DNA-Analyse

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Offenbart Julianes Sarg die Wahrheit?

Wurde hier die kleine Juliane im Dezember 1977 begraben? Oder lebt sie noch? Nach der Exhumierung untersuchen Experten mehrere DNA-Proben.
Wurde hier die kleine Juliane im Dezember 1977 begraben? Oder lebt sie noch? Nach der Exhumierung untersuchen Experten mehrere DNA-Proben.
Ralph Sommer

Starb die kleine Juliane 1977 oder wurde sie zwangsadoptiert? Jetzt könnte ihre Mutter endlich durch die Graböffnung Gewissheit bekommen.

Jahrelang quälte Christa Steenvoorden der furchtbare Verdacht, dass ihre dreijährige Tochter Juliane im Dezember 1977 nicht – wie einst von den Behörden angegeben – gestorben, sondern seinerzeit heimlich zwangsadoptiert worden war.

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit ist in dieser Woche die frühere Grabstelle auf dem Sassnitzer Friedhof geöffnet worden. Dabei seien DNA-Proben entnommen worden, sagt die Mutter. Rechtsmediziner des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf sollen nun untersuchen, ob es sich dabei um die sterblichen Reste ihrer Tochter handelt.

Im März 2016 hatte eine Georadarmessung der 2002 eingeebneten und danach neu vergebenen Grabstelle nur vage Hinweise auf einen Sarg, nicht aber auf dessen Inhalt gegeben. Daraufhin hatte Steenvoorden die Exhumierung beantragt, der im August vergangenen Jahres das Verwaltungsgericht Greifswald und auch die neuen Inhaber des Grab-Nutzungsrechts zugestimmt hatten.

Graböffnung erst nach Protesten und Gerichtsverhandlung

Die Stadt Sassnitz sah darin aber eine Störung der Totenruhe und legte gegen das Urteil Berufung ein. Nach öffentlichen Protesten hatten sich schließlich im Frühjahr 2018 beide Seiten in nicht öffentlicher Verhandlung vor dem Greifswalder Oberverwaltungsgericht auf die Graböffnung verständigt.

Ein Porträt der dreieinhalbjährigen Juliane Kube

Das Mädchen soll seinerzeit in der Badewanne ihrer Großeltern ums Leben gekommen sein, während ihre Mutter Christa, zu DDR-Zeiten selbstständige Floristin, zu einer Verkehrsschulung zitiert worden war. Den Leichnam hatte sie nie zu Gesicht bekommen. Ihr damaliger Ehemann, der angeblich für die Staatssicherheit gearbeitet haben soll, ist inzwischen verstorben.

Auch die Großeltern leben heute nicht mehr. Im Jahr 2016 bekam Christa Steenvoorden nach eigenen Angaben einen anonymen Anruf einer Frau: „Ja, ich möchte Ihnen nur sagen, dass ihre Tochter Juliane Kube lebt. Fangen Sie bitte endlich an, zu suchen.“ Zwangsadoptionen zählen zu den kaum aufgearbeiteten Kapiteln der DDR-Geschichte.