Warnbeleuchtung

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Ende des dauernden Windrad-Blinkens sorgt für Streit

Sie blinken und blinken und blinken: Anwohner fühlen sich vom nächtlichen Leuchten der Windkraftanlagen gestört. 
Sie blinken und blinken und blinken: Anwohner fühlen sich vom nächtlichen Leuchten der Windkraftanlagen gestört.
Kai Horstmann

Nachts blinken permanent Positionslichter an Windkraftanlagen, um Piloten zu warnen. Das soll aufhören. Uneinigkeit herrscht aber bei der Wahl des richtigen Systems.

Die pausenlose Warnbeleuchtung als Schutz vor Flugzeug-Kollisionen aller Windräder in Deutschland muss ab dem 1. Juli 2020 abgeschaltet werden. Das hatte der Bundestag beschlossen. So einfach und doch so kompliziert, denn es gibt keine Einigkeit darüber, mit welchem System die Flugzeugwarnung in Zukunft sichergestellt werden kann.

Nach dem Bundestags-Entwurf sollen alle Windräder und alle Flugzeuge mit Transpondern ausgerüstet werden. Die Signale der Flugzeuge könnten von Antennen an den Windparks empfangen werden, die wiederum bei der Annäherung des Flugzeuges die Warnbeleuchtung aktiviert. Die Deutsche Flugsicherung (DFS) meldete Vorbehalte bei diesem Transponder-Modell an, da etwa nicht alle Flugzeuge über entsprechende Systeme verfügten.

Experten plädieren daher für windparkgestützte Radarlösungen, wie das von der brandenburgischen Firma Enertrag mit Airbus entwickelte Airspex-System mit Radartechnik des norwegischen Unternehmens OCAS. Dazu werden an ausgewählten Masten eines Windparks Radarsensoren angebracht, die permanent elektromagnetische Impulse in die Umgebung sendeten. Nähert sich ein Flugobjekt in Flughöhen unter 600 Metern gefährlich nahe dem Park, dann werden die Signale von diesem reflektiert. Die zurückkommenden Impulse lösen daraufhin einen stillen Alarm aus, und die Warnlichter werden sofort eingeschaltet.

System in Modellversuch getestet

Das System war in einem weltweit ersten Modellversuch in Nadrensee (Kreis Vorpommern-Greifswald) getestet worden. Seit sechs Jahren bewährt es sich bereits bei dem Bürgerwindpark „Ockholm-Langenhorn“ in Schleswig-Holstein. Seit der Installation der Radartechnik blieben dort die Warnlichter über 98 Prozent des Jahres abgeschaltet. Getestet wird auch eine mit dem Fraunhofer-Institut entwickelte anwohnerfreundliche Steuerung im Windpark Dirkshof (Schleswig-Holstein).

Dennoch favorisiert der Gesetzgeber bislang die flugzeugbasierte Variante, vor allem, weil sie mit einem Kostenaufwand von durchschnittlich 30.000 Euro angeblich deutlich preiswerter ausfällt als die bisher rechtlich zugelassenen, rund 100-000 Euro teuren Radaranlagen.

Uckermärker Betreiber setzt auf eigene Lösung

Die vom Gesetzgeber eingeräumte Möglichkeit flugzeugbasierter Signalgeber wäre für den Windparkbetreiber Enertrag ein herber Rückschlag. „Für uns ist das nicht nachvollziehbar“, sagt Thomas Herrholz, Geschäftsführer des erst im Oktober gegründeten Tochterunternehmens Dark Sky. Mittlerweile biete man auch ein System an, bei dem sich mehrere Windparks eine Radaranlage teilten, sodass Kosten in Höhe von nur noch rund 25.000 Euro je Anlage entstünden.

Die Firma hat mittlerweile 27 Windanlagen mit den Radarsystemen ausgestattet. 600 weitere Windräder sollen folgen. Enertrag habe ein großes Interesse, im kommenden Jahr auch das nächtliche Blinken in der Uckermark deutlich zu reduzieren, sagt eine Firmensprecherin. Die Genehmigungen für zwei Radartürme liegen inzwischen vor. Die Inbetriebnahme ist im Sommer 2019 geplant.