Literatur-Rezension
Humboldt als Comic-Held

„Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ dürfte die coolste der Buch-Veröffentlichungen zum 250. Geburtstag des Naturforschers sein.
„Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ dürfte die coolste der Buch-Veröffentlichungen zum 250. Geburtstag des Naturforschers sein.

„Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“ dürfte die coolste der Buch-Veröffentlichungen zum 250. Geburtstag des aufregenden Naturforschers sein. Die berühmte Amerika-Reise als Graphic Novel!

Humboldt, Alexander von, als kraxelte er in seiner eigenen Zeichnung des Vulkanriesen Chimborazo herum. Von oben per Sprechblasen die Welt an seinen Erkenntnissen teilhaben lassend. Darwin und Goethe machen links respektvoll ihre Aufwartung. Rechts, ebenfalls im Comic-Stil, Bewunderer der legendären Expedition des naturwissenschaftlichen Netzwerkers von 1799 bis 1804 in Spaniens Übersee-Kolonien und Lateinamerika. 

Diese aufklappbare Doppelseite ist fraglos der Eyecatcher in dem Band „Die Abenteuer des Alexander von Humboldt“, der unter den Veröffentlichungen zum 250. Geburtstag des prominenteren der beiden Humboldt-Brüder die coolste sein dürfte. Als Graphic Novel-Hero auf Südamerika-Tour. Das würde Alexander von Humboldt gefallen haben.

Farb- und Motivspektakel

Die hochgelobte Humboldt-Biografin Andrea Wulf heckte mit der New Yorker Illustratorin Lillian Melcher diesen prächtigen Band aus. Ein Farb- und Motiv-Spektakel als Fundgrube. Entdecker sollten auf ihre Kosten kommen. Die Amerika-Neugierde von Humboldt, der hier postum als (nicht uneitler) Erzähler mitspielt, ist faszinierend und ansteckend.

Die fantasievollen Zeichnungen und Collagen von den Begegnungen des Preußen mit der exotischen Tier- und Pflanzenwelt interagieren mit pointierten Auszügen aus den erst seit Kurzem zugänglichen Reisetagebuch-Aufzeichnungen (in originaler Sauklaue). Das prallvolle Storyboard bietet Szenen vom Austausch mit den Einheimischen, die Action bei der Orinoko-Fahrt des Nichtschwimmers, die Chimborazo-Besteigung, mit der Humboldt den damaligen Höhenrekord brach, obgleich mieses Wetter den letzten Aufstieg bis zum Gipfel verhinderte. Zitteraal-Experimente, Selbstversuche, viel Gefahrvolles und Unterhaltsames, bisweilen Komik. Auch Persönliches, so Humboldts Beziehungen zu Männern.

Hommage an den Künstler Humboldt

Die Inspiration zu dem „Bilder-Buch“ holte sich das Duo Wulf/Melcher bei dem Forscher selbst: Es ist zugleich eine Hommage an Humboldt als Künstler. Dessen Zeichnungen und Stiche von Affen, Fischen, Landschaften begleiteten seine Einträge in beeindruckender Weise – eine Begabung.

Nicht allein Idee und Ausstattung machen dieses Abenteuer-Buch speziell für jugendliche Leser empfehlenswert. Alexander Humboldt kehrte vor gut zwei Jahrhunderten mit einem neuen globalen Naturverständnis aus Südamerika nach Europa heim – und als Frühwarner vor menschengemachter Klimakrise, Waldrodungen und Monokultur. Aktuell fordern weltweit Schüler um die schwedische Gallionsfigur Greta Thunberg eine radikale Umkehr in der Umweltpolitik. Quasi Humboldtianer.

Andrea Wulf: Die Abenteuer des Alexander von Humboldt. Illustriert von Lillian Melcher. C.Bertelsmann Verlag, München, 2019. 272 Seiten. 28 Euro. ISBN 978 – 3 – 570 – 10350 – 0.