TOTES BABY IN ROSTOCK

26-Jährige hielt Wehen für Regelschmerzen

Im Mai 2019 wurde ein toter Säugling in Rostock gefunden. Vor dem Landgericht legte am Mittwoch eine Sachverständige ein psychiatrisches Gutachten zur Mutter vor.
Vor dem Rostocker Landgericht ist der Prozess um die Tötung eines Neugeborenen fortgesetzt worden.
Vor dem Rostocker Landgericht ist der Prozess um die Tötung eines Neugeborenen fortgesetzt worden. Stefan Tretropp
Rostock.

Vor dem Rostocker Landgericht ist am Mittwochnachmittag der Prozess um die Tötung eines Neugeborenen fortgesetzt worden. Auf der Anklagebank sitzt die 26-jährige Cindy P., der vorgeworfen wird, Ende Mai 2019 ihr gerade geborenes Mädchen durch Ablegen auf einem Rasenstück getötet zu haben. Vor Gericht trug Ramona S., Fachärztin für Neurologie, das psychiatrische Gutachten vor. Demnach wuchs die Angeklagte „behütet und geborgen“ auf, führte eine gute Beziehung zu den Eltern.

Als Kind verhielt sich Cindy P. laut Gutachten unauffällig, war aber immer „sehr unruhig“, weshalb sie in einer Förderschule lernte. Bis zur Geburt des ersten Kindes wohnte die heute 26-Jährige bei ihren Eltern. Laut der Sachverständigen zeichnete sich bei ihr in diesem Stadium eine Überforderung bei alltäglichen Dingen (Haushalt, Behördengänge) ab. Sie brauchte Unterstützung. In dieser Zeit reifte bei P. die große Angst, dass ihr Sohn entzogen werden könnte, führte die Psychiaterin aus.

2017 dann die Trennung vom Kindsvater, P. musste sich wegen eines Überforderungssyndroms und psychischer Dekompensation in Behandlung begeben, wurde krankgeschrieben. Eine stationäre Aufnahme in der Gehlsdorfer Klinik folgte. Mit Bekanntwerden der zweiten Schwangerschaft verschärften sich die Probleme, so steht es im Gutachten. „Die zweite Geburt war für Frau P. eine psychische Ausnahmesituation“, erklärte die Sachverständige. Eine posttraumatische Belastungsstörung könne sie jedoch nicht belegen und ergänzt: „Die Angeklagte hat sehr unter dem Ereignis gelitten, sie schämt sich dafür.“

Angeklagte hat Schwangerschaft verdrängt

Der 26-Jährigen attestierte die Sachverständige eine „leichte Intelligenzminderung“. Soll heißen: Sie schloss bei den im Rahmen der Begutachtung durchgeführten Tests mit einem IQ von nur 62 ab (normal: 90 bis 109). „Das ist sehr wenig, ich wundere mich, wie sie die Schule schaffen konnte“, sagte die Psychiaterin. Die 26-Jährige wollte die zweite Schwangerschaft nicht wahrhaben, drängte sie immer wieder weg. „Weil sie mit allem überfordert war. Sie hatte eine wahnhafte Einbildung, nicht schwanger zu sein“, so Ramona S.

Selbst als es erste Anzeichen der Geburt gab, ging die Angeklagte von Regelschmerzen aus. „Das ganze Verhalten zeigt, wie kindlich naiv das Vorgehen war. Sie wusste, dass es Babyklappen gibt und ihr Verhalten strafbar ist, aber sie verdrängte alles“, führte die Sachverständige aus. Perspektivisch gab die nervenärztliche Begutachterin Cindy P. dennoch eine „günstige Prognose“. Bei einem erneuten, vergleichbaren Vorfall würde sie alles anders gestalten und mit der Verdrängung nicht mehr durchkommen. Nach dem Vortrag des knapp einstündigen Gutachtens schloss das Gericht die Beweisaufnahme. Am nächsten Mittwoch finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit die Schlussplädoyers statt, am 4. März fällt das Urteil.

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