Vorfall in Demmin
Nach Übergriff auf syrische Familie haben Nachbarn Fragen

Die Werbung steckt, auf den unteren Klingeln fehlt der Name: Die syrische Familie zog einen Tag nach dem Übergriff aus der Wohnung in der Rosestraße aus. 
Die Werbung steckt, auf den unteren Klingeln fehlt der Name: Die syrische Familie zog einen Tag nach dem Übergriff aus der Wohnung in der Rosestraße aus.
Denny Kleindienst

Nach dem nächtlichen Übergriff auf eine syrische Familie in Demmin haben die dort lebenden Nachbarn mit dem Nordkurier gesprochen. Sie berichten von üblem Geruch, einem Zolleinsatz und anderen Beobachtungen, für die sie gern eine Erklärung hätten.

Es besteht Redebedarf. Deshalb haben sich an diesem Abend mehrere Nachbarn in einem Wohnzimmer in der Rosestraße zusammengefunden, um mit dem Nordkurier zu reden. Ihre Namen wollen sie nicht nennen. Sie alle wohnen aber in unmittelbarer Nähe zur Hausnummer 37. Der Übergriff von Anfang September auf die dort lebende syrische Familie ist schon eine Weile her, genau wie die Kundgebung gegen Fremdenhass, die es als Reaktion auf den Vorfall auf dem Luisenplatz gab.

Zur Erinnerung: Anfang September haben zwei Männer laut Polizeiangaben nach Mitternacht gegen die Tür und die Fenster der Erdgeschosswohnung geschlagen und laut gerufen. Als sich dann ein Fenster öffnete, ist der darunterliegende 13-jährige Junge an der Schulter gepackt worden. Die Mutter hat den Mann zurückgedrängt und das Fenster geschlossen. Der Junge und seine Schwester wurden im Krankenhaus ambulant behandelt. Die Polizei sprach zunächst von einem fremdenfeindlichen Übergriff und schränkte diese Aussage nach nochmaliger Befragung der Familie ein: „Ein ausländerfeindlicher Hintergrund ist nicht auszuschließen.“

Nachbarn wundern sich über nächtliche Vorgänge

Unter den Nachbarn gibt es ein Ehepaar, das den Vorfall mitbekommen hat. „Ich habe irgendetwas knallen gehört“, sagt die Frau. Geschreie war zu hören, Kinder, die geweint haben, und dann auch die Mutter. Als das Ehepaar noch überlegte, die Polizei zu rufen, kam sie auch schon.

Der syrische Vermieter Osama Najm, der als Arzt in Greifswald tätig ist, hatte sich gegenüber dem Nordkurier erschrocken über Tat gezeigt und gesagt, er unterstütze viele Ausländer. Es ist dieser Satz, an dem sich die Nachbarn stören. Denn sie wüssten gern, was in seinen Häusern in der Rosestraße 37 und 35 vor sich ging. Der Übergriff lässt die Nachbarn wieder an Ungereimtheiten aus der Vergangenheit denken.

Sie erzählen von einem zunächst guten Verhältnis und von ersten kleineren Streitigkeiten, als Najm mit dem Ausbau der Häuser begann. Sie berichten, dass es danach eine hohe Mieter-Fluktuation in den Häusern gab. Anfang 2017 seien abends dann ständig Leute da gewesen, jede zweite Nacht sei irgendetwas geliefert worden, immer wieder seien Autos mit fremden Nummernschildern vorgefahren. Später war nur noch die Nummer 37 bewohnt.

Als ihn aber eine Baufirma ansprach, die den Auftrag hatte, die Nummer 35 umzubauen, stand dort noch ein Feldbett und es gab zwei Schlafstellen auf dem Fußboden, erzählt ein Nachbar. Er sagt: „Wie die gehaust haben. Nur Müll und Brüll.“ Er war dabei, als die Baufirma dann Osama Najm anrief, der sagte, es könne nicht sein, dass dort jemand wohnt.

Es fing an komisch zu riechen

Dann erzählen alle Nachbarn davon, wie es anfing, komisch zu riechen. Wie es irgendwann so gestunken hat, dass sie ihre Fenster nicht mehr aufmachen konnten und im Garten keine Wäsche mehr aufgehangen haben. An einem Freitag stand dann die Haustür der Nummer 35 auf, bis zum Abend. Ein Nachbar rief die Polizei und erzählt, dass sie erst ins Haus gegangen ist und dann die Haustür zugeschraubt hat. Mehrmals sei die Tür in den Tagen danach wieder geöffnet worden. Obwohl das Haus leer sein sollte, hörte der Nachbar, dass jemand drinnen herumlief.

Als er daraufhin schließlich selbst im Haus war, entdeckte er ein großes Ceranfeld auf dem Boden, in Lehm eingelegt. Der Schuppen sei derweil voll von Glycerin-Kanistern gewesen. Irgendwann stand dann der Zoll vor der Tür und hat das Haus durchsucht. Die Nachbarn erzählen all das quasi zusammen. Jeder bringt ein weiteres Detail ein, der eine mehr, der andere weniger. Eine Nachbarin sagt schließlich: „Wir wissen nicht, was los ist. Wir wurden nie aufgeklärt.“

Zoll und Polizei finden nichts

Inzwischen hat Matthias Klotsch, Pressesprecher beim Hauptzollamt Stralsund, auf Nordkurier-Nachfrage mitgeteilt: „Die Kollegen wissen nichts.“ Es liege jedenfalls nichts vor zum Zolleinsatz in der Rosestraße. Wenn Polizeisprecherin Diana Mehlberg aufzählt, welche Vorkommnisse es in der Rosestraße 35 und 37 gab, dann deckt sich das zunächst einmal mit dem, was die Nachbarn berichten. Mehlberg bestätigt etwa, dass mehrmals die Tür wieder aufgebrochen wurde, dass immer mal wieder Leute in dem leer stehenden Haus gewesen sein sollen. Zu jedem dieser Einsätze sagt sie aber in etwa den gleichen Satz: „Das war kein richtiger Einsatz.“ Es sei dort schlicht „nichts“ gewesen.

Und was sagt Osama Najm? Der nicht in Demmin lebende Vermieter erklärt, dass er der syrischen Familie erlaubte, das Nachbarhaus als Lager zu nutzen. Er sagt, die Polizei habe immer nachsehen können, wenn sie ins Haus wollte, er habe das immer erlaubt. Er sagt, dass der Vater dort seinen Tabak gekocht hat. Und dass die Polizei und der Zoll nichts Strafbares finden konnten.

Kommentare (1)

im Essen mitkochen?! Die Araber habe schon sehr seltsame Angewohnheiten.