REKTOR DER UNIVERSITÄT SKEPTISCH

Ehrendoktorwürde für Snowden - ja oder nein?

"Whistleblower" Edward Snowden soll nach dem Willen der Philosophischen Fakultät an der Universität Rostock Ehrendoktor werden. Das Verfahren ist in Gang gesetzt, der Rektor der Uni aber noch nicht überzeugt.
Edward Snowden in Hongkong.
Edward Snowden in Hongkong. Glenn Greenwald / Laura Poitras/ The Guardian Newspaper / FILE
Rostock.

Der Rektor der Universität Rostock, Wolfgang Schareck, hat sich gegenüber der geplanten Ehrendoktorwürde für den ehemaligen US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden skeptisch gezeigt. In der Promotionsordnung der Philosophischen Fakultät stehe, dass eine Ehrenpromotion für hervorragende wissenschaftliche Leistungen vergeben werde, sagte Schareck am Donnerstag. "Aus meiner momentanen Sicht erkenne ich diese Leistungen nicht." Er betonte jedoch, dass er die Gutachten renommierter Wissenschaftler, die die Philosophische Fakultät in Auftrag gegeben habe, noch nicht kenne. Gleichzeitig begrüßte er die Diskussion mit der brisanten Thematik. Sie sei in ihrer Form einer universitären Diskurskultur würdig.

Der Fakultätsrat hatte am Mittwoch beschlossen, das Verfahren zur Verleihung der Ehrendoktorwürde für den als "Whistleblower" bekannten früheren US-Geheimdienst-Mitarbeiter in Gang zu setzen. Den Planungen zufolge könnte das Verfahren in diesem Semester abgeschlossen werden.

Es wäre das erste Mal in Deutschland

Mit der Bekanntgabe der Abhörpraktiken habe er die Funktion eines klassischen Aufklärers erfüllt. Edward Snowden habe ein Wissen von hoher Relevanz präsentiert, lautete das Fazit der Fakultät. Es ist nach Erkenntnissen der Fakultät das erste Mal in Deutschland, dass Snowden eine solche Ehrung erhalten könnte.

"Wissenschaftliche Relevanz ist nicht mit hervorragenden wissenschaftlichen Leistungen gleichzusetzen", sagte Schareck. Sollte er als Inhaber der Rechtsaufsicht zu dem Ergebnis kommen, dass sich die Fakultät über die Promotionsordnung hinweggesetzt habe, werde er seine Zustimmung verweigern.

"Wie ein Kolumbus des Digitalzeitalters"

Nach Worten der Prodekanin Gesa Mackenthun von Mittwoch handelt es sich bei der Ehrung um einen symbolischen und politischen Akt sowie um einen Beitrag der Zivilgesellschaft. "Er hat uns wie ein Entdecker, wie ein Kolumbus des Digitalzeitalters, ein Wissen eröffnet, von dem wir vielleicht etwas geahnt haben, aber in dieser Dimension nichts gewusst haben."

 

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