VERSTEIGERUNG IN KAROW

"T-Trump" ist Champion der Zuchtbullen-Auktion

Bei der Jungbullen-Auktion in Karow wurden alle Tiere verkauft – darunter auch das 900-Kilo-Rind „T-Trump”. Die Züchter sind aber durch Trockenheit und Wölfe beunruhigt.
dpa
„T-Trump” wird Gesamt-Champion aller Rassen bei der Körung der Zuchtbullen vor der 19. Fleischrindbullen-Auktion.
„T-Trump” wird Gesamt-Champion aller Rassen bei der Körung der Zuchtbullen vor der 19. Fleischrindbullen-Auktion. Bernd Wüstneck
Karow.

„Das ist „T-Trump”. Der mischt sich in alles ein, der mischt ihre Herde auf”, ruft Auktionator Claus-Peter Tordsen in das Mikro. Ein Raunen geht am Mittwoch durch die Auktionshalle in Karow (Ludwigslust-Parchim), die Anspielung auf den US-Politiker scheint anzukommen.

Als der fast 900 Kilogramm schwere Bulle durch den Versteigerungsring geführt wird, steigt der Preis des wuschelig-braunen Rindes der Rasse Fleckvieh-Simmenthal schnell von 2000 Euro auf 3500 Euro. „Da muss doch noch mehr drin sein, das ist doch der Champion seiner Rasse”, ruft der Auktionator. Und es klappt: Fünf Minuten später ist „T-Trump” verkauft – für 4000 Euro.

Kein Einzelfall auf der Versteigerung der besten Fleischrindbullen: „Wir sind sehr zufrieden, die Halle war proppenvoll und alle 52 Bullen wurden verkauft”, sagt Organisatorin Sabine Schmidt vom Zuchtverband RinderAllianz (Woldegk). Überhaupt könne eine rundum positive Bilanz gezogen werden. So war der Andrang aus vielen Bundesländern mit rund 600 Besuchern so stark wie lange nicht.

Zuchtbullen sollen für gesunde Kälber sorgen

Der Verband vertritt rund 1300 Rinderhalter in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Westbrandenburg. Von denen halten etwa zwei Drittel Milchrinder und ein Drittel Fleischrinder. Das sind die Tiere, die am häufigsten auf Wiesen und Weiden zu sehen sind. Die Mutterkühe ziehen ihre Kälber auch weitgehend im Freien auf, erläutert Schmidt. Die 12 bis 18 Monate alten Zuchtbullen, die nun versteigert wurden, sollen in den Fleischrindherden für gesunde Kälber sorgen und bestimmte Merkmale wie eine gute Zunahme und Fleischqualität weitervererben.

Besonders gefragt waren diesmal Zuchtrinder der Rasse Angus, von denen drei Tiere des Züchters Hartmut Keunecke aus Strasburg (Vorpommern-Greifswald) die höchsten Preise mit je 5300 Euro erzielten.

Probleme mit Trockenheit und Wölfen

Die Fleischrindzüchter, wie Gerhard Schmidt aus Mansfeld (Sachsen-Anhalt), haben aber auch Sorgen. „Die Pachtpreise haben sich vervierfacht seit 1990”, sagt Schmidt, der mit seinem Sohn 100 Kühe hält. Dazu komme, dass die EU-Förderung sich halbiert habe und die Auswirkungen des enorm trockenen Jahres 2018 – als zwei von drei Schnitte beim Gras ausfielen – noch immer zu spüren sind. „Ein Glück, dass wir noch Reserven hatten”, sagt Schmidt, der einen Angus-Bullen für 4000 Euro gekauft hat.

Über genug Reserven beim Futter berichtet auch Reiner Trippschuh, der im westmecklenburgischen Deibow einen Biobetrieb hat. „Die Marktlage ist gut”, sagt der 67-Jährige. Aber in der Region an der Grenze zu Westbrandenburg gebe es immer mehr Wölfe. „Ich habe keine Lust, bald einmal Kadaver vom Feld zu schleppen”, erzählt der Bauer.

Deshalb habe er zwar einen Jungbullen zur Befruchtung der Kühe gekauft, aber die Tierzahl insgesamt soll verringert werden. In der Region Westmecklenburgs, die an Niedersachsen und die dünn besiedelte Prignitz grenzt, gibt es mehrere Wolfsrudel. Es gab auch schon Attacken auf Rinder.

Unterdessen hat der Auktionator mit großer Redekunst weitere Zuchtbullen an die Käufer gebracht. Namen wie „Cesars Boy”, „Ed Blue”, auch „Joschka”, „Uran”, „Santana” und „Infantino” sind dabei. Die höchsten Preise erzielen fast immer die Sieger ihrer Rassen, zu denen Uckermärker, Blond d'Aquitaine, Fleckvieh-Simmenthal, Angus und Charolais gehören – wie eben auch „T-Trump”, dessen „Mutter” aus Großbritannien stammt.

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