Sonderbare Meldung
Sehr, sehr wenig Glyphosat in alkoholfreiem Bier

 Die Glyphosat-Funde haben im Grunde nichts zu bedeuten.
De Glyphosat-Funde haben im Grunde nichts zu bedeuten.
Florian Schuh

Erneut Glyphosat-Alarm: In alkoholfreiem Bier wurde der umstrittene Stoff nachgewiesen. Doch ein genauer Blick zeigt: Das hat rein gar nichts zu bedeuten.

Eine Meldung, die am Mittwoch bereitwillig in vielen Medien aufgegriffen wurde: Die Stiftung Warentest hat in fast allen getesteten alkoholfreien Bieren Glyphosat nachgewiesen. Rückstände des umstrittenen Pflanzenschutzmittels fanden die Tester in allen untersuchten Bieren, abgesehen von den zwei getesteten Bio-Bieren.

Gutes Bio, böses Glyphosat, fertig war die aus den üblichen Stereotypen zusammengesetzte Alarmmeldung, die unter anderem bei N-TV zu lesen war.

Das Problem mit der Meldung ist nur: Die Glyphosat-Funde haben im Grunde nichts zu bedeuten. Zwar ist in der Forschung tatsächlich umstritten, wie gefährlich der Stoff ist. Eine Gesundheitsgefahr hat bislang allerdings noch keine Studie nachgewiesen. Die WHO stuft das Mittel zwar als „wahrscheinlich krebserregend” ein, das tut sie allerdings auch mit rotem Fleisch, Sonnenlicht und dem Friseurberuf. Viele andere unabhängige Institute können nach gegenwärtigem Stand keine Gesundheitsgefahr erkennen. So auch das Bundesamt für Risikobewertung.

Bei mehr als 1000 Litern wird es bedenklich

Von diesem Bundesamt stammt auch die einzige existierende halbwegs offizielle Mengenempfehlung für Glyphosat in Lebensmitteln. Würde man diese anlegen, käme man selbst für das getestete Bier mit dem höchsten Glyphosat-Wert auf eine Menge von über 1000 Litern pro Tag, die man trinken müsste, bis es bedenklich wird. Der Genuss von 1000 Litern alkoholfreiem Bier an einem Tag wäre wohl allerdings auch aus grundsätzlicheren Gründen mehr als bedenklich – um nicht zu sagen: unmöglich.

Macht die Stiftung Warentest also zu Unrecht Radau? Nun ja – die Stiftung weist auf diese Werte auf ihrer Test-Seite ausführlich hin, man muss nur einmal auf Weiter klicken. Allerdings nimmt das Thema Glyphosat auch auf in dem Bericht der Stfitung Warentest gemessen an seiner Bedeutung im Test überraschend viel Raum ein, die Stiftung fordert zudem aus dem Nichts heraus strengere Grenzwerte. Gleichwohl stellt sich bei diesem Fall aber eher die Frage, warum diese „Nicht-Meldung” von den Medien so eilfertig aufgegriffen wurde. Zumal es nicht anders lief, als voriges Jahr die Meldung für konventionelles Bier die Runde machte.