EUROFIGHTER-UNGLÜCK

Betroffene fordern 400.000 Euro von der Bundeswehr

Im Juni sind zwei Kampfjets der Bundeswehr über der Mecklenburgischen Seenplatte abgestürzt. Nicht nur Landwirte haben seither Schadenersatz gefordert.
dpa
 Die Wracks wurden wenige hundert Meter neben den den Dörfern Nossentiner Hütte und dem Silzer Ortsteil Nossentin entdeckt.
Die Wracks wurden wenige hundert Meter neben den den Dörfern Nossentiner Hütte und dem Silzer Ortsteil Nossentin entdeckt. Petra Konermann/Archiv
Nossentiner Hütte.

Gut drei Monate nach dem Eurofighter-Unglück an der Mecklenburgischen Seenplatte haben Betroffene bisher mehr als 400.000 Euro Schadenersatz von der Bundeswehr gefordert. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei Landwirten, Feuerwehren, Kommunen und anderen Geschädigten.

Wie ein Sprecher der Luftwaffe in Berlin erklärte, liegen bisher 13 Anträge auf Entschädigung vor, über die zum Teil noch nicht entschieden sei. Die Ursache für eines der schwerste Flugunglücke in der Geschichte der Luftwaffe sei noch immer unklar.

Am 24. Juni waren bei einer Luftkampfübung zwei Kampfflugzeuge kollidiert und dann abgestürzt. Die Wracks wurden wenige hundert Meter neben den den Dörfern Nossentiner Hütte und dem Silzer Ortsteil Nossentin entdeckt. Ein Pilot starb, ein zweiter konnte sich retten. Am Boden wurde niemand verletzt.

Anwohner finden immer noch Teile der beiden Wracks

Die Bundeswehr sperrte die Region weiträumig ab, beräumte das Gelände innerhalb weniger Wochen und kündigte Entschädigungen für Betroffene an. Bisher wurden rund 4000 Euro ausgezahlt, hieß es.

In der gesamten Gegend finden Anwohner immer noch Teile der beiden Wracks, wie Amtsvorsteherin Birgit Kurth erläuterte. «Unlängst kam ein Mann, der hatte ein größeres Kunststoffteil gefunden, es hinten auf seinen Wagen gelegt und hierher gefahren, weil es in die Sammelkisten der Bundeswehr nicht hineinpasste», beschrieb Kurth. Dabei sollten Finder solche Teile gar nicht anfassen. Mit Beginn der Pilzsaison werden wieder mehr Teile gefunden, ist sich Kurth sicher.

Die Amtsvorsteherin kritisierte in dem Zusammenhang die zögerliche Verfahrensweise der Bundeswehr bei Gelderstattungen für Feuerwehren. Die Kameraden mussten nach dem Einsatz an den brennenden Wracks wegen der Verschmutzung mit eventuell gesundheitsschädlichen Kohlenstofffasern viele Schutzkleidungen entsorgen und neu anschaffen sowie ihre Fahrzeuge extra reinigen. Dabei fielen Kosten von etwa 250.000 Euro an. «Die Rechnungen mussten schon bezahlt werden, von der Bundeswehr haben wir noch kein Geld gesehen.»

Die Schäden werden sich für manche Bauern noch 2020 auswirken

Der am stärksten geschädigte Betrieb ist die Agrargenossenschaft Malchow, die Andreas Schaade leitet. «Wir konnten 30 Hektar Roggen gar nicht ernten, das waren allein 40.000 Euro Ertragsausfall», sagte Schaade. Auf das Roggenfeld wenige hundert Meter westlich von Nossentiner Hütte war die Maschine gestürzt, deren Pilot sich per Fallschirm retten konnte.

Das Stroh musste Schaade unterpflügen lassen. Damit könne der Acker 2020 auch nicht für wertvolles Getreide sondern höchstens für Futter genutzt werden und werde nur geringen Ertrag bringen. «Das untergepflügte Stroh lockt Insekten und Mäuse an und damit auch Wildschweine», verdeutlichte Schaade.

Weitere 60 Tonnen Raps und etwa 15 Tonnen Erbsen von Nachbarfeldern durften ebenfalls wegen möglicher Verunreinigungen nicht vermarktet, sondern müssen entsorgt werden. Insgesamt wird Schaade, - von Gutachtern geprüft - zwischen 70.000 und 100.000 Euro als Schadenersatz brauchen. Andere Bauern, wie Bernd Drephal aus Malchow, durfte ihre Wiesen nicht mähen und haben so kein Heu für ihre Tiere.

Nur die kleineren Summen, da habe sich die Bundeswehr schon mit der Erstattung beeilt, erläuterte Schaade. So hat er 500 Euro für ramponiertes Grünland erhalten: Dort hatte die Bundeswehr ihre Kommandozentrale mit einer Vielzahl an Sanitäreinrichtungen aufgebaut.

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Nossentiner Hütte

Kommende Events in Nossentiner Hütte

zur Homepage