Auf dem Rügendamm
Petri Heil! Angler werden kurz gehalten

Ohne ordentlich auszuholen und dabei zugleich den Autoverkehr auf dem Rügendamm zu gefährden, gelingt kein Weitwurf.
Ohne ordentlich auszuholen und dabei zugleich den Autoverkehr auf dem Rügendamm zu gefährden, gelingt kein Weitwurf.

Auf dem Rügendamm soll das Heringsangeln wieder erlaubt werden. Ein neues Geländer soll Weitwürfe bis zur benachbarten Rügenbrücke verhindern. Ob das auch funktioniert, hat Nordkurier-Reporter Ralph Sommer getestet.

Irgendwie habe ich das Gefühl, mich gerade zum Löffel zu machen. Mit der Angel in der Hand stehe ich auf dem Rügendamm. Ein Autofahrer hupt, ein anderer zeigt mir einen Vogel. Wohl nicht so sehr, weil seit April vergangenen Jahres das Angeln hier verboten ist, sondern weil der Strelasund derzeit zugefroren ist. Kein Bleigewicht könnte die zehn Zentimeter dicke Eisschicht durchstoßen. Und der Hering ist ja auch noch nicht da.

Ich bin Hobbyangler, aber heute habe ich es auf keine Fische angelegt. Ich will den neuen Überwurfschutz testen, der gerade am Brückengeländer montiert wird, damit rechtzeitig zur Frühjahrssaison im April Deutschlands längste Angelmeile wieder freigegeben werden kann.

Mit einer Länge von 2,20  Meter überragt meine Angelspitze gerade mal zehn Zentimeter den horizontalen Aluminiumholm der neuen Auswurfbegrenzung. Mir wird sofort klar, dass es einem Petrijünger mit 1,76  Zentimeter Größe kaum möglich sein wird, das Paternoster mit dem Bleigewicht weit über die neue Brüstung zu werfen. Und schon gar nicht, wenn ich bedenke, dass ich wegen des hinter mit vorbeirauschenden Fahrzeugverkehrs kaum ausholen kann.

Entweder gar nicht angeln oder mit Einschränkungen

Bleibt mir nur, die Angel zwischen die im Abstand von 1,80 Meter installierten Geländerholme zu halten und das Blei vorsichtig ins Wasser zu lassen. Mit ein bisschen Geschick gelingt es mir nach einer Weile, etwas Schwung zu holen, sodass das Blei nach vorne pendelt und ein paar Meter vor der Brücke auf dem Eis aufschlägt. Ich denke, dass die Heringsangler künftig schon nach kurzer Zeit die Köder wieder hinaufkurbeln müssen, ehe die Strömung die Montagen unter die Brücke ziehen wird und damit die Gefahr steigt, dass sich die Angelschnüre miteinander verheddern.

Das ist der Preis, den die Angler zahlen dafür müssen, dass sie überhaupt wieder vom Rügendamm ihre Köder auswerfen dürfen. Vor einem Jahr hatte die Straßenbehörde das traditionelle Rügendammangeln verboten, weil einige rücksichtslose Angler ihre Bleigewichte so weit ausgeworfen hatten, dass diese sogar auf der 80 Meter entfernten Rügenbrücke landeten und Autos gefährdeten.

„In einem Fall hatte sich ein Autofahrer beschwert, weil sich ein Gewicht an der Dachreling verfangen hatte“, sagt Manfred Borowy, Dezernent für Straßenbau am Straßenbauamt Stralsund. Nicht auszudenken, was passiert wäre, hätte es eine Frontscheibe durchschlagen oder gar einen Motorradfahrer getroffen. „In der Frühjahrssaison 2017 hatten unsere Straßenmeister bei ihren Kontrollgängen auf der neuen Rügenbrücke jede Menge Haken, Bleie, Vorfächer und Schnüre eingesammelt. Es reichte, um eine ganze Kiste zu füllen.“

Das Verkehrsministerium verbannte die Angler vom Damm. Eine touristische Attraktion, die alljährlich Tausende Petrijünger auch aus Berlin, Brandenburg und Sachsen-Anhalt angelockt hatte, verschwand. Mit dem Anglerverband einigte man sich schließlich auf einen Kompromiss, die sogenannte Wurfbegrenzung.

Anglerverband bittet um mehr Rücksichtnahme

Der Bau des mehrere Hundert Meter langen Aluminiumgeländers wurde bundesweit ausgeschrieben. Den Zuschlag für den 174 000-Euro-Auftrag erhielt das Rügener Unternehmen FLZ Stahl- und Metallbau Lauterbach. „Der Auftrag sicherte uns wochenlang Beschäftigung“, sagt Bauleiter Matthias Duhm. Inzwischen sei schon mehr als die Hälfte montiert.

Voraussichtlich im April soll das Angelverbot fallen. „Wir werden beobachten, ob durch die Wurfbegrenzung die Gefährdung des Verkehrs tatsächlich unterbunden wird“, sagt Infrastrukturminister Christian Pegel (SPD). Auch Straßenbauverwaltung und Polizei kündigten Kontrollen an.

Der Landesanglerverband appellierte an die Heringsjäger, sich an alle Regeln zu halten. „Es ist absolut unverständlich, wie rücksichtslos sich einige Angler benommen haben, so dass daraus resultierend so eine Maßnahme überhaupt notwendig wurde“, sagt Verbandsgeschäftsführer Axel Pipping.