WEITERE SCHÄDEN ENTDECKT

„Greif“ sagt auch für 2021 alle Segeltörns ab

Um das Segelschulschiff „Greif“ ist es offenbar deutlich schlechter bestellt, als gedacht. Nicht nur die aktuelle Segel-Saison fällt flach, auch 2021 wird es wohl keine Törns geben.
Hiobsbotschaft für die Hansestadt Greifswald und alle Segelfreunde. Bei einem turnusmäßigen Reparaturaufenthal
Hiobsbotschaft für die Hansestadt Greifswald und alle Segelfreunde. Bei einem turnusmäßigen Reparaturaufenthalt in der Peene-Werft Wolgast sind am Segelschulschiff „Greif” größere Schäden festgestellt worden, als befürchtet. Silvio Weiß
Sowohl die Segelsaison 2020, als auch die für 2021 wurden abgesagt.
Sowohl die Segelsaison 2020, als auch die für 2021 wurden abgesagt. Stefan Sauer
Greifswald.

An der Außenhaut des 69 Jahre alten Segelschulschiffs „Greif” seien während des jüngsten Werftaufenthalts in Wolgast weitere Schäden festgestellt worden, sagte Greifswalds Oberbürgermeister Stefan Fassbinder (Grüne).

Da derzeit nicht klar sei, wie hoch die Reparaturkosten seien und wann die „Greif“ in die diesjährige Segelsaison starten könnte, habe sich die Stadt als Schiffseigner – auch angesichts der anstehenden Grundsatzdebatte zur Zukunft des 41 Meter langen Zweimasters – dafür entschieden, die Segelsaison 2020 komplett abzusagen.

Anzahlungen werden zurückgezahlt

„Das bedauern wir außerordentlich“, betonte Fassbinder. „Das ist für alle Menschen, die Törns gebucht haben und die Saison vorbereitet haben, keine gute Nachricht. Zudem bedeutet das auch finanzielle Ausfälle für den Eigenbetrieb.“ Er versicherte, dass alle bereits geleisteten Anzahlungen in Höhe von rund 55.000 Euro vollständig zurückgezahlt werden.

Ursprünglich sollten an der Backbordseite des Vorschiff angerostete Schiffsplatten und -spanten ausgetauscht werden. Auch die historische Ankerwinde sollte einen neuen Anstrich erhalten. Diese Reparaturkosten beliefen sich Schätzungen zufolge auf etwa 50.000 Euro und sollten aus dem städtischen Budget für Reparatur und Instandsetzung finanziert werden.

Fahrt mit Passagieren ausgeschlossen

Während des Werftaufenthaltes zeigte sich bei einer Ultraschallmessung auf der Steuerbordseite des Vorschiffes, dass die Schiffsplatten dort ebenfalls deutlich korrodiert sind und teilweise nicht mehr die zulässige Dicke aufweisen.

„Die ursprüngliche Idee, nur die einzelnen Stellen zu reparieren und mit der ´Greif´ im April fristgerecht in die neue Saison starten zu können, hat sich damit leider zerschlagen“, bedauerte Betriebsleiter Friedrich Fichte. Eine Fahrt mit Passagieren sei in diesem Zustand ausgeschlossen.

Mehr lesen: Segelschulschiff "Greif" läuft während Fischerfest auf Grund.

Weiterbetrieb als Segelschulschiff?

Nun soll zunächst durch ein Ingenieurbüro ein Konzept für die Grundsanierung und Modernisierung des Schiffes erarbeitet werden. Es soll Mitte des Jahres vorliegen. Sollte sich die Bürgerschaft für einen Weiterbetrieb der „Greif“ als Segelschulschiff in Fahrt aussprechen, könnte eine Sanierung ab 2021 erfolgen, sagte Fassbinder. Damit werde es voraussichtlich vor 2022 keine Törns geben.

In der Zwischenzeit soll die Brigantine an ihrer Pier im Heimathafen Greifswald-Wieck für Schiffsbesichtigungen und Musikveranstaltungen erlebbar gemacht werden. Das Schiff wird in der nächsten Zeit von Wolgast nach Greifswald Wieck überführt.

Grundinstandsetzung zwingend geboten

Zuletzt war die „Greif“ 1991 umfassend instandgesetzt worden. Nach 30 Jahren Schiffsbetrieb sei eine Grundinstandsetzung des mobiles Denkmals zwingend geboten“, sagte der Betriebsleiter.

Dazu gehörten neben der Reparatur des Stahlrumpfes auch die Aufarbeitung der Decks und Aufbauten, die Erneuerung von Teilen der Takelage, der Austausch des Antriebs sowie die Erarbeitung eines neuen Innenraumkonzeptes. Statt eines großen Schlafraumes ist künftig die Unterbringung in kleineren Kammern geplant. Für die Finanzierung wird parallel nach Fördermöglichkeiten gesucht.

Der Traditionssegler sollte im Frühjahr wieder aufgetakelt und für die nächste Saison flott gemacht werden. Die erste Ausfahrt war für den 9. April zur dänischen Ostseeinsel Bornholm vorgesehen. Auf dem diesjährigen Törnplan standen zudem Gästefahrten nach Ystad (Schweden), Rügen und Hiddensee, Danzig (Polen), Gotland (Schweden), Rostock, Bremerhaven, Kiel und Kopenhagen (Dänemark).

Die „Greif“ – stolzes Flaggschiff der Hansestadt Greifswald

Greifswald. Der bis zu 14 Knoten (25 Kilometer pro Stunde) schnelle Zweimaster war 1951 gebaut und unter dem Namen „Wilhelm Pieck“ in Dienst gestellt worden.

Ausgestattet mit 15 Segeln und einer Gesamtsegelfläche von 570 Quadratmetern diente zu DDR-Zeiten das Segelschiff der Marinetechnikschule der damaligen Gesellschaft für Sport und Technik (GST) vor allem der Ausbildung von Kadetten für die Hochseeschifffahrt.

Die längste Reise hatte das Schiff 1957 in 99 Tagen und 8.000 Seemeilen (14.800 Kilometer) nach Albanien, Bulgarien, Rumänien und die Ukraine am Schwarzen Meer geführt.

Im Jahre 1991 hatte die Treuhandanstalt die Schonerbrigg an die Hansestadt Greifswald übertragen, die das Schiff in „Greif“ umbenennen ließ. Seitdem wurde es vor allem für touristische Reisen im Ostseeraum genutzt.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Greifswald

Kommende Events in Greifswald (Anzeige)

zur Homepage