INSTRUMENTENKUNDE

Heute hau‘n wir auf die Pauke (Video)

Dorian Schemmann ist Solopauker der Neubrandenburger Philharmonie. Als Kind hatte er musikalisch allerdings noch etwas ganz anderes im Sinn.
Frank Wilhelm Frank Wilhelm
Dorian Schemmann, Solo-Pauker der Philharmonie Neubrandenburg
Dorian Schemmann, Solo-Pauker der Philharmonie Neubrandenburg Frank Wilhelm
Neubrandenburg.

Wie kommt man als Musiker zur Pauke?

Ich hatte als Kind zwei Schlüsselerlebnisse: Mein Vater besaß eine riesige Schallplattensammlung, und ich habe viel Musik gehört, darunter auch Jazz, wo das Schlagzeug wichtig ist. Das zweite entscheidende Erlebnis war ein Film, noch in Schwarz-Weiß, in dem ein Schlagzeuger zu sehen war. Seine Bewegungen und der Sound haben mich fasziniert.

Ab wann haben Sie selbst gespielt?

Als ich neun Jahre alt war, habe ich an der Musikschule in Frankfurt/Main mit dem Drumset angefangen. Eine zeitlang habe ich auch noch Fußball und Fechten trainiert, mich dann aber auf die Musik konzentriert. Mit zwölf Jahren hatte ich die Vorstellung, mit Musik mein Geld zu verdienen.

Haben Sie damals schon in einer Band gespielt?

Mit zwölf Jahren war ich in meiner ersten Band, mit dreizehn spielte ich das erste Mal bei einem Konzert mit. All meine Musikerkollegen waren älter als ich. Als ich 15 Jahre alt war, sind wir durch ganz Deutschland getourt – von München bis nach Hamburg haben wir in den bekannten „Läden“, also Clubs gespielt.

Dann haben Sie sich aber doch für die klassische Musik entschieden.

Als ich in die 11. Klasse ging, hatte unsere Musiklehrerin Karten für ein philharmonisches Konzert besorgt. Ich hörte Schostakowitschs 1. Violinkonzert. Ein wunderbares Erlebnis. Ich fing in der Musikschule an, das klassische Schlagwerk zu lernen. Außerdem lernte ich ab 14 Jahren Klavier, da das für die Aufnahmeprüfung an der Hochschule benötigt wurde.

Wo haben Sie studiert?

Ich bin kurz vor dem Mauerfall im September 1989 nach Westberlin gegangen, wo ich bis 1995 an der Hochschule der Künste studiert habe. Viele Abiturienten aus Frankfurt/Main sind in den 1980er-Jahren nach Berlin zum Studium gegangen.

Wie kamen Sie nach Neubrandenburg?

Schon während des Studiums habe ich mich bei Orchestern beworben, um zu sehen, welche Chancen ich habe. Unter anderem habe ich auch bei der Philharmonie Neubrandenburg vorgespielt. Beim zweiten Anlauf hat es dann 1992 geklappt.

In vielen Sinfonien hat der Pauker nicht viel zu tun. Wie beschäftigen Sie sich während der „Pausen“?

Ich habe eine Partitur, die ich während des Konzertes lese, also verfolge. Ich beobachte meine Kollegen und stimme immer wieder die Pauke.

Warum spielen Sie eigentlich vier Pauken?

Jede Pauke ist unterschiedlich gestimmt. Mit der kleinsten Pauke spiele ich die ganz hohen, mit der größten die tiefen Töne.

Der Solopauker Dorian Schemmann ist mit seiner Pauke und seinen Kollegen von der Philharmonie Neubrandenburg beim nächsten Philharmonischen Konzert zu erleben. Er spielt am Donnerstag um 10 Uhr und 19.30 Uhr in der Konzertkirche Neubrandenburg. Am Sonntag um 18 Uhr im Landestheater Neustrelitz. Gespielt wird Musik von Wolfgang Amadeus Mozart.

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