MILLIONEN-PROJEKT

Schloss-Besitzer in Broock einigen sich mit Denkmalschutz

Die Besitzer der Gutsanlage Broock wollen den Ort in die Zeit des Zweiten Weltkriegs zurückversetzen. Allerdings nur, was die Fassade des alles dominierenden Schlosses dort angeht. So jedenfalls lautet der Fahrplan nach den detailreichen Absprachen mit dem Denkmalschutz.
So sieht der Entwurf für die neue alte Fassadengestaltung des Broocker Schlosses zur Hofseite hin aus. Er beinhaltet auch
So sieht der Entwurf für die neue alte Fassadengestaltung des Broocker Schlosses zur Hofseite hin aus. Er beinhaltet auch die Wiederherstellung der hinter einer gleichmäßig hohen Brüstung ansteigenden Auffahrt zum Haupteingang. Schloss Broock GmbH & Co. KG
Eine Art Maisonette-Lösung: Für das Dachgeschoss der Seitenflügel wurde eine neue offene Bauweise konzipiert, d
Eine Art Maisonette-Lösung: Für das Dachgeschoss der Seitenflügel wurde eine neue offene Bauweise konzipiert, die den alten Dachstuhl erlebbar lassen. Schloss Broock GmbH & Co. KG
Zwar wurden die alten Dachziegel geborgen und fein säuberlich gestapelt. Doch nicht zuletzt wegen ihrer Teeranhaftungen f
Zwar wurden die alten Dachziegel geborgen und fein säuberlich gestapelt. Doch nicht zuletzt wegen ihrer Teeranhaftungen finden sie keine Wiederverwendung in Broock. Stefan Hoeft
Broock.

Während in der Broocker Schlossruine gerade an den neuen Geschossdecken gewerkelt wird, um dem Gemäuer die nötige Stabilität für die erfolgreiche Notsicherung zu geben, sind die Planer längst viele Schritte weiter. Schließlich soll sich das markante einst herrschaftliche Gebäude in den nächsten Jahren einerseits zwar mit gewaltigem finanziellen Aufwand (derzeitige Kalkulation zirka 38-40 Millionen) zum Mittelpunkt eines neuen modernen Kultur- und Tagungszentrums entwickeln, aber andererseits trotzdem möglichst viel von seinem historischen Charakter behalten. Dazu zählen einige Kniffe, um das Aussehen zu erhalten, aber auch unerwartet aufwändigere Vorgehensweisen, heißt es nach der Einigung sowohl mit der Unteren Denkmalschutzbehörde des Landkreises als auch dem Landesdenkmalamt.

Ursprüngliche Optik wird nicht wiederhergestellt

Wobei deren Experten nicht die bis ins 18. Jahrhundert verortete ursprüngliche Version des Schlosses im Blick haben. Sondern seine Gestalt nach 1850, als das Herrenhaus nach Entwürfen des Berliner Architekten Friedrich August Stüler im neogotischen Stil umgebaut worden war und sich so rund hundert Jahre lang präsentierte – bis Plünderung, Umnutzung, Leerzug und Zerfall folgten. „Es besteht Konsens, dass sich die Außenhaut weitgehend historisch rekonstruiert zeigen wird“, berichtet Projektleiter Schmidt. „So wie das Haus bis 1945 dort stand.“

Das beinhalte die Wiederherstellung der hinter einer gleichmäßig hohen Brüstung ansteigenden Auffahrt zum Haupteingang ebenso wie die Wiederbelebung von Gartenterrasse, Seitentreppe und Wintergarten. Nur an wenigen Stellen und bei kleinen Dingen werde es Abweichungen geben, weil es einerseits keine Originalvorlagen mehr gibt und/oder es die heutigen baulichen Anforderungen verlangten. „Aber wir haben auch da Lösungen ausgemacht, die das alte Erscheinungsbild aufnehmen und dessen Elemente weiter sichtbar werden lassen, sodass das Gesamtbild nicht durchbrochen wird“, so Schmidt. Gleiches gilt für die im ersten Dachgeschoss konzipierten kleinen Außenbalkons der Gästezimmer. Sie würden sich sozusagen hinter den Zinnen verstecken, wo sich früher bereits der Laufgang für die Entwässerung befand, und blieben dadurch von unten und den Seiten unsichtbar.

Im Innenbereich dieser Etage mussten Monika und Stefan Klinkenberg als Eigentümer derweil einige der alten Vorstellungen über den Haufen werfen. „Ursprünglich war ja genehmigt und abgesprochen, dass wir das komplette Dach abnehmen“, erinnert ihr Koordinator vor Ort. Doch nach der erfolgreichen Einbindung der Reste des barocken Dachstuhls in das Notdach, das dafür sorgt, dass trocken und sicher im Inneren weiter gemacht werden kann, drängte sich eine andere Vorgehensweise auf, so Schmidt. Wie man diesen beeindruckenden Dachstuhl möglichst doch in das Gesamtkonzept integrieren kann, ohne das gesamte Projekt zu gefährden.

Alten Dachstuhl erlebbar machen

Immerhin rechneten die Investoren dort oben bisher mit zwei Vollgeschossen, die aufgrund des Neubaus völlig problemlos für ihre Nutzungsideen hergerichtet werden hätten können. Ein teilweiser Erhalt der ursprünglichen Holzverbindungen hingegen stellte die Architekten vor neue Herausforderungen, verbunden mit so manchem Kompromiss und wohl auch so einigen Kosten. Doch letztlich einigten sich die Besitzer auch hier mit dem Denkmalschutz.

„Wir können sagen, es gibt da eine sehr spannende Lösung, die die beeindruckenden Schornsteinzüge und den alten Dachstuhl erlebbar bleiben lassen“, verspricht der Projektleiter. Besagte Rauchabzüge und das noch intakte Gebälk um sie herum sollen demnach in einer Art langen offenen Halle in der Mitte der Seitenflügel die Blicke auf sich ziehen. Und von diesem großen „Flur“ aus erfolgt dann der Zugang zu den hier oben angedachten Zimmern. Die zweite Etage erreichbar über mehrere kleine Stichtreppen. „Das wird so etwas wie eine Maisonette-Lösung.“

Schwamm und Schädlinge im Holz

Ansonsten indes bleibt so gut wie nichts von dem im Schloss verbauten Holz übrig, erläutert er, abgesehen von einer einzigen historischen Vollholz-Zimmerdecke und einem kleinen Holzgewölbe mit Bemalung aus der Stüler-Zeit. Der massive Befall mit echtem Hausschwamm, Holzfäule und Holzschädlingen macht ein Herausnehmen des Materials und das anschließende Ausmauern der Lücken unabdingbar. Das reiche vom kleinen Holzdübel bis hin zu den Fensterstürzen. „Ein enormer Aufwand“, berichtet Schmidt. Wobei angesichts der Zerstörungen in den vergangenen Jahrzehnten ansonsten ja ohnehin kaum noch etwas von der ursprünglichen Innengestaltung zeugt.

 

Stadt. Land. Klassik! - Konzert in Broock

Kommende Events in Broock (Anzeige)

zur Homepage