CORONA-KRISE

MV-Gesundheitsministerium untersagt Autokinos - und rudert zurück

In Güstrow wurde bereits ein Autokino eingerichtet, auch in Wismar, Neubrandenburg und Möllin sind Vorstellungen geplant. Das Gesundheitsministerium wollte das untersagen, überlegte es sich dann aber doch anders.
Autokinos sollten Filmvergnügen in der Corona-Krise ermöglichen. (Symbolfoto)
Autokinos sollten Filmvergnügen in der Corona-Krise ermöglichen. (Symbolfoto) Fabian Strauch
Schwerin.

Kinos sind im Rahmen der Maßnahmen, die eine schnelle Ausbreitung des Coronavirus verhindern sollen, bereits vor Wochen geschlossen worden. In einem vollen Kinosaal kommt man sich naturgemäß näher – Erreger haben ein leichtes Spiel. Im Autokino hingegen lassen sich Abstandsregelungen leicht einhalten.

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Eine gute Möglichkeit also für die von den allgemeinen Beschränkungen betroffenen Menschen, einer entspannten Freizeitaktivität nachzugehen und etwas Kultur zu genießen. Und für die Veranstalter, in diesen schwierigen Zeiten Einnahmen zu generieren. So wurde in Güstrow bereits ein Autokino eingerichtet, auch in Wismar, Neubrandenburg und Möllin sollte es Vorstellungen geben. Doch das Gesundheitsministerium in Schwerin hatte offenbar etwas dagegen. Das Ministerium hatte am Dienstag eine Branchenübersicht aktualisiert, in der aufgelistet wird, welche Unternehmen geöffnet bleiben dürfen und welche nicht. In der aktualisierten Liste tauchen nun auch Autokinos unter den verbotenen Angeboten auf: Dabei handele es sich um ein Angebot von Freizeitaktivitäten. Das sei nicht erlaubt.

Eilantrag gegen Autokino-Verbot

„Nachdem wir uns heute Abend auf eine ausverkaufte Veranstaltung in unserem Autokino gefreut hatten, bekamen wir zum Abend die Information, dass wir mit sofortiger Wirkung schließen müssen”, hieß es daraufginn auf der Facebook-Seite des Autokinos Güstrow. Weitere Informationen oder eine Begründung habe man nicht bekommen. 

Das Autokino Wismar wehrte sich juristisch gegen den Beschluss. „Wir haben beschlossen unser Autokino in den nächsten 14 Tagen nicht abzubauen und kämpfen mit Klage im Eilantrag beim Oberlandesgericht um die geplante Eröffnung mit 1-2 Wöchiger Verschiebung”, schrieben die Veranstalter auf Facebook. 

Breite Kritik am Autokino-Verbot

In den sozialen Medien regierte das Unverständnis für das Verbot durch die Landesregierung. „Jetzt ist im Auto sitzen auch schon verboten?”, schrieb eine Besucherin auf der Facebook-Seite des Autokinos. Ein anderer schrieb: „So sehr ich die bisherigen Maßnahmen befürworte - das hier empfinde ich nun aber auch als willkürlich und überzogen. Es kommt doch niemand in Kontakt zum anderen, man sitzt ja in den Autos.” Auch die Linken-Landtagsabgeordnete Karen Larisch äußerte dort Kritik: „Mich hat das genauso überrumpelt. Das ist uns als Abgeordnete so nicht mitgeteilt worden.”

Am Mittwoch ruderte der Gesundheitsminister dann zurück. „Die Autokinos können öffnen. Rückmeldungen zeigen uns, dass notwendige Auflagen erarbeitet sind“, sagte Harry Glawe am Mittwoch. Der Veranstalter müsse eng mit dem zuständigen Gesundheitsamt zusammenarbeiten und Einlasskontrollen durchführen. In den Autos dürften sich Personen nur allein, in Begleitung von im selben Haushalt lebenden Personen und einer weiteren Person aufhalten. Auf dem Gelände dürfe kein Speiseverkauf stattfinden, ein Lieferservice sei erlaubt. Für den Gang zur Toilette dürfe das Auto verlassen werden.

Bundesweit gibt es nach Angaben der Bundesnetzagentur derzeit so viele Anträge auf die Erteilung von Funkfrequenzen für die Tonübertragung in Autokinos wie nie zuvor. Seit Anfang März habe die Behörde bundesweit mehr als 40 solcher Rundfunkfrequenzen zugeteilt, hieß es von der Behörde.

Dieser Artikel wurde am 22.04.2020 um 12:27 Uhr aktualisiert.

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Kommentare (5)

Wo ist das Problem beim Autokino?! Wird jetzt einfach aus Prinzip alles verboten, oder was?! Hoffentlich merken die Leute langsam mal, wie unsinnig dieser blinde Aktionismus der Politik ist!

Wir befinden uns in einer Krise bisher ungekannten Ausmaßes. Es ist richtig, das öffentliche Leben weitestgehend herunterzufahren.

In der Politik unseres Landes hat man aber jegliches Augenmaß verloren. Die ohnehin schon strengen Restriktionen werden immer weiter verschärft, ohne dabei die Maßnahmen auf ihre Sinnhaftigkeit zu überprüfen.
Die Länder übertrumpfen sich gegenseitig mit neuen Beschränkungen und MV spielt leider ganz vorne mit.

Kam gestern erst lang und breit im NDR und jetzt nicht mehr wahr?
Mann oh Mann.

Na schön, dass sich da tatsächlich noch jemand gefunden hat, der mal sein Gehirn eingeschaltet hat! Ändert aber nix daran, dass das Ganze ein Armutszeugnis für die Landesregierung darstellt und bezeichnend ist für die Politik in Sachen Corona im Bund und insbesondere auch in unserem Land!

Ich lese den Artikel und sofort fällt mir das aktuelle Foto eines gewissen Robert H. ein, der mit etwas Abstand neben einem Pfosten steht. Ähnlichkeiten mit einem anderen Pfosten sind rein zufällig... Gerne kann man Robert H. gegen jedes Mitglied der Landes- und Bundesregierung eintauschen. Das Bilderrätsel würde weiterhin problemlos gelöst werden...