CDU-Antrag in Greifswald
Abgeordnete liefern sich Schlacht um Kriegsschiffs-Namen

Diese Korvette der Marine wurde ohne große Diskussion „Erfurt“ getauft.  In Greifswald ist das komplizierter.
Diese Korvette der Marine wurde ohne große Diskussion „Erfurt“ getauft. In Greifswald ist das komplizierter.
Bernd Wüstneck

Die Marine plant den Bau von fünf neuen Korvetten. Eine davon soll „Greifswald“ heißen, findet die CDU aus Greifswald. Doch jetzt bläst ihr Gegenwind ins Gesicht.

Wenn es um Namen geht, schlagen in Greifswald gerne mal die Wellen hoch: Erst die hitzige Debatte um Ernst Moritz Arndt, nun streiten die Hansestädter wie die Kesselflicker um den Namen für ein Kriegsschiff. Ihren Anfang nimmt die Seeschlacht mit einem CDU-Antrag im Wirtschafts- und Kulturausschuss: Demnach soll der Oberbürgermeister beauftragt werden, sich beim Verteidigungsministerium für eine Patenschaft Greifswalds für eine der geplanten fünf neuen Korvetten der Bundesmarine einzusetzen. Das Schiff solle dann den Namen der Stadt tragen.

„Bundesländer und viele Städte sind derzeit Paten und Namensgeber von Schiffen der Bundesmarine. Dies unterstreicht die Unterstützung und Wertschätzung der Marine in der jeweiligen Region. Eine Patenschaft Greifswalds würde die Verankerung der Bundesmarine und der Bundeswehr in Greifswald und Vorpommern hervorheben und stärken. Zudem würde die Bundesmarine den Namen Greifswalds in die Welt tragen“, heißt es in dem CDU-Antrag.

CDU-Fraktion wirft Rose verbale Fehltritte vor

Doch Rose und sechs weitere Crewmitglieder im Ausschuss meutern: „Ich stimme dann sofort dafür, dass ein Kriegsschiff mit dem Namen Greifswald belegt wird, wenn die nächste Serie von Sturmgewehren, die bei Heckler & Koch gebaut werden und die dann in Syrien zum Einsatz kommen, um kleine Kinder zu erschießen oder in den Vereinigten Staaten Schüler niedermähen – wenn da drauf steht CDU-Fraktion Greifswald.“

Korvetten seien hochkomplexe Kriegsschiffe, die dazu gemacht seien, mit ihren Kanonen auch zu schießen, sagt der bekennende Kriegsdienstverweigerer Rose. „Ich möchte nicht, dass ein Kriegsschiff den Namen meiner Heimatstadt trägt.“

Eine ganze Breitseite feuert gegenwärtig die CDU-Fraktion der Bürgerschaft gegen den fraktionslosen Abgeordneten Ulrich Rose ab: Von „Entgleisungen“, „Diffamierungen“ und „eklatanten verbalen Fehltritten“ ist da die Rede und Fraktionschef Axel Hochschild fordert empört eine öffentliche Entschuldigung. Rose seinerseits kartätscht fleißig zurück und empfiehlt den Christdemokraten Volkshochschulkurse, um ihre Heimatsprache zu lernen.

Keine Entschuldigung geplant

Nicht nur der Angriff Roses auf die CDU-Fraktion lasse tief blicken und entferne sich völlig von einem gegenseitigen respektvollen Umgang, wettert Fraktionsvorsitzender Hochschild. „Die Behauptungen von Dr. Rose zu den Waffen der Firma Heckler & Koch lassen aber auch erahnen, dass Herr Dr. Rose in einer anderen, realitätsfernen Welt lebt.“ Eine Entschuldigung vor versammelter Mannschaft sei dringend geboten.

„Ich werde mich nicht entschuldigen. Wenn die CDU nicht in der Lage ist, mit ihrer Heimatsprache umzugehen, empfehle ich Volkshochschulkurse“, stichelt Rose. Er habe lediglich gemeint: Die Wahrscheinlichkeit, dass „CDU Fraktion Greifswald“ auf Sturmgewehren stehe, sei genau so gering wie die Wahrscheinlichkeit, dass er dem Namen „Greifswald“ für ein Kriegsschiff zustimme.

Alternativer Vorschlag: Ernst Moritz Arndt

Sieben Ausschussmitglieder stimmten gegen den CDU-Antrag, sechs dafür, ein Mitglied enthielt sich. Nun muss die Bürgerschaft noch abschließend über den Vorschlag beraten.

Am Mittwoch schaltete sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Leif-Erik Holm in den Streit ein. "Der Streit um eine mögliche Namenspatenschaft der Stadt Greifswald für eine neue Bundeswehr-Korvette zeugt von einem gestörten Verhältnis zur Bundeswehr und ist mehr als kindisch", schrieb der Vorsitzende der AFD-Landesgruppe MV. Sollte der Name "Greifswald" von der Bürgerschaft abgelehnt werden, könnte ja ein anderer Name genehm sein, wie Holm vorschlug. Seine Alternative: Ernst Moritz Arndt. "Der große Sohn unseres Landes hat sich bei der Befreiung Deutschlands von der Fremdherrschaft und der Leibeigenschaft einen Namen gemacht. Er wäre ein sehr würdiger Patron", so Holm.

Kommentare (1)

wenn eine modernen Korvette der Namen der zweitgrößten bei Deutschland verbliebenen Stadt in Pommern trägt. Es ist wahr, dass es sich um ein kleines Kriegsschiff handelt, das fast genauso schwer bewaffnet wie die größeren Fregatten. Doch wir leben in einer feindeseligen Welt. Dass wir schon so lange Frieden haben ist vor allem auch ein großes Glück. Dem Pazifisten Rose sei gesagt: Ohne eine moderne schlagfertige Armee wird unser Land immer nur wirtschftlich eine Großmacht sein, nie aber politisch. Wer seine Freiheit nicht verteidigen will, dem wird sie genommen werden. Natürlich wird die Korvette den Namen meiner Geburtsstadt tragen!