Streetart

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So bringt ein Straßenkünstler Neubrandenburg zum Lächeln

Einfach mal Lächeln: Der Künstler möchte den Alltag der Menschen verschönern.
Einfach mal Lächeln: Der Künstler möchte den Alltag der Menschen verschönern.
Simon Voigt

Mit Streetart will ein Künstler aus Neubrandenburg Passanten zum Lächeln ermuntern, weil das die Menschen verbindet. Sich selbst hält er im Verborgenen.

Hallo, Sie sind also der Urheber dieser netten Aufforderungen im Stadtbild, mal wieder zu lächeln.

Der bin ich.

Schönes Motto! Und selbst: Heute schon gelächelt?

Klar! Obwohl ich selbst auch nicht so zu den Leuten gehöre, die ständig strahlen. Deshalb nehme ich meine Straßenkunst mir selbst auch als Aufforderung.

Aber auch nicht lächeln um jeden Preis, oder?

Nein, das mag ich auch nicht, scheinbar immer gut gelaunte Leute oder aufgesetztes Lächeln. Ehrlich sollte es sein.

Seit 2010 bestücken Sie Fassaden, Stromkästen, Mülleimer und ähnliches mit diesen flächenmäßig kleinen als auch großen Denkanstößen. Wie kamen Sie dazu?

Ich beobachte meine Umgebung. Und wie überall sieht man viel zu häufig die Passanten aneinander vorbeigehen ohne sich eines Blickes zu würdigen, ohne jede Mimik, starr im Blick, in ihrem Gedankendschungel. Da nehme ich mich gar nicht von aus. Deswegen weise ich mich selbst wie auch meine Mitmenschen gern einmal mehr darauf hin, doch besser mal wieder die Gesichtszüge zu entkrampfen. Zu lächeln!

Schließlich ist ein Lächeln die kürzeste Verbindung zwischen Menschen. Bei immer mehr Entfremdung in unserer Gesellschaft kann etwas Lächeln nie schaden.

Ganz richtig. Andere sehen das, was Sie als Straßenkunst bezeichnen allerdings eher als Schmierereien. Bei denen erzeugen Sie eventuell eher Frust.

Ich zerstöre nicht mutwillig meine Umgebung. Meist suche ich mir Flächen aus, an denen es niemanden stört, unansehnliche Ecken. Großflächige Sachen, die gesprüht werden, male ich an legalen Flächen. Ansonsten plakatiere ich oder mache Sticker.

Das heißt?

Ich zeichne meine Poster oder Sticker zuhause und bringe sie später mit Sprühkleber an.

Plakatieren ist immerhin auch eine Ordnungswidrigkeit. Bleiben Sie deshalb lieber anonym?

Mit dem Sachverhalt der Ordnungswidrigkeit kann ich leben, immerhin werden wir ja auch täglich mit Reklame und Werbung an jeder Ecke überhäuft und darüber regt sich auch kein Mensch auf. Es ist viel mehr, warum ich meinen Namen nicht nennen möchte. Nämlich weil ich meine Kunst lieber für sich stehen lassen möchte. Denn was bringt es den Leuten, wenn sie wissen, wer dahinter steht?

Applaus oder Kritik.

Das bekomme ich auch so. Und wie ich finde, sogar viel ehrlicher. Ich beobachte die Wirkung meiner Werke und wenn die Leute tatsächlich lächeln, habe ich mein Ziel erreicht. Das gibt durchaus Genugtuung. Resonanz bekomme ich auch über die sozialen Netzwerke Facebook und Instagram. Dieses ungefilterte Feedback mag ich mehr.

Wenn Ihre Motive zerstört werden, verstehen Sie das dann hingegen als Kritik?

Ich finde es schon schade, wenn einige Sachen nicht mal einen Tag hängen bleiben. Schließlich steckt da ja auch Zeit und Arbeit drin. Jedes Werk hat seine Zeit und Streetart ist nun mal auch vergänglich. Mir ist aber auch schon zugetragen worden, dass einige Motive fein säuberlich abgelöst worden sind, um dann zu Hause die Wohnung zu verschönern. Das ist natürlich super, so lebt meine Kunst weiter.

Ist da nicht auch mal eine eigene Ausstellung eine Überlegung wert? Oder ist das zu abwegig für einen Streetart-Künstler?

Durchaus nicht. Es gibt ja viele Streetart Künstler, die ihre Werke auch ausstellen. In naher Zukunft wird es auch eine Ausstellung geben.

Aber müssten Sie da nicht Ihre Anonymität aufgeben?

Nein, ich stelle mir vor, wie ich mich unter die Besucher mische mit einem Glas Sekt in der Hand und wie sonst auch die ungefilterten Meinungsäußerungen zu hören bekomme.

Sind Sie eigentlich selbst auf Ihren Bildern irgendwo drauf?

Gute Frage. Es gibt die eine oder andere Figur, mit der ich mich identifizieren könnte. Aber gezielt abgebildet habe ich mich noch nicht. Das wäre mal eine Idee.

Hier finden Sie den Künstler auf Instagram.

Dieses Interview ist zuerst in der April-Ausgabe des "Stadtmagazin Neubrandenburg" erschienen. Das Stadtmagazin liegt immer am Anfang des Monats dem Nordkurier bei.