woche sollen dann die Fragebögen verschickt werden. Im Kern geht es den Experten unter Federführung des Landeskriminalamtes (LKA) darum, wie viele Straftaten nicht angezeigt werden.

Die erste Dunkelfeldstudie hatte erschreckende Ergebnisse zu Tage gebracht. Demnach werden in Mecklenburg-Vorpommern hunderttausende Straftaten nicht angezeigt: Bei jedem 14. Delikt war das der Fall. Vor allem bei Computerkriminalität, Sexualdelikten und häuslicher Gewalt geht demnach kaum ein Betroffener zur Polizei.

Fachhochschule sorgt für Panne

Zwischen 98 und 99 Prozent aller Fälle in diesen Bereichen werden der Studie zufolge nicht angezeigt. Ein Grund dafür sei etwa Scham, hieß es. Opfer würden sich aber auch nicht melden, weil sie die Straftaten als Bagatelldelikte einstuften.

Gleich zum Start der zweiten Studie haben LKA und Fachhochschule allerdings mit einer schweren Panne zu kämpfen. Eigentlich sollte die Öffentlichkeit erst kommende Woche informiert werden. Ohne Absprache untereinander hat nun aber die Fachhochschule Güstrow schon die ersten Ankündigungsbriefe verschickt.

Entsprechend vergnatzt reagierte man gestern beim LKA auf eine entsprechende Anfrage unserer Redaktion und verwies in einer ersten Stellungnahme lediglich auf die geplante Präsentation. Bei der soll dann auch endlich der Abschlussbericht der ersten Dunkelfeldstudie vorgestellt werden, der bislang in den Tresoren lag.

Mehr als 8100 Einwohner befragt

In einem Zwischenbericht war die Öffentlichkeit lediglich über landesweite Ergebnisse informiert worden, nicht aber über regionale Erkenntnisse. Für die Analyse waren Anfang 2015 mehr als 8100 Einwohner Mecklenburg-Vorpommerns ab 16 Jahren angeschrieben und gebeten worden, einen umfangreichen Fragenkatalog zu beantworten.

Von den zurückgesandten Fragebögen konnten 3170 statistisch ausgewertet werden. Damit seien die Ergebnisse repräsentativ, hieß es damals. Die erste hatte auch Befürchtungen der Gewerkschaft der Polizei bestätigt, so Landeschef Christian Schumacher. Sein Kommentar: „Mit Besorgnis sehen wir die zunehmende Angst der Bevölkerung, Opfer von Straftaten zu werden.“

Kommentare (1)

Wer zeigt denn noch etwas an, wenn es Kleinigkeiten sind? Selbst wenn der oder die Täter gefunden und evtl verurteilt wird ,bleibt man auf dem Schaden sitzen bzw muss erst aufwendig mittels Rechtsanwalt per Zivilklage seinen Schadenersatz Schmerzensgeld oder ähnliches einklagen. Selbst da ist fraglich ob man es bekommt, wenn der Verklagte zB Zahlungsunfähigkeit nachweist. Meist aber kommt nach Fristablauf der obligatorische Brief der Staatsanwaltschaft mit dem Hinweis, das das Verfahren eingestellt wurde, weil kein Täter ermittelt werden konnte. Im übrigen hat die Polizei garnicht genug Personal bei allen Anzeigen zu ermitteln, schon garnicht beim Normalbürger. Ausserdem ist die Polizei mit dem Schutz von politischen Veranstaltungen, Weihnachtsmärkten etc schon mehr als genug ausgelastet. Also ist eine solche Umfrage schlicht und ergreifend Quatsch und somit sinnlos vertane Dienstzeit, die die durchführenden Personen sinnvoller nutzen sollten. Wenn es polizeiliche Uniformträger sind zB Streifendienst.