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Beuys-Kunstwerk „entweiht”

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Philipp Amthor trifft ersten Fettnapf im Bundestag

Philipp Amthor ist kein großer Kunstkenner.
Philipp Amthor ist kein großer Kunstkenner.
Claudia Malangre

Philipp Amthor macht selbst keinen Hehl daraus, dass er für die Kulturseiten in den Zeitungen keine Zeit hat. Nun wurde sein unbekümmerter Umgang mit moderner Kunst deutlich.

Es geht um ein Kunstwerk von Joseph Beuys, es steht vorm Plenarsaal des Bundestags auf einem kleinen Podest. Wenn es denn zu verkaufen wäre, müsste man mindestens eine halbe Million hinlegen. Philipp Amthor (CDU) allerdings legte einfach sein Handy drauf. Auf den Tisch! AUF DEN BEUYS!

Denn das Kunstwerk, das er „entweihte”, ist ein Tisch, genauer ein „Tisch mit Aggregat”, so heißt das Kunstwerk. Auf dem Tisch ist ein seltsamer Apparat, aus dem zwei Kabel kommen, die zu zwei anderen Apparaten führen, die auf dem Boden vor dem Tisch herumliegen. Und auf diesen Tisch nun packte Amthor sein Handy, um die Hände für ein TV-Interview frei zu haben.

„Ist das Kunst oder kann das weg?”

Kunstwerke von Joseph Beuys mussten allerdings schon schlimmere Dinge über sich ergehen lassen. Einmal machte sich ein Hausmeister an einer Fett-Installation zu schaffen. Beuys hatte mit kiloweise Fett eine Ecke seines Ateliers drapiert, nach seinem Tod räumte der Hausmeister 1986 die stinkenden Brocken zusammen.

13 Jahre zuvor war es einem anderen Kunstwerk von Beuys an den Kragen gegangen, er hatte eine alte Badewanne mit Heftpflastern, Mullbinden, Kupferdraht und Fett malträtiert. Eine feuchtfröhliche SPD-Truppe, die in dem Museum feierte, in der die Wanne stand, säuberte die Badewanne. Der Spruch „Ist das Kunst oder kann das weg?” geht auf solche Vorfälle zurück.

In beiden Fällen wurden hohe Entschädigungszahlungen fällig. Amthor kam mit einem bösen Blick und Ermahnungen durch den Saaldiener davon.