IMKERIN SCHLÄGT VOR

Bienen sollen Polizeihunden Konkurrenz machen

Bienen haben einen hervorragenden Geruchssinn. Könnte man sie als eine Art geflügelten Mini-Spürhund nutzen? Manche zweifeln daran. Eine junge Polizistin glaubt daran.
dpa
Eine junge Polizistin träumt von einer „Dienstbienenstaffel” bei der Polizei.
Eine junge Polizistin träumt von einer „Dienstbienenstaffel” bei der Polizei. Frank Rumpenhorst
Drogen-Spürhund Darka vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder) schnüffelt bei einer Übung mit versteckten Drogen. Beko
Drogen-Spürhund Darka vom Hauptzollamt Frankfurt (Oder) schnüffelt bei einer Übung mit versteckten Drogen. Bekommt sie bald summende Konkurrenz? Patrick Pleul
Berlin.

Bei der Gewerkschaft der Polizei (GdP) wird gerade eine kuriose Idee ganz ernsthaft vorgestellt: Bienen, die ähnlich wie Spürhunde die Polizeiarbeit unterstützen könnten. Die Insekten haben es sogar aufs Titelblatt der Mitgliederzeitschrift geschafft. Dort stellt die 22-jährige Polizistin und Hobby-Imkerin Sonja Kessler aus Köln ihre Abschlussarbeit unter der Überschrift „Spürbienen: eine Revolution für die Polizeiarbeit?“ vor.

Statt zu bellen, wird der Rüssel herausgestreckt

Drogenspürhunde seien nur für kurze Zeit einsatzfähig, sehr auf eine Bezugsperson fixiert, ihre Ausbildung zeitaufwendig und kostspielig, heißt es da. Warum also nicht die Biene? Kessler wurde für ihre Bachelorarbeit vom diesjährigen Europäischen Polizeikongress bereits mit einem Sonderpreis ausgezeichnet. Einige Experten haben leise Zweifel, ob die Idee umsetzbar ist. Die junge Polizistin und andere Fachleute aber halten die Idee für alltagstauglich.

Fest steht: Bienen können Fachleuten zufolge hervorragend riechen. Außerdem können sie dressiert werden, Gerüche zu erkennen und anzuzeigen. Dazu werden sie fixiert, etwa in einem Röhrchen, erzählt der Leiter der baden-württembergischen Landesanstalt für Bienenkunde an der Universität Hohenheim, Peter Rosenkranz. Dann riechen die Bienen eine bestimmte Substanz und schlecken gleichzeitig eine Zuckerlösung. Nach nur wenigen Durchgängen sind die Bienen auf den Duft konditioniert. Sobald sie ihn schnuppern, strecken sie ihren Rüssel heraus, weil sie erneut eine süße Belohnung erwarten – sozusagen das Äquivalent zum Anschlagen des Spürhundes.

Polizistin will Bienenvölker dressieren

„Die Duftwahrnehmung bei Bienen ist extrem empfindlich. Da spielen sie in der Dimension von Spürhunden“, schwärmt Rosenkranz. Er selbst dressiere Bienen auf verschiedene Zigarettenmarken in seinen Studentenkursen. Mit 20 in einem kofferähnlichen Behälter fixierten Tieren könnte man an Bahnhöfen oder der Gepäckkontrolle im Flughafen nach Drogen oder Sprengstoff suchen. Das sei sogar schon in der Praxis getestet worden, sagt der Experte.

Polizistin Kessler hält noch viel mehr für möglich. „Mittels der Belohnungsmethode können ganze Bienenvölker konditioniert werden“, schreibt sie in dem Artikel. Frei fliegende Spürbienen könnten eine Fläche von bis zu 50 Quadratkilometern absuchen. Sie könnten mit fluoreszierenden Puder bestäubt werden, um von Drohnen gefunden zu werden. „Insbesondere zum Entdecken von Drogenplantagen oder zum Auffinden von Explosivmitteln wie TNT, beispielsweise in alter Weltkriegsmunition, können die Bienen eingesetzt werden.“

„Die werden einen Teufel tun und Drogen suchen“

Die Freiflugmethode sei aber tages-, wetter- und jahreszeitenabhängig, räumt die junge Imkerin ein. Außerdem müssten rechtliche Fragen geklärt werden. Was ist, wenn die Biene einen Verdächtigen beim Beschnuppern sticht? Ist eine Biene ein zulässiges Beweismittel vor Gericht? Kessler ist trotzdem überzeugt, dass Bienen eine echte Hilfe im Polizeidienst sein können. Sie träumt von „Dienstbienenstaffeln“. „Es wäre zu schade, das Potenzial der Biene nicht zu nutzen“, schreibt sie.

 

Bienen-Experte Rosenkranz hält Spürbienen in der Koffer-Version für grundsätzlich möglich, aber nicht praxistauglich. Hürden seien die kurze Lebensdauer der Insekten und das benötigte Know-how für Dressur und Einsatz. Bienen-Fahnder im Freiflug hält er für völlig illusorisch. „Wenn in der Nähe ein Rapsfeld blüht, dann werden die einen Teufel tun und Drogen suchen“, sagt er. „Die gehen dahin, wo‘s schmeckt.“ In der Fläche kriege man das nicht umgesetzt, allein schon, weil man die Bienen wieder finden und einfangen müsse.

 

Sei Aschenbrödel! - Dein personalisierbares Märchenbuch zum Film!

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Berlin

zur Homepage