60 JAHRE VERHEIRATET

Wie ein Schneeball zum schicksalhaften Treffer wurde

1959 traf ein von einer jungen Frau geworfener Schneeball direkt Ulrich Hasenleders Kopf – der Anfang einer Liebe, die das ganze Leben halten sollte. Doch eine Hürde musste das Paar vor der Hochzeit nehmen.
Das Haus in Meesiger, vor dem die Jubilare hier stehen, spielt eine wichtige Rolle in Giesela und Ulrich Hasenleders Liebesgeschichte.
Das Haus in Meesiger, vor dem die Jubilare hier stehen, spielt eine wichtige Rolle in Giesela und Ulrich Hasenleders Liebesgeschichte. Christine Gerhard
Meesiger.

Stolz sieht Ulrich Hasenleder seine Frau an, die auf der überdachten Veranda neben ihm sitzt. „Ich habe die Richtige getroffen“, sagt der 83-Jährige. Dabei war eigentlich sie es, die ihn getroffen hat – im Januar 1959 mit einem Schneeball.

Giesela und Ulrich Hasenleder aus Meesiger, die heute 60 Jahre verheiratet sind, lernten sich auf einer Hochzeit kennen – allerdings nicht so, wie sich Paare üblicherweise auf Hochzeiten kennenlernen. Denn Giesela, damals bei einem Bauern in Sommersdorf in Stellung, war überhaupt nicht eingeladen. Die Feier im Dorf schaute sie sich, im Schnee stehend, durch das Fenster hindurch an. „Wie man das damals so machte“, fügt die 78-Jährige hinzu.

Schneeball fliegt durchs Fenster

Drinnen tanzte Ulrich Hasenleder, bis ein Schneeball durch das geöffnete Fenster hineinflog und ihn traf. Er rannte hinaus und lieferte sich eine Schneeballschlacht mit der jungen Frau. Sie hatte gut getroffen. „Ich dachte, der reicht mir für den Abend“, sagt sie. „Und dann sind 60 Jahre daraus geworden.“

Und das, obwohl Ulrich Hasenleder „gegen drei Fronten“ kämpfen musste, um seine Giesela für sich zu gewinnen. „Ihre äußere Erscheinung und ihre sympathische Ausstrahlung ließen mich nicht mehr los“, erzählt er, und dann kam sie noch aus der Landwirtschaft, ein Interesse, das sie beide verband. Doch es gab ein Problem: Sie war evangelisch, er katholisch. Der Pastor weigerte sich zunächst, das Paar zu trauen, doch Ulrich Hasenleder war fest entschlossen. Mit 21 Jahren hatte er ein Haus für Giesela und sich und die zukünftige Familie gekauft, entgegen der Bedenken seiner Schwester und Mutter. Als er dem Pastor davon erzählte, schwenkte der um. Die Mutter zu überzeugen, dauerte etwas länger: Zu der Hochzeit, zwei Wochen vor der Geburt der ersten Tochter, kam sie nicht.

Wichtiger Zusammenhalt in der Familie

Bald jedoch wurden Giesela Hasenleder und ihre Schwiegermutter „ein Herz und eine Seele“, wie Ulrich Hasenleder sagt. Bei Kaffee und Streuselschnecken aus dem Konsum lernten sie sich bald besser kennen und achten. Giesela konnte ihrer Schwiegermutter stundenlang zuhören, wenn sie von ihrem Dorf in Hinterpommern erzählte, aus dem sie geflüchtet war. „Sie waren zu siebt auf der Flucht“, sagt sie, „vor dem, was sie geleistet hat, kann man den Hut ziehen.“ 34 Jahre lang lebte Ulrich Hasenleders Mutter bei der Familie und passte auch auf die Kinder auf, wenn das Ehepaar einmal ins Kino gehen wollte.

Giesela Hasenleders zielsicherem Schneeball sind bis heute sechs Enkel und sieben Urenkel zu verdanken, der achte ist unterwegs. Die beiden hoffen, gesund zu bleiben, um die Hochzeit des ältesten Urenkels mitzuerleben. Der Zusammenhalt in der Familie ist den Hasenleders wichtig. Auf ihre drei Kinder können sie sich immer verlassen, auf den Sohn in Meesiger, der auf dem Hof mithilft, aber auch auf die Töchter in Niedersachsen. „Wenn es uns gesundheitlich nicht so gut geht, sind sie zur Stelle“, sagt Giesela Hasenleder. „Dann fahren sie zeitig los und sind zum Frühstück da.“ Sie freue sich immer darauf, „wenn wir alle im Kreis sitzen.“

Auch zwischen den Besuchen der Familie ist auf dem Grundstück von Ulrich und Giesela Hasenleder viel Leben. Ulrich Hasenleder züchtet seit Jahrzehnten Tauben, Hühner und Schafe, war der älteste Aussteller auf der Landwirtschaftsausstellung MeLa. Die Leidenschaft seiner Frau ist der Garten. „Stille Tage und Wochen gab es bei uns nicht“, erzählt er. „Wir unterstützen uns gegenseitig. Ohne meine Frau hätte ich das alles nicht erreicht. Ich muss sie immer neben mir haben.“

 

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