Neue Philharmonie MV

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Konzertreihe "Stadt.Land.Klassik!" soll ausgeweitet werden

Mehr als 5000 Gäste zwischen Ueckermünde und Teterow haben die erste Konzertstaffel bisher erlebt.
Mehr als 5000 Gäste zwischen Ueckermünde und Teterow haben die erste Konzertstaffel bisher erlebt.
Danny Gohlke

Klassische Musik ist nicht nur etwas für Kenner: Moderierte Auftritte sorgten auch in kleinen Städten wie Teterow und Pasewalk für Begeisterung.

„Wir erleben Klassikkonzerte gern live, aber dass es vor der Haustür passiert, ist natürlich wunderbar”, sagt Günter Holm. Der 81-Jährige ist einer von 200 Gästen der neuen Reihe „Stadt.Land.Klassik!” mit der Neuen Philharmonie gGmbH (Berlin) im ausverkauften Teterower Kulturhaus. Mehr als 5000 Gäste zwischen Ueckermünde und Teterow haben die erste Konzertstaffel bisher erlebt, die 2019 fortgesetzt wird, wie Projektleiterin Claudia Schneider von der Nordkurier-Mediengruppe sagt. „Wir wollen jungen Talenten eine Chance geben und die Klassik wieder in die Fläche bringen”, erklärt der Geschäftsführer und Dirigent des Ensembles, Andreas Schulz, der mit dem Besuch sehr zufrieden ist.

Der 36-Jährige hat das Projekt, bei dem sich viele Nationalitäten begegnen, zusammen mit dem Geschäftsführer der Neubrandenburger Nordkurier-Mediengruppe, Lutz Schumacher, aus der Taufe gehoben. „Schumacher hatte die Idee und er hat ein Gespür für die Region”, sagt Schulz. Mit finanzieller Unterstützung des Landes Mecklenburg-Vorpommern wird in Sälen und Kirchen in kleinen Städten musiziert, in denen die Musik von Beethoven, Haydn, Dvorak oder das Ballett „Peter und der Wolf” von Prokofjew selten oder nie aufgeführt werden. Wie in Teterow enden die Aufführungen immer mit viel Beifall.

„Hier freuen sich die Leute irgendwie mehr als in der Großstadt”, sagt Trompeter Martin Stadtfeld. Der 25-Jährige kommt aus dem Saarland, studiert in Berlin und ist ein Stipendiat des Ensembles. „Beim ersten Konzert in Teterow habe ich ein Solo in 'Schwanensee' gespielt, das kam super an”, erklärt Stadtfeld. Von der besonderen Atmosphäre in den kleinen Städten ist auch Sati Jimenez begeistert. Der ebenfalls 25 Jahre alte Cellist stammt aus Bolivien, lebte lange in Frankreich, studiert in Rostock und gehört zur Neuen Philharmonie.

Städte können Interesse an „Stadt.Land.Klassik!” anmelden

„Wir lernen bei so einer Reihe viele Komponisten kennen”, sagt Jimenez, der neben spanischen, südkoreanischen, italienischen, amerikanischen und polnischen Musikerinnen und Musikern spielt. „Wir haben etwa 50 Konzerte im Jahr und wollen dieses Format auch gern auf ganz Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ausdehnen”, erläutert Schulz. In Oranienburg wurde schon gespielt, Prenzlau, Luckau und Neuruppin folgen, weitere Städte könnten Interesse anmelden. Ein Höhepunkt für die Musiker war 2018 der Auftritt mit Startenor Andrea Bocelli im August auf der Berliner Waldbühne.

Das Besondere an „Stadt.Land.Klassik!” ist auch, dass alle Konzerte unterhaltsam moderiert werden, erläutert die Projektmanagerin. So unterhalte Schumacher selbst oder auch der Moderator des Kika-Fernsehens Juri Tetzlaff die Gäste. „Der junge Moderator Tetzlaff kommt vor allem bei den Kindern toll an, für die extra Kinderkonzerte organisiert werden.”

Musiker müssen viel Repertoire können

Für politischen „Rückenwind” hat unter anderem Vincent Kokert, der CDU-Landesvorsitzende und Landtagsfraktionschef, gesorgt. „Gerade bei jungen Menschen haben wir großen kulturellen Nachholbedarf”, erklärte Kokert. Deshalb seien günstige Eintrittspreise wichtig. Auch Pasewalks Bürgermeisterin Sandra Nachtweih (parteilos) stimmt dem zu: „Ich freue mich für unsere Einwohner, dass wir so ein großes Orchester zu erschwinglichen Preisen haben können”, sagt die Verwaltungschefin nach dem Abschlusskonzert. Gerade mit den Moderationen sei das Format auch gut geeignet für Leute, die sonst seltener Zugang zur Klassik haben. „Wir haben schon weitere Konzerte vereinbart”, freut sich Nachtweih.

Wie wichtig diese Konzerte auch für den Trompeter Stadtfeld, Cellist Jimenez und ihre Musiker-Kollegen sind, verdeutlicht der Dirigent. „Junge Leute haben es heute schwer, bei renommierten Orchestern hineinzukommen.” Sie müssten schon viel Repertoire können. „Und das lernt man letztlich nur beim Musizieren im Ensemble.” Der Teterower Holm will 2019 auf jeden Fall wieder dabei sein.