Ex-Minister

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Günther Krause geht jetzt doch ins Dschungelcamp

Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause Mitte der 90er-Jahre in einem Wagen seiner damaligen Firma "Aufbau-Investitionen".
Ex-Bundesverkehrsminister Günther Krause Mitte der 90er-Jahre in einem Wagen seiner damaligen Firma „Aufbau-Investitionen”.
Bernd Wüstneck

Er tut es doch! Günther Krause hat offenbar bei RTL unterschrieben und zieht ins Dschungelcamp 2019 ein. Ein Schritt, der ihm mit Sicherheit viel Verachtung einbringen wird – der aber eigentlich Respekt verdient.

Nur wenige Menschen sind so grandios gescheitert wie Günther Krause, Ex-Verkehrsminister (CDU) und Mitaushandler des Einigungsvertrages. Alleine diese Rolle beim Zusammenwachsen Deutschlands hätte dafür sorgen müssen, dass Günther Krause in Ehren und üppig ausgestattet einem sorglosen Alter hätte entgegenschauen können. Doch das Leben (und zuallererst er selbst!) wollten es anders.

Heute steht er vor den Trümmern seiner Existenz, und der entwürdigende Gang ins Dschungelcamp scheint der einzig denkbare Ausweg aus seiner finanziellen Misere. Vor ein paar Tagen wurde darüber noch spekuliert. Dass er ihn jetzt nach einer Vorabmeldung der Super Illu, tatsächlich beschreiten will, nachdem er sich zuvor so gewunden hatte, mögen einige erbärmlich finden – in Wahrheit ist es nur konsequent und verdient Respekt. Denn anders könnte er seinen finanziellen Verpflichtungen kaum nachkommen und seiner Familie zumindest ein wenig Perspektive bieten.

Krause hatte sowohl als Politiker wie auch als Unternehmer und zuletzt als Privatmann für Schlagzeilen gesorgt, nachdem er zu Wendezeiten ganz oben gestanden hatte. Gemeinsam mit Wolfgang Schäuble hatte er als Staatssekretär unter dem letzten DDR-Ministerpräsidenten Lothar de Maizière den Einigungsvertrag nicht nur ausgehandelt, sondern auch unterschrieben. Alleine dadurch wird sein Name für sehr lange Zeit mit der deutschen Geschichte verbunden sein. Nach der Vereinigung wurde er zum Minister im Kabinett Kohl berufen, zunächst für Sonderaufgaben, dann für Verkehr.

Zuletzt hatte Krause eine Villa gekauft, aber niemals bezogen

Eine Putzfrauen-Affäre, über die man heute nur noch müde lächeln würde, sorgte dann 1993 für Entrüstungsstürme und schließlich für seinen Rücktritt vom Ministeramt. Krause ging darauf in die Wirtschaft, legte aber mit seiner Frima Aufbau Invest eine spektakuläre Pleite hin. 2001 musste er einen Offenbarungseid ablegen, außerdem wurde er wegen Insolvenzverschleppung, Betrug und Steuerhinterziehung angezeigt. 25 von 27 Anklagepunkten mussten am Ende fallen gelassen werden, sein Freund und Anwalt Peter-Michael Diestel hatte sich mächtig für ihn ins Zeug gelegt. Dennoch erfolgte eine Verurteilung, 14 Monate auf Bewährung.

Zuletzt hatte Krause für Schlagzeilen besorgt, weil er eine Villa gekauft und bezogen, allerdings niemals bezahlt hatte. Er entging der Zwangsräumung durch einen Auszug auf den allerletzten Drücker nur knapp. Im Zuge dieser Affäre bestehen offene Geldforderungen gegen ihn, die Rede ist von mehreren Zehntausend Euro.

Geld, das Krause offenbar nicht hat und mit seinem schillernden Vorleben durch wirtschaftliche Tätigkeit auch nur schwer würde verdienen können. Dass er es jetzt auf einem Weg beschaffen möchte, den andere nicht einschlagen würden, wirft ein bezeichnendes Bild auf zwei Seiten seines Charakters: Ein Mann, der keinem etwas schuldig bleiben möchte, das ist ohne Frage die positive Seite.

Ein Mann auch, der sich nicht groß darum schert, was sich angeblich gehört, auch das nichts, wofür man sich schämen müsste. Und schließlich einer, dem das Wasser offensichtlich bis zum Hals steht – und das hat für einen der Architekten der Einheit zumindest eine gewisse Tragik. Häme verbietet sich also. Und wer weiß: Vielleicht findet Krause ausgerechnet in dieser Rolle einen Weg zu der Würde, die sich andere viel billiger erworben haben.