Landeslied für MV
Nächster Musiker kritisiert Hymnen-Wettbewerb

So wie hier beim Blick auf die Ostsee am Kap Arkona stellen wir uns Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Kunst ist, das alles für eine Hymne in Worte und Musik zu fassen.
So wie hier beim Blick auf die Ostsee am Kap Arkona stellen wir uns Mecklenburg-Vorpommern vor. Die Kunst ist, das alles für eine Hymne in Worte und Musik zu fassen.
Tina Tammling

Die Abstimmung für ein neues Landeslied für MV läuft. Nachdem die vier Finalisten präsentiert wurden, meldet sich mit Lars Jantzen erneut ein Teilnehmer zu Wort, der den Ablauf des Wettbewerbs scharf kritisiert.

Ist die Abstimmung über das neue Heimatlied nur ein demokratisches Feigenblatt oder aber können die Bürger tatsächlich mitbestimmen, welche Hymne künftig in Mecklenburg-Vorpommern gespielt wird? Final kann das nicht einmal Anna-Konstanze Schröder beantworten. Und das, obwohl sie Geschäftsführerin des Heimatverbandes MV ist, also des Vereins, der den Wettbewerb für die neue Landeshymne verantwortet. Auch die Formulierung auf der Internetseite des Verbandes klingt eher schwammig: „Die Menschen aus Mecklenburg-Vorpommern können nun online auf der Seite des Heimatverbandes oder per Postkarte ... wählen, welches dieser Lieder sie als Landeslied bzw. Hymne bevorzugen.”

Das letzte Wort hat allerdings eine Jury, so Anna-Konstanze Schröder, die bei einer Gala am 10. April in Stralsund den Sieger kürt. Aber warum sollen sich dann die Bürger überhaupt die Mühe mit der Abstimmung machen? Na ja, so Schröders zweite Antwort, bei der Gala werde das Abstimmungsergebnis bekanntgegeben. Und das Ergebnis werde sicherlich auch durch die Jury wahrgenommen.

Fakt ist aber: Es gibt keine konkreten Festlegungen, wie das Votum der Bürger einbezogen wird. Dabei läuft die seit einer knappen Woche im Internet zu findende Abstimmung verhältnismäßig gut. Mehr als 1000 Bürger haben sich bereits beteiligt, sagt Schröder am Dienstag. Es sei aber eben „nicht kontrollierbar”, ob es Mehrfachabstimmungen gebe.

Mehrfachabstimmungen sind einfach möglich

In der Tat können Interessierte von einem Rechner aus mehrfach abstimmen, wie ein Versuch dieser Redaktion zeigte. Notwendig ist jeweils nur eine andere E-Mail-Adresse, die allerdings leicht anzulegen wäre.

Hier können Sie sich die Lieder der vier Finalisten anhören.

Die Zahl der Mitglieder der Jury, die bei der Gala die Qual der Wahl haben, ist beachtlich. 24 Persönlichkeiten sollen den Sieger küren. Die Entscheidung, so Schröder, werde tatsächlich erst an dem Abend fallen, nachdem alle vier Finalisten ihr Lied vor Publikum vorgetragen haben. Zur Jury gehören unter anderem Vertreter des Musikschulverbandes MV, des Orchesterverbandes MV, des Literaturrates, des Seniorenbeirates und des Kultusministeriums. Dem Sieger winken immerhin 20 000 Euro. Die anderen Finalisten bekommen jeweils 1000 Euro.

Auf die Kritik am Prozedere reagierte Anna-Konstanze Schröder eher dünnhäutig. Sie widersprach dem Vorwurf von Liedermacher Gerd Brummund, wonach sie ihm mit der Disqualifikation gedroht habe, falls er seinen Titel nicht zusammen mit dem Landespolizeiorchester einspielen würde. Auch den Vorwurf, dass die Ausschreibung mehrfach verändert worden sei, wollte die Geschäftsführerin so nicht stehen lassen. Lediglich die Ausschreibungsfrist sei im Jahr 2017 noch einmal bis zum Jahresende verlängert worden, um weiteren Musikern die Chance zu geben, teilzunehmen.

Aus einer Hymne wurde nur noch ein Lied

Neben dem in Woggersin lebenden Brummund und dem Neubrandenburger Musiker Harald Wandel, der es nicht ins Finale schaffte, hat nun auch der Liedermacher Lars Jantzen aus Greifswald den Heimatverband kritisiert. Er habe mehrere Monate an seinem Lied gefeilt, um die Vorgaben der Ausschreibung zu erfüllen, „um die Worte auf den Punkt zu bringen und es pünktlich zum Einsendeschluss am 31. August 2017 fertig zu stellen”, schreibt Jantzen. Plötzlich sei die Frist aber noch einmal verlängert worden. „Warum wurde dieser erste Termin verschoben? Warum wurde der Ausschreibungstext geändert?”, frage er sich.

Hinzu komme, dass eine Hymne gefordert gewesen sei. Nun spreche der Heimatverband plötzlich von einem Lied. „Eine Hymne hat im Vergleich zu einem Volks- beziehungsweise Heimatlied einen ganz anderen Anspruch”, so Jantzen. Das gleiche Argument hatte auch schon Wandel aufgerufen. Jantzen hat es nicht ins Finale geschafft.Demgegenüber lobt der Finalist Kally Darm die Zusammenarbeit mit dem Heimatverband. „Meine Erfahrungen entsprachen genau dem Gegenteil von Herrn Brummund. Die Zusammenarbeit mit allen Beteiligten war hochkompetent und professionell”, erklärte er auf Anfrage. Alle seine Wünsche und Ideen seien nach seinen Vorgaben umgesetzt worden. „Ich würde mit dem Landespolizeiorchester jederzeit wieder zusammenarbeiten.”