GEGEN MADEN IN KIRSCHEN

Klebrige Fallen für fruchtige Notfälle

Wer seine Kirschen vor Fruchtfliegen schützen will, kann auf farbige Klebefallen zurückgreifen. Doch Naturschützer im Land raten dringend, die Gelbtafeln danach möglichst schnell wieder zu entfernen.
Gelbfallen: Die Farbe signalisiert der Fruchtfliege eine Eier-Ablagemöglichkeit. Biofa AG
Neubrandenburg.

Durchsichtige Flügel und ein schwarzer Körper. Gelbe Punkte auf dem Kopf und auf dem Körper. Außerdem ist sie zwischen 3,5 und 5 Millimeter lang. Soweit der Steckbrief der Kirschfruchtfliege. Leichter zu erkennen und bekannter als das fliegende Insekt sind seine Maden, die zur rechten Zeit in die Kirschen „verpflanzt“ eine ganze Ernte vernichten können. Denn die Früchte werden oft faulig und fallen frühzeitig vom Baum.

„Verständlicherweise raubt manch einem der Gedanke an Maden auch den Appetit“, sagt Biologin Anja Kureck vom Landesverband des Naturschutzbundes (Nabu) Mecklenburg-Vorpommern. Die Spezialistin für biologischen Pflanzenschutz mahnt Kleingärtner jedoch im Namen des Naturschutzes, nicht gleich bei einigen Maden aktiv zu werden. „Und wenn, dann bitte keine Chemie, denn die kommt wie ein Bumerang zurück. Jedes Mittel, das Schädlinge vernichtet, vernichtet gleichzeitig auch die Nützlinge, die sich von den Schädlingen ernähren“, erklärt sie einen Kreislauf. Die in Tressow bei Wismar lebende Naturschützerin rät daher zu Klebetafeln, wenn der Kleingärtner unbedingt gegen die Fruchtfliegen vorgehen möchte.

Gelb signalisiert der Fliege: „Hier kannst Du Deine Eier ablegen“

Im konkreten Fall der Kirschfruchtfliegen kommen die bekanntesten, nämlich die gelben Klebetafeln zum Einsatz. „Dies sind gelbe mit Klebstoffen behaftete Papp- oder Kunststofftafeln. Da die Farbe Gelb der Fliege signalisiert: „Hier kannst Du Deine Eier ablegen“ und einige Tafeln außerdem mit Lockstoffen behaftet sind, fliegt sie die Tafeln an und bleibt bei der Eiablage daran kleben“, erklären die Naturschützer.

In niederschlagsreichen, kühlen Sommern ist der Befall geringer als in heißen, trockenen Jahren. Bei einem großen Kirschbaum sollten mehrere Gelbtafeln im Baum verteilt werden, vor allem an der Südseite der Krone, da die Kirschen dort zuerst reif werden. Die Tafeln können in einem Gartenfachhandel erworben werden.

Kirschen mit Maden ins Wasser legen

Nach der Kirschernte sollten die Gelbtafeln wieder abgehängt werden, damit nicht auch andere Tiere daran haften bleiben. Wenn sich doch einige Maden in den Kirschen befinden, kann man diese einige Minuten lang ins Wasser legen, damit die Maden an die Oberfläche kommen. „Der Nachteil der Tafeln ist, dass sie auch kollateral wirken, also nicht nur gezielt“, erläutert Kureck.

Jeder Schädlingsbefall zeige ein Ungleichgewicht oder eine Krankheit der Pflanzen an. Überdüngung, zu wenig Lebensraum für Nützlinge oder eben der Einsatz von Chemie an anderer Stelle könne die Ursache sein. „Die Fläche der Kleingärten zusammen ist in Mecklenburg-Vorpommern deutlich größer als die Fläche der Naturschutzgebiete“, rechnet die 30-jährige Biologin vor. Deshalb können die Kleingärtner viel mehr für die Natur tun, als sie manches Mal annehmen.

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