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Trotz Verdopplung der Fälle

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Weniger Pflege-Betrug im Nordosten aufgeklärt

Betrug in der Pflege ist Betrug an hilfsbedürftigen Menschen sowie an der gesamten Solidargemeinschaft, moniert die AOK Nordost. Bundesweit sind die Fallzahlen 2017 stark gestiegen.
Betrug in der Pflege ist Betrug an hilfsbedürftigen Menschen sowie an der gesamten Solidargemeinschaft, moniert die AOK Nordost. Bundesweit sind die Fallzahlen 2017 stark gestiegen.
Angelika Warmuth

Im Kampf gegen Abrechnungsbetrug in der Pflege haben sich die Fallzahlen bundesweit verdoppelt. Entgegen des Trends geht die Zahl der aufgeklärten Delikte im Nordosten aber zurück.

Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen verursacht jährlich hohe Schäden für Krankenkassen und damit auch für die Versicherten. Das Bundeskriminalamt (BKA) verzeichnete 2017 fast 5600 Fälle mit einem Gesamtschaden von rund 120 Millionen Euro. Das sind so viele wie seit fünf Jahren nicht mehr und eine Verdoppelung im Vergleich zum Vorjahr. Die Schadensumme vervierfachte sich im gleichen Zeitraum sogar.

Anders als im Bundestrend kamen die Ermittler im Nordosten aber vergleichsweise wenigen Delikten auf die Schliche. In der aktuellen polizeilichen Kriminalstatistik werden 2017 für Mecklenburg-Vorpommern 36 erfasste Fälle aufgeführt, in Brandenburg sind es 82. In MV ist die Zahl damit im Vergleich zu 2016 leicht gestiegen, in der Mark aber merklich zurückgegangen. Noch deutlicher zeichnet sich dies ab, wenn man auf das Jahr zuvor schaut. 2015 belief sich die Zahl der erfassten Fälle auf 63 in MV und 155 in Brandenburg. Aufgeklärt wurden nahezu alle Fälle, die in der Statistik erfasst sind. Experten gehen aber von einer hohen Dunkelziffer aus.

Großverfahren treibt Fallzahl hoch

Teils treiben auch Großverfahren die Statistik nach oben wie etwa 2017. Das verstärkte Fallaufkommen ist nach BKA-Angaben vor allem auf Berlin zurückzuführen, wo im vergangenen Jahr durch ein Großverfahren über 3000 Fälle erfasst wurden.

Auch die Krankenkassen als Geschädigte der Betrügereien nehmen die Täter zunehmend ins Visier. Dieser starke Anstieg der Fallzahlen sei auch auf die konsequente Verfolgung von Abrechnungsbetrug durch die Krankenkassen zurückzuführen, sagt der Chefjurist bei der AOK Nordost, Peter Wewer. Damit der Abrechnungsbetrug vor allem in der Pflege geahndet werden könne, arbeite die AOK Nordost seit Jahren eng mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Fast zwei Millionen Euro zurückgefordert

Die AOK Nordost forderte nach eigenen Angaben für die Jahre 2016/2017 rund 1,7 Millionen Euro Versichertengelder zurück, die durch Abrechnungsbetrug verloren zu gehen drohten. Um noch konsequenter durchgreifen zu können, wurde eine Task Force „Pflege” gegründet. Im vergangenen Jahr seien „nordostweit 13 Pflegeeinrichtungen noch intensiver untersucht” worden, erläuterte Wewer. Die AOK Nordost ist die Ortskrankenkasse für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Schlagzeilen machten im vergangenen Jahr vor allem Betrügereien durch russischsprachige Pflegedienste in Deutschland. Die russisch-ukrainische Tätergruppe rechnete Leistungen ab, die nur zum Teil oder überhaupt nicht erbracht wurden. Zum Teil waren Ärzte und Patienten in das betrügerische System eingebunden. Die Mediziner attestierten gegen Bestechungsgeld die notwendige Pflegebedürftigkeit, die von den vermeintlichen Patienten ebenfalls gegen Geld nur vorgetäuscht wurde.