CORONA-KRISE

Die Fußball-Bundesliga demaskiert sich jetzt selbst

Sie leben in einer mit Millionen-Gehältern gepolsterten Parallelwelt: Fußballer, Manager und Vereinsbosse. Jetzt aber drohen Viren, die verhätschelten Stars aus dem Paradies zu vertreiben.
Versuchen zu retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist: Funktionäre und Spieler des FC Bayern München gestern
Versuchen zu retten, was vielleicht nicht mehr zu retten ist: Funktionäre und Spieler des FC Bayern München gestern bei der Vorstellung der neuen FCB-Mundschutzmasken. Die Erlöse aus dem Verkauf sollen gespendet werden.Foto: FCB/FC Bayern München/dpa
Berlin.

Da redet die ganze Welt seit Wochen über Kontaktverbote, um das teilweise tödliche Coronavirus und dessen Ausbreitung einzudämmen – und was macht die Deutsche Fußball-Liga (DFL)? Deren Geschäftsführer Christian Seifert versucht mit seiner eigens eingesetzten Task Force und einem 50-seitigen Sicherheitspapier, dem deutschen (Fußball-)Volk zu erklären, warum der Kontaktsport Fußball für die gesellschaftliche Kurzweil so wichtig sei. Ausgerechnet der Fußball, dessen Kern der Zweikampf ist. „Wer die meisten Zweikämpfe im Spiel gewinnt, gewinnt auch das Spiel“, lautet eine jener Trainerweisheiten, die die Generationen von Sepp Herberger, Helmut Schön, Erich Buschner und Dixie Dörner bis hin zu Jogi Löw überlebt haben.

Mehr lesen: Der Mindestabstand gilt auch im Auto.

Eine Extrawurst für eine Branche, die in den vergangenen Jahren zu einer abgehobenen, arroganten und irrationellen Gesellschaft mutiert ist? Was wäre das für ein verheerendes Signal für das Zusammenleben in Deutschland, wenn zuerst die Bundesliga-Stars ihren professionellen und mit Millionen Euros dotierten Spieltrieb ausleben könnten, ehe kleine Jungen und Mädchen wieder Spielplätze betreten dürften.

Geisterspiele unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes

Und wie fühlen sich eigentlich zehntausende von Fans, wenn die Deutsche Fußball-Liga ihnen mit der Austragung von Geisterspielen durch das Hintertürchen klar macht, dass die Zuschauereinnahmen in der Bundesliga im Jahr 2020 nur ein marginaler Faktor in der wirtschaftlichen Bilanz der Vereine darstellen? Natürlich verkaufen die Macher die Geisterspiele unter dem Deckmantel des Gesundheitsschutzes. Doch im Kern geht es den Vereinen bei der Austragung von Geisterspielen nur um das Kassieren der überlebenswichtigen Milliarden-Gelder aus den TV-Verträgen.

Mehr lesen: So bekommen Sie den Nordkurier trotz Krise. 

Die DFL verzeichnete in in den vergangenen Jahren jeweils neue Rekordzahlen, ihren Umsatz hat sie innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr setzten die 36 deutschen Profi-Klubs 4,8 Milliarden Euro um. Es ist in diesem Milliardenmarkt ausreichend Liquidität vorhanden, um mit solidarischen Aktionen das Überleben fast aller Vereine zu retten, auch wenn es nicht im Mai und vielleicht auch noch nicht im Juni weitergehen sollte.

 

Corona-Infektionen bei Spielern verschweigen

Die Big Player des Business müssten sich hierfür bewegen. Deutlich. Doch Solidarität ist in der Fußball-Branche ein Fremdwort. Wie anders ist es sonst zu deuten, dass in der DFL Überlegungen grassieren, bei der Fortsetzung der Saison auftretende Corona-Infektionen bei Spielern zu verschweigen? Das ist einfach schäbig und ein rotwürdiges Foul an allen Bundesbürger, die versuchen, die schmerzhaften und einschränkenden Corona-Regeln einzuhalten und Infektionsketten zu durchbrechen.

