BEREITS 17 TODESFÄLLE

Kliniken in MV haben Coronavirus im Blick

Mehr Tote, mehr Erkrankte: Das Coronavirus breitet sich in China weiter aus. Auch in Mecklenburg-Vorpommern nehmen die Kliniken die neue Entwicklung ernst.
Erhöhte Vorsicht: Hier wird die Körpertemperatur einer Passagierin bei ihrer Ankunft am Soekarno-Hatta International
Erhöhte Vorsicht: Hier wird die Körpertemperatur einer Passagierin bei ihrer Ankunft am Soekarno-Hatta International Airport in Tangerang (Indonesien) gemessen. Tatan Syuflana
Der neuen Lungenkrankheit in China sind bereits 17 Menschen zum Opfer gefallen.
Der neuen Lungenkrankheit in China sind bereits 17 Menschen zum Opfer gefallen. Tatan Syuflana
Neubrandenburg.

Der Rostocker Tropenmediziner Emil Reisinger hat wegen des gefährlichen Coronavirus zu einem umsichtigen Verhalten aufgerufen. Dass das derzeit in Asien grassierende Virus auch in Deutschland auftauchen werde, sei für ihn sicher, sagte Reisinger am Mittwoch. „Es kann durchaus sein, dass erste Fälle auch in Mecklenburg-Vorpommern auftauchen.“

Das Virus sei bereits in den weltweiten Reiseverkehr eingeschleust. Zu den Vorsorgemaßnahmen gehöre wie bei jeder Grippeepidemie beispielsweise regelmäßiges Händewaschen und das Vermeiden größerer Menschenansammlungen.

Die Menschen könnten sich auch vorbereiten, indem sie im Falle nachgewiesener Infektionsfälle eine „gewisse Distanz“ halten, betonte der Mediziner. Dazu gehörten der Verzicht aufs Händeschütteln oder Begrüßungsküsse. Je nach Verlauf könnte es auch dienlich sein, dann – wie in Asien häufig zu sehen – einen Mundschutz zu tragen. Es sei davon auszugehen, dass bei einer Infektion der Großteil der Betroffenen nur geringe Symptome verspüren werde und keine Lungenentzündung entwickle, sagte Reisinger.

Greifswald: Nehmen das Thema sehr ernst

Im Universitätsklinikum Greifswald hielt man sich mit einer Einschätzung der Lage am Mittwoch noch zurück. „Die Information, dass der Virus von Mensch zu Mensch übertragen wird, ist neu. Das macht in Kombination mit den vielen Reisebewegungen durch das chinesische Neujahrsfest eine neue Risikobewertung erforderlich”, sagte ein Klinik-Sprecher am Mittwoch auch Anfrage des Nordkurier. Er verwies auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO), von der am Mittwoch eine neue Einschätzung erwartet wird.

„Die Universitätsmedizin nimmt das Thema sehr ernst, beobachtet die Entwicklungen genau und ist bereits dabei, entsprechende denkbare Maßnahmen zu entwickeln”, so der Sprecher. Vor allem werde es darum gehen, mögliche Risikopatienten zu erkennen, Patienten auf Voraufenthalte in Wuhan zu befragen und Übertragungswege abzuschneiden. Letzteres sei auch bei der Influenza oder multiresistenten Erregern üblich.

Bereits 17 Todesfälle in China

Die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit ist in China inzwischen sprunghaft auf 17 gestiegen. Mit gut 150 Nachweisen binnen eines Tages nahm auch die Zahl erfasster Virus-Infektionen stark zu. Bis zum Abend (Ortszeit) waren 473 nachweislich mit dem Coronavirus Erkrankte erfasst. Allein am Mittwoch stieg die Zahl der Toten von bisher 6 auf 17, wie die Regierung der Provinz Hubei in der schwer betroffenen Metropole Wuhan berichtete. Auch außerhalb Chinas wurden weitere Infektionen bekannt. Erstmals wurde ein Fall in den USA gemeldet.

