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Kommentar zum Weltnichtrauchertag

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Manchmal darf es ruhig auch richtig qualmen!

E-Zigaretten statt altmodische Glimmstängel? (Symbolbild)
E-Zigaretten statt altmodische Glimmstängel? (Symbolbild)
Thalia Engel

Am Donnerstag ist Weltnichtrauchertag! Sind neumodische Tabakerhitzer oder E-Zigaretten ein guter Ersatz für Glimmstängel? Unser Kommentator Sirko Salka vermisst das Lebensgefühl.

Die Ernährung umstellen, Sport treiben, weniger Alkohol trinken – was tut man nicht alles für die Gesundheit! Natürlich ging mir und meinem Umfeld auch mein Rauchen irgendwann auf die Ketten. Doch ich schaffte es nie aufzuhören. Bis die E-Zigaretten aufkamen, jene Wunderdampfer.

Dank der sauberen, ja, sterilen Liquid-Stifte bin ich vom Quarzen losgekommen. Mag sein, dass die gesünder sind. Aber ist das noch das gleiche Lebensgefühl? Eine Kippe war immer Risiko, schmutzig, süchtig machend, eben so wie manchmal das Leben. Das ist es, was ich mitunter vermisse.

Übrigens, vor einem Tag stimmte die Landesregierung in MV gegen ein generelles Rauchverbot auf Spielplätzen.

Hintergrund:

Seit genau 30 Jahren ist der 31. Mai Weltnichtrauchertag. Wissenschaftler sehen keinen Grund zum Feiern. „Herkömmliche Zigaretten verursachen allein in Deutschland jährlich rund 120.000 Todesfälle, aber rund ein Viertel der Erwachsenenbevölkerung raucht weiter“, klagt Ute Mons vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg. Doch der Markt hat sich verändert, längst preist die Tabakindustrie E-Zigaretten und Tabakerhitzer als Alternativen an. Wie ungefährlich sind aber die vermeintlichen „Lebensretter“?

Wissenschaftler um David Levy von der Georgetown University in Washington berechneten im vergangenen Jahr in zwei Szenarien, wie sich der Wechsel eines Großteils der Raucher zu E-Zigaretten in den USA auf die Gesundheit auswirken könnte. In einem optimistischen Fall kalkulierte das Team im Fachblatt „Tobacco Control“, dass innerhalb von 10 Jahren 6,6 Millionen vorzeitige Todesfälle vermieden würden. Sogar bei einem pessimistischen Verlauf – in dem E-Zigaretten schädlicher wären als damals bekannt – gab es noch 1,6 Millionen weniger Todesfälle als ohne Umstieg aufs Dampfen.

E-Zigaretten durchaus weniger schädliche Alternative

Also eine gute Nachricht zum Weltnichtrauchertag? Ute Mons sieht solche Prognosen skeptisch. Zwar könne der Umstieg auf E-Zigaretten durchaus eine weniger schädliche Alternative für jene sein, die einen Rauchstopp mit herkömmlichen Methoden nicht schaffen oder wollen. „Bei der Diskussion wird aber der eigentliche Hauptschauplatz oft aus dem Blick verloren. Es muss viel mehr getan werden, um Raucher zu einem Rauchstopp zu motivieren“, sagt die DKFZ-Abteilungsleiterin.

Grundsätzlich, das betonen auch Forscher, fehlen abschließende Analysen zu den Folgen. Für eine eindeutige, verlässliche Bilanz seien E-Zigaretten noch nicht lange genug auf dem Markt, heißt es oft. Viele, die der
E-Zigarette positiv gegenüberstehen, sehen sie als Chance zum Ausstieg aus der Tabakabhängigkeit, um damit
das Gesundheitsrisiko zu reduzieren.

Skeptiker hingegen fürchten, dass zum Beispiel Jugendliche über die oft als „hip“ präsentierte E-Zigarette in den Tabakkonsum einsteigen könnten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht darin ein potenzielles Einfallstor für Nikotinsucht.

Neuer Trend: Tabak nur erhitzen

Die Zigarettenindustrie ist ständig im Wandel – einer der jüngsten Trends heißt Iqos. Dem Hersteller zufolge soll das elektronische Gerät, in das ein Tabakstick gesteckt wird, weniger schädlich sein als eine „klassische“ Zigarette. Als „innovatives Tabakheizsystem, das Tabak erhitzt, ohne ihn zu verbrennen, um Ihnen den Geschmack von Tabak ohne Feuer und Asche zu bieten“, preist der Entwickler das Gerät.

Einrichtungen wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) bestätigen, dass ausgewählte Hauptschadstoffe des Rauchs – darunter krebserzeugende Substanzen – deutlich reduziert sind. Das bedeutet Experten zufolge aber nicht, dass Tabakerhitzer harmlos sind, denn es würden weiterhin krebserzeugende Substanzen aufgenommen.

Man gehe davon aus, dass E-Zigaretten wahrscheinlich deutlich weniger schädlich sind als herkömmliche Zigaretten – und wahrscheinlich auch weniger schädlich als Tabakerhitzer“, sagt Ute Mons.