Mehr lesen: So kann man Schutzmasken selbst nähen

Millionen von Deutschen fürchten in diesen Tagen und Wochen um ihren Job, haben Zukunftsängste und schlaflose Nächte. Warum sollen diese Menschen mit ihrem TV-Abo, dem Kauf von Fan-Artikeln und Eintrittskarten eine künstliche Fußballwelt beatmen, die in dieser Form nicht mehr überlebensfähig ist?

Die Welt nach Corona wird eine andere sein – das dürfte für alle Menschen auf diesem Planeten gelten. Auch für die 500 Profifußballer in Deutschland. Selbst wenn diese Minderheit immer noch glaubt, die Welt würde sich ausschließlich um sie drehen.

Doch Krisen bedeuten auch Chancen – für die Bundesliga heißt das: Demut, Bescheidenheit und Dankbarkeit, einen wundervollen Beruf ausüben zu können.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Berlin

Kommende Events in Berlin (Anzeige)

zur Homepage

Kommentare (4)

Der arme FC Bayern Mutscha 🐄

Wenn sich hier jemand demaskiert, dann ist es Herr Becker selbst! Aus seinen Worten spricht der billige Populismus und eine weitestgehende Ahnungslosigkeit. Beides Dinge, die sich im deutschen Journalismus leider wie ein unheilbarer Virus breit gemacht haben. Keine/wenig Ahnung haben, aber davon ganz viel...
 
Keine Frage, viele Dinge im professionellen Fußball haben sich von den Ursprüngen weit entfernt und haben mit der Realität nichts mehr zu tun.
 
- "verhätschelten Stars aus dem Paradies" 
So etwas pauschal über alle Profifußballer zu schreiben, ist für mich einfach nur dumm. Es gibt sehr viele Spieler die wissen, dass das Leben eines Profifußballers nichts mit der Lebensrealität anderer Menschen zu tun hat. Die Spieler können das sehr gut einschätzen und setzen sich durchaus kritisch mit ihrem "Paradies" auseinander.

- "Was wäre das für ein verheerendes Signal für das Zusammenleben in Deutschland, wenn zuerst die Bundesliga-Stars ihren professionellen und mit Millionen Euros dotierten Spieltrieb ausleben könnten, ehe kleine Jungen und Mädchen wieder Spielplätze betreten dürften."
Es gibt bisher nur ein vages Datum für die Fortführung der Saison (ggf. ab 9. Mai). Dumm nur, dass bis dahin schon in mehreren Bundesländern die Spielplätze wieder geöffnet worden sind... Mal abgesehen davon, dass sicherlich viele "kleine Jungen und Mädchen" gerne wieder ihre Idole sehen möchten und sich da selbst auf Geisterspiele freuen. 
Es zeigt bei Herrn Becker auch den Neid der Besitzlosen, wenn er reflexartig auf die hohen Gehälter im Profifußball hinweist. Das ist mittlerweile soooooo langweilig. Würden Sie eine irrwitzige (Millionen)Gage von ihrem Arbeitgeber ablehnen, Herr Becker? Wohl kaum. Peinlicher gehts also nicht, Herr Becker! Von einem verheerenden Signal für das Zusammenleben in Deutschland zu schreiben, ist zudem naiv und lächerlich. Ich denke, die Menschen haben andere Sorgen und setzen andere Prioritäten. Der Sport und besonders der Fußball bieten ihnen Spaß und Ablenkung! 

- "Doch im Kern geht es den Vereinen bei der Austragung von Geisterspielen nur um das Kassieren der überlebenswichtigen Milliarden-Gelder aus den TV-Verträgen."
Was soll daran verwerflich sein? Die Vertragspartner zahlen natürlich nur, wenn es die vertraglich zugesicherte Gegenleistung gibt. Falls Sie es nicht wissen, aber so läuft das im Geschäftsleben! Wenn diese Gelder nicht an die Clubs fließen, sind diese ruckzuck pleite. Das betrifft dann nicht nur die "verhätschelten Stars aus dem Paradies", sondern auch ganz einfache Angestellte in den Clubs, Selbstständige und Angestellte im Umfeld der Clubs und der Stadien. Nicht zu vergessen, dass die bösen Fußballclubs als brave Steuerzahler ausfallen. Da geht es um eine immense Größenordnung!

