PUCCINI-OPER IN NEUSTRELITZ

▶ Intendant wagt sich an flotten Opern-Dreier

Drei Puccini-Opern an einem Abend – nichts Geringeres hat sich Theaterintendant Sven Müller für seine persönliche Musiktheater-Premiere am kommenden Sonnabend vorgenommen. Er und der Komponist Puccini haben sich bei „Il trittico“ aber auch etwas gedacht.
Drama, Liebe, Leidenschaft – das bietet der Abend mit gleich drei Puccini-Opern.
Drama, Liebe, Leidenschaft – das bietet der Abend mit gleich drei Puccini-Opern. Jörg Metzner
Sven Müller steht mit „Il trittico” vor seiner Premiere als Regisseur in Neustrelitz.
Sven Müller steht mit „Il trittico” vor seiner Premiere als Regisseur in Neustrelitz. Frank Wilhelm
Auch der Opernchor ist natürlich mit von der Partie. Einige Sängerinnen und Sänger werden auch als Solisten zu
Auch der Opernchor ist natürlich mit von der Partie. Einige Sängerinnen und Sänger werden auch als Solisten zu erleben sein. Jörg Metzner
Probe des Ensembles für die komische Oper „Gianni Schicci”, die am Ende des Abends stehen wird.
Probe des Ensembles für die komische Oper „Gianni Schicci”, die am Ende des Abends stehen wird. TOG
Zum Finale des Puccini-Abends wird es mit dem Stück „Gianni Schicchi“ noch einmal lustig.
Zum Finale des Puccini-Abends wird es mit dem Stück „Gianni Schicchi“ noch einmal lustig. Jörg Metzner
Neustrelitz.

Es bleibt nicht mehr viel Zeit bis zu seiner ersten Premiere in Neustrelitz. Trotzdem wirkt Intendant Sven Müller wie die Ruhe selbst. „Ich bin nicht nervös. Ich schlafe auch gut“, sagt Müller, der seit Sommer 2019 als Intendant der Theater und Orchester GmbH Neubrandenburg/Neustrelitz (TOG) fungiert und am Samstag seine erste Inszenierung als Regisseur in der Residenzstadt feiert.

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Dabei hätte es sich der 55-Jährige einfacher machen und einen Opern-Klassiker aufbieten können. Hat er aber nicht. Müller hat sich für Giacomo Puccinis (1858-1924) Operntrilogie „Il trittico“ entschieden, kein Stück, was allzu oft an deutschen Bühnen zu erleben ist. Das mag auch daran liegen, dass es sich bei dem „Triptychon“, so eine mögliche Übertragung, quasi um drei jeweils knapp einstündige Opern handelt, die für die verbundene Aufführung an einem Abend geschrieben wurden. „Das Werk wird zu Unrecht so selten gespielt“, sagt Müller. Immerhin wollte Puccini mit den drei Opern die gesamte Spannweite unseres Lebens zwischen Lachen und Weinen beschreiben. So wie auf einem Tryptichon jedes der drei Bilder seine eigene Geschichte darstellt, erzählen auch die drei Opern jeweils eine andere Geschichte.

Theater kommt an seine Grenzen

Im Drama „Il tabarro“ (Der Mantel) geht es um die abgekühlte Liebe zwischen Michele und seiner Frau Giorgetta. Sie sucht eine neue Leidenschaft in einer Affäre mit einem anderen Mann. Zum Finale zeigt sich, dass die Eifersucht eines der kränkendsten Gefühle ist. Trauer beherrscht das lyrische Drama „Suor Angelica“ (Schwester Angelika), die zweite Oper des Abends. Angelica trägt ein Geheimnis in sich: Gleich nach der Geburt wurde der unverheirateten Mutter der Sohn genommen. Nun erfährt sie, dass er nach einer schweren Krankheit bereits seit zwei Jahren tot ist.

Die Zuschauer müssen aber keine Angst haben, mit traurigen Gefühlen das Theater verlassen zu müssen. Zum Finale präsentiert Puccini mit „Gianni Schicchi“ eine komische Oper. In einem absurden Spiel stellt er die geldgierigen Verwandten bloß, die sich am Vermögen des gerade gestorbenen Buoso Donati bereichern wollen. Die Geschichte geht auf Dantes (1265-1321) „Göttliche Komödie“ zurück. „Dantes Text ist 700 Jahre alt. Es zeigt sich, wie wenig sich die Welt seitdem geändert hat“, sagt Müller. Die vorletzte Oper Puccinis beweise, dass der Komponist immer wieder darauf aus war, neue Stile des Musiktheaters zu finden und auszuprobieren. Die Experimentierfreude des Italieners führt die Neustrelitzer aber auch an die Grenzen des Leistbaren. Die Zahl der festangestellten Sänger ist begrenzt, genauso wie die Honorarmittel, auf die Müller für das Engagement freier Sänger zurückgreifen kann.

Einige Solisten schlüpfen in drei verschiedene Rollen

In allen drei Opern zusammengenommen, sind 36 Solo-Rollen zu besetzen. Dadurch bekommen auch Sängerinnen und Sänger des Opernchores die Chance für einen Extra-Auftritt in einem der Teile. Die meisten Solisten müssen in mindestens zwei Opern ran, einige wie die Mezzosporanistin Julia Grote und die Sopranistin Laura Scherwitzl spielen und singen sogar in allen drei Opern. „Das ist für die Sänger natürlich eine große Herausforderung“, sagt Müller.

Herausfordernd ist auch die Platzierung der Musiker der Philharmonie im Orchestergraben. Mit rund 45 Musikern handelt es sich um eine verhältnismäßig üppige Besetzung. Für jeden Instrumentalisten bleiben im Schnitt gerade mal 1,3 Quadratmeter Platz.

Puccini: „Il trittico“, Premiere am Sonnabend um 19.30 Uhr im Landestheater Neustrelitz. Weitere Aufführungen am 8.2. um 19.30 Uhr und am 23.2. um 16 Uhr. Karten an den Theaterkassen telefonisch 0800 4575033

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