LITERATUR

Schaurige Schweden-Geschichte

In der Neuausgabe legt die Erzählung „Herrn Arnes Schatz“ von Nobelpreisträgerin Selma Lagerlöf noch an Grauen zu – dank der kongenialen Illustrationen von Roberta Bergmann.
Selma Lagerlöf: Herrn Arnes Schatz. Mit Illustrationen von Roberta Bergmann. Kunstanstifter Verlag, Mannheim.
Selma Lagerlöf: Herrn Arnes Schatz. Mit Illustrationen von Roberta Bergmann. Kunstanstifter Verlag, Mannheim. Kunstanstifter Verlag
Neubrandenburg.

Blutspuren im Schnee. Selma Lagerlöfs Erzählung „Herrn Arnes Schatz“ aus dem Jahr 1904 gilt als Klassiker im Schauergeschichten-Metier. Wer sie kennt, sollte keinen Haken dahinter machen: Denn die nun erschienene Neuausgabe reizt das Kopfkino frisch an ­- dank der expressiven Farb-Illustrationen von Roberta Bergmann. Echte Hingucker und Grusel-Trigger! Die skandinavische Kühlhaus-Kulisse hat’s in sich.

Die Schwedin Lagerlöf (1858-1940), die mit dem Kinderbuch über den Gänse-Reiter-Däumling Nils Holgersson zu Weltruhm kam und als erste Frau den Literatur-Nobelpreis erhielt, gibt in „Herrn Arnes Schatz“ ihrem Hang zum Unheimlichen nach. Sie zieht ein böses Spiel mit Ur-Ängsten und den dunklen Mythen der Nordländer auf.

Blutbad im Pfarrhaus

Die Story: Drei Schotten – auf panischer Flucht vor dem schwedischen König – richten in einem abgelegenen Pfarrhaus ein Blutbad an und stehlen eine Truhe, die randvoll mit Silbermünzen ist. Einzig das Fräulein Elsalill, eine Waise, entgeht in einem Versteck dem Metzeln. Sie versucht, beim Fischhändler Torarin ein neues Leben zu beginnen. Was aber nicht gelingen will, das Erlebte wirkt traumatisch nach. Zumal Elsalill die Rache-Einflüsterungen des Geistes ihrer ermordeten Pflegeschwester erhört. Fatalerweise scheint ausgerechnet ein Mann, von dem sie sich angezogen fühlt, einer der Untäter gewesen zu sein. Gewissensnot wird unerträglich. Das Finale ist aktionsreich, die Botschaft eindeutig: Moralisch. Typisch Lagerlöf.

Bilder verstärken beklemmende Atmosphäre

Die Geschichte von Schuld und (unausweichlicher) Sühne, die auf einem tatsächlichen Pfarrhaus-Raubüberfall im 16. Jahrhundert basiert, ist durch das grafische und buchgestalterische Talent von Roberta Bergmann (41) kongenial in Szene gesetzt. Ihre Bilder von eis-erstarrter Landschaft, Meer, Himmel wirken suggestiv. Naturgewalten verstärken das Beklemmende der Atmosphäre. Effektvoll einmontiert sind die mit Buntstift auf Schwarz konturierten Figuren. Eine Willkür der Schatten gibt dem Geschehen etwas Irrationales.

All das ist bemerkenswert, besonders. Wer Horror mit literarischem Anspruch mag, dem wird „Herrn Arnes Schatz“ gefallen. Wer zugleich Buchkunst schätzt, tut mit dieser Neuausgabe den richtigen Griff.

Selma Lagerlöf: Herrn Arnes Schatz. Mit Illustrationen von Roberta Bergmann. Kunstanstifter Verlag, Mannheim. 130 Seiten, 24 Euro. ISBN 978 – 3 – 942795 – 81 – 4.

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