- "ihren Umsatz hat sie innerhalb eines Jahrzehnts mehr als verdoppelt. Im vergangenen Jahr setzten die 36 deutschen Profi-Klubs 4,8 Milliarden Euro um. Es ist in diesem Milliardenmarkt ausreichend Liquidität vorhanden, um mit solidarischen Aktionen das Überleben fast aller Vereine zu retten"
Bei allem Respekt, Herr Becker, aber wenn Sie so einen Quatsch von sich geben, kann ich Sie nicht ernst nehmen! Wieder ein Beweis dafür, dass Sie über Tischfußball oder Murmeln schreiben sollten, aber nicht über Leistungssport (hier Profifußball). Es geht hier um den Umsatz, nicht um den Gewinn! Der Umsatz sagt nichts über Liquidität aus! Und falls Sie es noch nicht bekommen haben, die DFL und der DFB, aber auch die Spieler, Trainer, Manager etc. unternehmen derzeit sehr viel, damit die Vereine überleben können!

- "Millionen von Deutschen fürchten in diesen Tagen und Wochen um ihren Job, haben Zukunftsängste und schlaflose Nächte. Warum sollen diese Menschen mit ihrem TV-Abo, dem Kauf von Fan-Artikeln und Eintrittskarten eine künstliche Fußballwelt beatmen, die in dieser Form nicht mehr überlebensfähig ist?"
Allein schon die Formulierung "sollen" macht wieder deutlich, dass in Ihrer Gedankenwelt einiges nicht normal ist! Es wird niemand gezwungen, ein Abo bei Sky, DAZN und/oder Telekom abzuschließen! Das machen die Menschen freiwillig. Das gilt auch für den Kauf von Fan-Artikeln. Warum nur machen das viele Menschen? Einfach mal nachdenken, Herr Becker!
Ich kann das Ganze auch umdrehen und fragen, warum sollen sich Menschen ein Abo vom Nordkurier zulegen oder ohne Abo den Nordkurier kaufen, wenn damit ein schlechter, provinzieller "Journalismus" made by Journalisten/-innen auf Schülerzeitungsniveau (Marsal) unterstützt wird, der in dieser Form (hoffentlich) nicht mehr überlebensfähig ist? 

- "Selbst wenn diese Minderheit immer noch glaubt, die Welt würde sich ausschließlich um sie drehen." 
Schon wieder eine billige Pauschalisierung ohne Sinn und Verstand, Herr Becker! Sind es nicht auch und besonders die Printmedien, TV- und Radiosender in Deutschland, die (fast) jeden Tag ausführlich über diese Minderheit berichten, auch wenn es oft nicht wirklich etwas zu berichten gibt oder auch wenn es nur um belanglose Themen geht? Beispiele gefällig? Live-Übertragungen von Pressekonferenzen der Nationalmannschaft oder von unwichtigen Freundschaftsspielen, statt auch ausführlich über andere schöne und erfolgreiche Sportarten in Deutschland zu berichten (gilt auch für normale Sportsendungen, in denen es fast nur noch um Fußball geht). Die Gefahr ist zwar nicht vorhanden, aber wenn man Ihnen oder dem Nordkurier ständig suggeriert, wie toll Sie oder der Nordkurier sind/ist, werden Sie sich auch fühlen, als wenn sich die Welt ausschließlich um Sie und den Nordkurier dreht...!

"Doch Krisen bedeuten auch Chancen" – für Herrn Becker heißt das: Kommen Sie mal heraus aus Ihrer provinziellen Blase, denken Sie umfassender, bevor Sie so einen Quatsch schreiben und werfen Sie einen Blick auf die Realität, nicht nur auf Ihre gefühlte Realität! 

hatten in den letzten Jahren ausreichend Zeit, um Rücklagen zu bilden. Stattdessen haben sie die Kohle den Spielern und Beratern in den Rachen geworfen. Und jetzt jammern und der Bevölkerung zudem die Tests wegnehmen. Zum Kotzen!

soll nach wie vor nicht vorsorglich getestet werden!