GNTM-Kolumne
Heidi Klum will einen eigenen Eintrag im Duden

Zwei allerbeste Feindinnen: Simone und Vanessa
Zwei allerbeste Feindinnen: Simone und Vanessa
Screenshot Pro Sieben

Bildungsfernsehen ProSieben: In dieser Folge Germany's Next Topmodel lernen wir nicht nur Englisch mit Heidi Klum und Geographie mit Bill Kaulitz. Wir bekommen auch wertvolle Weisheiten von den Models zu hören.

Für so viel Gerede über Individualität und eigene „Personality” müssen die Mädchen ganz schön oft in andere Rollen schlüpfen. In dieser Folge Germany's Next Topmodel werden Britney Spears, Cher und Lady Gaga abgearbeitet. Lady Klum findet das gar nicht paradox, ist doch toll „dass ihr mal eure Personality rauslassen dürft, dass ihr mal in eine andere Rolle schlüpfen dürft”.

In Heidis wunderbarer Welt scheint es so etwas Lästiges wie Widersprüche nämlich gar nicht zu geben. Da kommt es ihr auch nicht komisch vor, Sayana in einen Zoo Plüschtiere zu kleiden und sich dann zu beschweren, dass sie auf den Fotos aussieht wie eine Fünfjährige, auf ihrem rosa Fahrrad mit den Blumen, zehn Meter über dem Boden.

Heidis Dialog erinnert an Englisch-Buch aus der fünften Klasse

Ja, endlich wieder ein Shooting in durch nichts zu rechtfertigender Höhe, der Klassiker. Und Simones Gelegenheit zu zeigen, dass man Ängste nur dann überwinden kann, wenn man vorher welche gehabt hat. Und sich überwinden, über sich hinauswachsen scheint ja sowieso das neue Talenthaben zu sein. „Sie hat sich stets bemüht” (sinngemäß) gehört jedenfalls zu Heidis liebsten Komplimenten.

Die führt, während die Mädchen wie Marionetten an mehrere Schnüre (oder auch Sicherungsseile) geknotet werden, einen Begrüßungsdialog mit dem Fotografen, zu dem sie ein Englisch-Buch aus der fünften Klasse inspiriert haben dürfte und der in etwa so lautet:

„Hey, nice to meet you!”

„Hello! Nice to meet you too.”

„How are you doing?”

„I am doing good, how are you doing?”

Der Klumsche Plusquamperfekt

Dann wendet sich Peter, alias der Fotograf, der Fotografie zu und Mary, alias Heidi, verfolgt weiter ihre Mission, den Klumschen Plusquamperfekt („das war gut gewesen”) zu verbreiten. Die Frau, die Straßenköterblond salonfähig gemacht hat, schafft es sicher auch, ihre eigene Tempusform´- die übrigens sehr viel Personality hat – in die nächste Auflage des Duden einzuschleusen.

Und auch eines der Mädchen, das sich spontan zum Life-Coach berufen fühlt, beehrt die Öffentlichkeit mit einer Weisheit. Mit einem Ratschlag, der das Leben vieler von Grund auf verändern dürfte: „Man muss einfach nur schön aussehen, dann kann man alle seine Ängste überwinden!” Dumm halt, wenn man nicht schön aussieht, aber GNTM kann sich ja nicht um alles kümmern.

Bill Kaulitz lebt Faible für Städtenamen aus

Und bei der bevorstehenden Show hilft Schönheit allein auch wieder nicht weiter. Die Mädchen müssen an der Seite von Dragqueens Choreographien einstudieren. Eine der Damen, mit dem klangvollen Namen „Nebraska Thunderfuck”, hat es irgendwie geschafft, ihre Hose zu vergessen und das nachdem sie mutmaßlich stundenlang vor einem Spiegel gesessen hat, um sich nach den Regeln sämtlicher Schmink-Tutorials, die YouTube zu bieten hat, herzurichten.

Gegen diese Paradiesvögel ist Heidis Schwager in spe, Bill Kaulitz – in dieser Folge der Gast-Juror – eine graue Maus. Der Sänger von „Tokio Hotel” lebt sein Faible für Städtenamen weiter aus und hat inzwischen das Modelabel „Magdeburg Los Angeles” gegründet. Ausschlaggebendes Kriterium für ein Einstellung als Model: Kaugummiblasen erzeugen können. Das kann Simone am besten.

Nicht alle Mädchen sind einer Bebe-Werbung entsprungen

Doch da wäre ja noch die Dragqueenshow, für die alle fleißig geübt haben. Die nächste und letzte Chance in dieser Folge, Heidi von sich zu überzeugen. Doch die ist enttäuscht, weil die Mädchen sich nicht genug „stets bemüht” haben und Bill findet auch: „Das ist komisch, dass die das mit dem Lip Sync alle so schwer finden. Das macht man doch auch zu Hause vorm Spiegel.”

Leider sind aber nicht alle Mädchen einer Bebe-Werbung entsprungen und außerdem haben sie erst kurz vor der Show, für die übrigens diesmal glücklicherweise "keine Zuschauer gefunden gewesen worden waren sind", erfahren, dass sie Playback singen sollen. Doch das Argument à la Frau Lehrerin, „wir wussten nicht, dass wir was aufhatten”, zieht bei Heidi irgendwie nicht. Und wenn ich mich recht entsinne, hat es wohl noch bei keinem Lehrer je gezogen...

Trotzdem sind die meisten Topmodelkandidatinnen wieder eine Runde weiter. Wer weiß, vielleicht haben sie – trotz fehlender Übung in dieser Disziplin – ja bald genügend Personality gesammelt, dass auch mal jemand in ihre Rollen schlüpft...

Pinke Gelnägel, unbequeme Jeans, Thilo Sarrazin – es gibt Dinge, die lassen sich mit einem (wenn auch abgeschlossenen) Studium der Geisteswissenschaften nur schwer vereinbaren. Alle Jahre wieder der neuen Staffel von Germany's Next Topmodel entgegenzufiebern, gehört mit Sicherheit dazu. Da braucht es schon gute Vorwände: Ironische Distanz vielleicht, oder eine Kolumne. Ab jetzt schreibt unsere Autorin Christine Gerhard regelmäßig über die Show. Hier geht es zu allen Beiträgen.