Wassersport
Härtere Vorschriften für Boote auf der Peene kosten viel Geld

Wer mit einem Leihkajak auf dem Kummerower See oder der Peene paddeln will, braucht dafür ein registriertes Boot – ein Nachteil für die Charterfirmen.
Wer mit einem Leihkajak auf dem Kummerower See oder der Peene paddeln will, braucht dafür ein registriertes Boot – ein Nachteil für die Charterfirmen.
Denny Kleindienst

Über Wettbewerbsverzerrung auf dem Wasser klagen Touristiker wie die Anklamer Kanustation – wegen unterschiedlicher Bestimmungen auf Peene und kleineren Flüssen.

Wenn Antje Enke Kanus auf kleineren Flüssen wie der Tollense oder Uecker sieht, dann könnte sie sich manchmal wundern. Denn wer immer auf diesen Gewässern Paddelboote vermietet, ist besser dran als alle Kollegen auf den Bundeswasserstraßen. Antje Enke weiß das. Ihr Mann betreibt die Anklamer Kanustation.

Die liegt an der Peene, und damit an einer Bundeswasserstraße. Das klingt zwar gut, hat für die Vermieter aber einige kostenträchtige Nachteile. Denn auf der Bundeswasserstraße gelten andere Regeln als auf den nachgeordneten Landesgewässern. Jedes auch noch so kleine Kanu müsse man dort registrieren lassen, dafür brauche jeder Anbieter ein Bootszeugnis und müsse bestimmte Sicherheitsstandards einhalten, sagt Antje Enke.

Zusammengesparte Wasserschutzpolizei kann nur schwer kontrollieren

Unter dem Strich schätzt sie die Mehrkosten je Paddelboot auf etwa 40 Euro im Jahr, die Anbieter eigentlich auf die Miete umlegen müssten. Nur geht das nicht so einfach. „Wir bewegen uns in einem freien Markt“, sagt sie. Anders ausgedrückt heißt das: Liegen die Preise an der Peene höher als die der Konkurrenz an benachbarten Flüssen, gingen womöglich viele Interessenten zu anderen Anbietern. Zwar müssten auch die Betriebe an den kleineren Gewässern die Bundesbestimmungen einhalten, sobald ihre Boote auf die Peene gleiten, doch das ist für die zusammengesparte Wasserschutzpolizei nur schwer zu kontrollieren

Noch schwieriger wird es mit zunehmender Größe der Wassergefährte. „Mehr als zwölf Leute auf einem Schiff zu transportieren, geht auf der Peene nicht so einfach wie zum Beispiel auf der Uecker“, bemängelt Antje Enke. Das schlägt beispielsweise bei Flößen zu Buche, die bis zu 30 Personen tragen können. Auf der Uecker stelle mancher nur ein paar Bänke auf einen Ponton, ärgert sich Antje Enke über die unterschiedlichen Bestimmungen und versteht nicht recht, was das soll. „Auf der Uecker kann man genauso ertrinken wie auf der Peene.“

Regeln sollen Gefahren vermeiden

Anbieter wie die Anklamer halten die unterschiedlichen Bestimmungen denn auch für Wettbewerbsverzerrung und finden behördlicherseits durchaus Verständnis. „Das wäre in der Tat ein Nachteil“, gibt der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund, Holger Brydda, unumwunden zu. Allerdings weiß er nicht genau, ob die Angaben alle stimmen. „Um die kleineren Flüsse habe ich mich noch nie gekümmert“, sagt er. „Ich kann da aber auch keinen Einfluss nehmen, weil es Landesgewässer sind.“

Tollense, Trebel oder Uecker fallen nicht in Bryddas Zuständigkeit. Er ist in seinem Bereich für die Binnen- und Seeschifffahrtsstraßen des Bundes verantwortlich. Auf ihnen gelten die Sportbootverordnungen Binnen und See. Sie legen laut Brydda fest, was Anbieter zu tun haben, damit die Nutzer sich vermeidbaren Gefahren gar nicht erst aussetzen. Eine Einweisung gehöre genauso dazu wie die Ausstattung etwa mit Rettungswesten. „Das Bundesverkehrsministerium sieht sich nicht in der Lage, das zu lockern.“

Führerscheinfreiheit für Touristen

Lockerungen gab es bisher an anderer Stelle, beispielsweise bei der Führerscheinpflicht. Sie wurde auch auf der Peene im Rahmen eines Pilotprojektes getestet. Daraus sei inzwischen eine Art Dauerzustand geworden, sagt Holger Brydda und findet das richtig. Bei dem wenigen Verkehr auf der Peene, die noch nicht einmal Schleusen und nur an wenigen Stellen Seezeichen hat, reiche die Einweisung zu Beginn eines Törns für ein sicheres Fahren aus.

So mancher Vercharterer zwischen Malchin und Ostsee dürfte ihm da zustimmen. Die Führerscheinfreiheit war eine alte Forderung der Branche, um mehr Touristen aufs Wasser locken zu können. Auch Antje und Carsten Enke halten das für einen Schritt in die richtige Richtung. „Aber jetzt müsste man auch die übrigen Verordnungen einmal überprüfen.“