KUNDEN ANGESCHMIERT

Pleite knallhart - Gutscheine sind passé

Die Insolvenz der Baumarktkette Max Bahr trifft viele Kunden stärker als erwartet. Worauf Sie jetzt achten müssen und was Ihnen blühen kann.
Düster sieht es für Max-Bahr-Kunden aus: Von Kaufverträgen zurückzutreten, könnte problematisch werden.
Düster sieht es für Max-Bahr-Kunden aus: Von Kaufverträgen zurückzutreten, könnte problematisch werden. Federico Gambarini
Neubrandenburg.

Am Eingang zum Max-Bahr-Baumarkt in Neubrandenburg hängt in Hüfthöhe unscheinbar eine Kundeninformation. Im Gegensatz zu den bunten Werbebroschüren der Tochter des angeschlagenen Praktiker-Konzerns ist die brisante Botschaft auf dem Zettel in schlichtem Schwarz gehalten. Die meisten Kunden eilen vorbei und werden erst im Markt auf den Boden der Tatsachen gestoßen, wenn sie Gutscheine einlösen wollen oder nach ihren Anzahlungen fragen.

Alles, was vor dem 25. Juli überwiesen wurde, werde aus „insolvenzrechtlichen Gründen“ nicht berücksichtigt, heißt es klipp und klar auf dem Aushang. Diese Verfahrensweise stößt auf den Protest von Lesern.

„Leider ist das rechtens“, bedauert Horst Frank von der Verbraucherzentrale MV in Neubrandenburg. Es liege in der Entscheidungshoheit des Insolvenzverwalters, schon vor der Eröffnung des eigentlichen Verfahrens das so zu beschließen. Trotzdem sei anzuraten, in der Filiale die Einlösung des Gutscheins einzufordern und seine Ansprüche beim Insolvenzverwalter geltend zu machen. Diese Möglichkeit wird der Kundschaft per Aushang direkt in der Filiale eingeräumt.

Nur geringe Chance, Geld zurück zu bekommen

Bei Gutscheinen gelte wie bei Anzahlungen: Die Summen würden Teil der Insolvenzmasse. „Betroffene habe letztlich nur eine geringe Chance, einen sehr kleinen Teil ihres Geldes zurück zu bekommen“, so der Verbraucherschützer. Zum Insolvenzverwalter für die über einen längeren Zeitraum bestehenden Max-Bahr-Märkte, darunter Neubrandenburg, wurde der Hamburger Rechtsanwalt Jens-Sören Schröder bestellt.

Auf keinen Fall mehr per Vorkasse zahlen

Klar sei, dass Rechnungssummen und Raten für erhaltene Waren geleistet werden müssten. Auf keinen Fall solle per Vorkasse gezahlt werden. Es könne aber vorkommen, dass sich die Bankverbindung ändere, so Frank. Darüber informiere gegebenenfalls der Insolvenzverwalter. „Kunden sollten aber die Echtheit der Angaben überprüfen, bevor sie das Geld überweisen“, rät er. Gerade bei Pleiten versuchten schwarze Schafe, möglichst leicht an Geld zu kommen.

Defekte Waren werden nicht zurückgenommen

Problematisch könne der Versuch werden, von bereits geschlossenen Kaufverträgen zurückzutreten.Denkbar sei dann, dass der Insolvenzverwalter auf Schadensersatz bestehe. Hier wartet auf die Kunden ein Fallstrick, wenn Bohrmaschine oder Rasenmäher innerhalb der Gewährleistungsfrist denGeist aufgeben. Auch hier nutzt der Insolvenzverwalter seinen Entscheidungsspielraum aus: „Defekte Waren können nicht entgegengenommen werden.“

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