Seminar zur Großtierrettung

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Was tun, wenn das Pferd klemmt?

Ein Pferd war erst abgehauen und klemmte sich dann unter einer Leitplanke ein (kleines Bild). Wie man mit solchen und ähnlichen Situationen umgeht, kann man in einem Seminar lernen.
Ein Pferd war erst abgehauen und klemmte sich dann unter einer Leitplanke ein (kleines Bild). Wie man mit solchen und ähnlichen Situationen umgeht, kann man in einem Seminar lernen.
Polizei / www.comcavalo.de

Das Retten von großen Tieren birgt für sie selbst und die Einsatzkräfte immer ein Risiko. Aus diesem Grund gibt es Seminare für Feuerwehrleute, in denen sie spezielle Techniken lernen.

Wie konnte das nur passieren? Zwei Pferde waren bei Wittendörp (Landkreis Ludwigslust-Parchim) ausgebüxt, eines rutschte dabei vermutlich aus und landete mit dem Kopf unter einer Leitplanke. Zum Glück gab es ein Foto von dem Vorfall Mitte Mai, sonst würde man ihn nur schwer glauben.

Aber Pferdebesitzer und auch das Aktionsbündnis Pro Pferd kennen das Problem: „Es gibt kaum eine unmögliche Situation, in die Pferde nicht geraten können”, heißt es auf Notruf Pferd, der Facebookseite des Bündnisses. Auf dieser wird über Notfälle und Ereignisse rund um das Thema Pferd berichtet.

Das Unglückspferd von Wittendörp geriet unter der Leitplanke in Panik. Ein Tierarzt sedierte es, die Feuerwehr befreite das leicht verletzte Tier schließlich. Dies war sicher kein einfacher und vor allem kein ungefährlicher Einsatz für die Feuerwehr. Trotzdem ist alles gut gegangen, keiner der Helfer wurde verletzt.

Seminare zur Großtierrettung

Die Situation war aber so außergewöhnlich, dass ihn der Feuerwehrmann Lutz Hauch als Beispielfall in seine Seminare zur Großtierrettung aufnehmen will. Diese bietet er an, weil es in Deutschland bislang kein flächendeckendes Konzept der Großtierrettung gibt – in anderen Europäischen Ländern ist ein solches bereits Standard.

Hierzulande arbeiten Rettungskräfte aber bei Einsätzen mit großen Tieren wie Pferden, Rindern oder Lamas ohne spezielle Ausbildung. „Nun sind Rettungskräfte wie ich aus eigener Erfahrung als Berufsfeuerwehrmann weiß, gut darin, auch ungewöhnliche Situationen zu meistern. Dennoch setzen sie sich bei Großtiereinsätzen oft einem vermeidbaren Risiko aus”, sagt Hauch und fügt hinzu: „Das angewendete Verfahren ist häufig nicht tierschutzgerecht und führt oft genug zu schwereren Verletzungen, als sich das Tier beim Unfall selbst zugezogen hat.”

Rettung mit purer Muskelkraft

Die Rettung des Pferdes unter der Leitplanke sei unter dem Aspekt der technischen Großtierrettung tatsächlich jedoch gar nicht so anspruchsvoll. Hauch würde den Einsatz eines sogenannten „Rückwärtsassistenten“ empfehlen. Dazu werden spezielle Fädel- und Zugtechniken angewendet.

Mittels einiger einfacher Werkzeuge werden Spezialgurte (keine Feuerwehrschläuche, wie Hauch betont) unter das Pferd gebracht. Das „Fädeln“ erfolgt dann mit Hilfe von Werkzeugen, so dass niemand den Gefahrenbereich des Tieres betreten muss. 90 Prozent aller Rettungen seien so mit Muskelkraft möglich, schätzt der Feuerwehrmann.

Risiko bei der Großtierrettung

Aber: Jeder Einsatz mit Pferden und anderen Großtieren birgt ein besonderes Risiko. Man müsse wissen, wie die Tiere voraussichtlich auf die Stresssituation reagieren. Denn aufgrund von Angst und Schmerzen tun sie das oft unkontrollierbar und extrem schnell. Auch Angriffe sind möglich, wenn die Tiere keinen anderen Ausweg und im eigentlichen Retter eine Gefahr sehen.

Seit gut zwei Jahren macht Lutz Hauch daher Feuerwehren und andere Rettungsorganisationen auf die Anforderungen solcher Einsätze aufmerksam und führt das Sicherheitstraining Großtierrettung als ganztägige Veranstaltung in ganz Deutschland durch. Weitere Informationen dazu finden Sie auf der Internetseite www.comcavalo.de

Bedarf in MV gering

Sebastian Buse, Ansprechpartner für den Brand- und Katastrophenschutz im Landkreis Seenplatte, bestätigt, dass die Großtierrettung hier nicht eigens im Stundenplan der Feuerwehrleute steht. Er hört zum ersten Mal von so einem Angebot. Er muss aber auch ganz genau überlegen, um sich an den letzten Einsatz mit verletzten Kühen oder Pferden zu erinnern. „So etwas kommt sehr selten bei uns vor”, sagt Buse. Im Schnitt seien es ungefähr fünf Großtierrettungen im Jahr.

Natürlich könne man sich immer weiter spezialisieren und in ein Thema vertiefen. Aber aufgrund der angespannten Haushaltssituation in vielen Gemeinden glaube er nicht, dass diese die Mittel etwa für spezielle Gurte bereitstellen würden. In Nordrhein-Westfalen, von wo aus Lutz Hauch die Seminare anbietet, ist das vielleicht anders und auch der Bedarf könnte höher sein.

Unterstützung vom Veterinäramt

Wenn hierzulande große Tiere aus schwierigen Situationen gerettet werden müssten, sei laut Buse außerdem immer jemand vom Veterinäramt dabei. Dieser berät die Einsatzkräfte und nimmt – wenn es denn erforderlich sein sollte – das Einschläfern der Tiere vor. Zudem seien viele Feuerwehrleute in MV selbst in der Landwirtschaft tätig und hätten ausreichend Erfahrung mit Kühen oder Pferden. Sie können daher gut einschätzen, wie diese reagieren.

Grundsätzlich ist der jeweilige Wehrführer für die Ausbildung seiner Kameraden verantwortlich. In der Praxis wird oft auch in Eigenregie entsprechende Fachliteratur zu Rate gezogen.