WEGEN CORONA

Potentielle Azubis in MV zögern bei Entscheidung

Die Einschränkungen der Corona-Krise wirken nach: Obwohl viele Firmen ausbilden wollen, halten sich junge Menschen derzeit zurück. Die Wirtschaft fordert mit dem Azubi-Ticket ein Signal an die Familien.
Trotz vieler freier Ausbildungsplätze gebe es bisher im Osten von MV eine deutliche Zurückhaltung beim Abschluss von
Trotz vieler freier Ausbildungsplätze gebe es bisher im Osten von MV eine deutliche Zurückhaltung beim Abschluss von Lehrverträgen, warnte die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Ein Azubi-Ticket wäre ein positives Signal. Daniel Bockwoldt
Neubrandenburg.

Die Wirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern fordert eine zügige Entscheidung zum angekündigten Azubi-Ticket für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Land. Trotz vieler freier Ausbildungsplätze gebe es bisher im Osten des Landes eine deutliche Zurückhaltung beim Abschluss von Lehrverträgen, warnte die Handwerkskammer Ostmecklenburg-Vorpommern. Für rund 500 freie Plätze werden derzeit noch Lehrlinge gesucht, darunter allein 60 im Elektrohandwerk, 43 in der Kfz-Branche und 42 im Sanitär-Handwerk.

Viele Eltern und Schüler verunsichert wegen Corona-Einschränkungen

Bei den Bewerbungsgesprächen gehörten finanzielle Hilfen für die Fahrt zu den zentral gelegenen Berufsschulen oft zu den ersten Fragen der Lehrstellenbewerber und derer Eltern, sagte Handwerkspräsident Axel Hochschild. „Aufgrund der längeren Wege und der damit verbundenen hohen Kosten für Fahrten und Unterkunft schließen viele Jugendliche den Ausbildungsvertrag nicht ab. Dies betrifft vor allem die ländlichen Regionen“, beschreibt er die Lage. Die Landesregierung habe mit 10 Millionen Euro das lang erwartete Azubi-Ticket zugesagt. „Jetzt brauchen wir Klarheit und Planungssicherheit.“

Die Corona-Krise habe zu einer besonderen Lage in der Berufsausbildung geführt. „Viele Schüler und deren Eltern sind jedoch verunsichert. Schulmarketing findet in diesem Jahr vor allem online statt. Das erste direkte Gespräch zwischen Unternehmer und Lehrstellenbewerber erfolgt oft per Chat. Gerade jetzt gilt es, weitere Signale zu setzen, die Ausbildungsbetrieben und künftigen Berufsschülern Sicherheit geben“, so Hochschild. Dazu zähle das landesweite Azubi-Ticket, das mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres dringend gebraucht werde.

MV im Osten einziges Land ohne Azubi-Ticket

Im Osten Deutschland sei Mecklenburg-Vorpommern inzwischen das einzige Bundesland ohne ein Azubi-Ticket, sagte Ellen Grull, Leiterin des Bereichs Aus- und Weiterbildung bei der Industrie- und Handelskammer Neubrandenburg. „Das Land hat seine Berufsschulen an wenigen Standorten konzentriert“, betont sie. Vor diesem Hintergrund sei es unfair, wenn die jungen Leute und ihre Eltern dafür aufkommen und höhere Kosten tragen müssten. „Welches Modell am Ende auch gelten mag, wir benötigen es jetzt“, sagte sie. Grull bestätigte den Eindruck des Handwerks, wonach die Schüler derzeit zögern, sich für einen Beruf zu entscheiden.

Nach Angaben der Staatskanzlei steht das Azubi-Ticket am kommenden Mittwoch auf der Tagesordnung einer Beratung der Landesregierung mit Unternehmensverbänden und Gewerkschaften.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Neubrandenburg

Kommende Events in Neubrandenburg (Anzeige)

zur Homepage