In Europa gibt es bislang keine Nachweise. Nach Einschätzung der Bundesregierung bedeutet die Ausbreitung der neuen Lungenkrankheit nur ein „sehr geringes“ Gesundheitsrisiko für die Menschen in Deutschland. Es gebe keinen Grund, jetzt in Alarmismus zu verfallen, sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU).

In den USA sei ein Mann erkrankt, der nach einer Reise in die chinesische Stadt Wuhan am 15. Januar in die Westküstenmetropole Seattle zurückgekehrt war, teilte die US-Gesundheitsbehörde CDC am Dienstag (Ortszeit) mit. Der Mann in seinen 30ern habe bei der Rückreise noch keine Symptome bemerkt, sich später aber zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben. Sein Zustand sei gut. Es bestehe nur ein sehr geringes Risiko, dass er weitere Menschen angesteckt haben könnte, hieß es. Die Behörden seien dabei, eine Liste der Menschen zusammenzustellen, mit denen der Mann Kontakt hatte.

Russland verstärkt Kontrollen an allen Grenzposten

Die Krankheit war zuvor bereits in Japan, Südkorea, Taiwan und Thailand nachgewiesen worden – bisher stets bei Menschen, die sich zuvor in China aufgehalten hatten. In Thailand sind mit zwei neuen Fällen inzwischen vier Erkrankte erfasst, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Thailands Behörden haben demnach seit Anfang Januar rund 20.000 Menschen auf mögliche Symptome wie Fieber kontrolliert, die mit Flügen aus Wuhan gekommen waren.

Russland will die Kontrollen an allen Grenzposten verstärken. „Wir wollen so verhindern, dass das Coronavirus in unser Land eingeschleppt wird“, sagte Jelena Jeschlowa von der russischen Verbraucherschutzbehörde der Agentur Tass zufolge. Vor allem an der rund 4200 Kilometer langen Grenze zu China sollen Einreisende mit Temperaturmessungen kontrolliert und zusätzlich befragt werden.

Es wird vermutet, dass das neue Coronavirus von einem Fischmarkt in der zentralchinesischen 11-Millionen-Metropole Wuhan kommt, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Man gehe zum jetzigen Zeitpunkt davon aus, dass die Quelle ein Wildtier auf dem Markt gewesen sei, sagte Gao Fu, Direktor des chinesischen Zentrums für Seuchenkontrolle. Demnach gab es zunächst Übertragungen vom Tier zum Menschen, bevor das Virus sich an seinen neuen Wirt anpasste und es zu Übertragungen zwischen Menschen kam.

Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Sonnabend wächst die Gefahr einer Ausbreitung der Viruskrankheit. Bei der größten jährlichen Reisewelle des Landes sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Gesundheitsexperten befürchten, dass besonders ansteckende Patienten das Virus schneller streuen könnten. Sogenannte Superverbreiter (engl. Superspreader) hatte es auch bei der ebenfalls von China ausgegangenen Sars-Pandemie gegeben, der 2002/2003 rund 800 Menschen zum Opfer fielen.

Das neue Virus gehört zur selben Virusart, es ist nur eine andere – nach derzeitigem Stand harmlosere – Variante. Gerade auch wegen der Erinnerungen an den Sars-Ausbruch ist die neue Erkrankung bei Menschen in China zum allgegenwärtigen Thema geworden. Das Land war damals praktisch zum Stillstand gekommen, Schulen blieben über Wochen geschlossen. Sars-Viren gehören zu den Coronaviren, die oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen verursachen. Allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Mers dazu.

In Peking sind inzwischen ungewöhnlich viele Menschen mit Schutzmasken unterwegs. In einigen Geschäften waren diese bereits ausverkauft. Familien diskutierten, ob geplante Reisen über die Feiertage abgesagt werden sollten.

EU-Kommission will sich beraten

Experten sind überzeugt, dass Reisende die neue Lungenkrankheit zumindest vereinzelt auch nach Europa bringen werden. Die WHO hatte wegen der Lungenkrankheit ihren Notfallausschuss einberufen. Die Experten berieten am Mittwoch. Auch die EU-Kommission plante zur Bewertung der Risiken durch die neue Lungenkrankheit ein Treffen.

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