KREISJUGENDRING MECKLENBURGISCHE SEENPLATTE

Demminer Jugendarbeit durch Skandal gefährdet?

Die Stadt hat sich im Dezember dazu bereit erklärt, die Arbeit des Kreisjugendrings 2020 zu unterstützen. Ein damaliges Vorstandsmitglied soll aber zur selben Zeit Geld aus der Vereinskasse unterschlagen haben. Ein Vorfall, dessen Auswirkungen vor allem bei der AfD Fragezeichen aufwirft.
Wibke Seifarth und Michael Steiger vom Kreisjugendring Mecklenburgische Seenplatte e.V. wollen die Jugendarbeit in Demmin trot
Wibke Seifarth und Michael Steiger vom Kreisjugendring Mecklenburgische Seenplatte e.V. wollen die Jugendarbeit in Demmin trotz des Skandals fortführen. Denny Kleindienst
Seenplatte.

Die offene Jugendarbeit hat in vielen Städten und Gemeinden keinen allzu großen Stellenwert. Wenn gespart werden muss, dann wird in diesem Bereich oft zuerst die Förderung gestrichen. In Demmin ist das allerdings anders. So hatten sich die Mitglieder im Ausschuss für Schulen, Soziales und Kultur Ende des vergangenen Jahres mehrheitlich dafür entschieden, die wichtige Tätigkeit des Kreisjugendrings Mecklenburgische Seenplatte e.V. (KJR) mit 2650 Euro zu unterstützen. Ohne diese Finanzspritze hätte der Verein die 2019 erfolgreich angelaufene Projektarbeit in der Hansestadt wohl kaum fortsetzen können.

Doch Anfang der Woche wurde ein Vorfall bekannt, mit dem wohl weder die Stadtvertreter noch die Mitarbeiter vom KJR gerechnet hätten: Ein Vorstandsmitglied des Vereins soll um die Weihnachtszeit 10 000 Euro unterschlagen haben. Wie Kreisjugendring-Leiter Michael Steiger dem Nordkurier mitteilte, ist der Verdächtige bereits aus dem Verein ausgeschlossen worden. Nun ermittelt die Polizei in dem Fall. Vonseiten des Vereins seien zudem bereits Vorkehrungen getroffen worden, damit sich so etwas nicht noch einmal wiederholt.

AfD kritisiert „immense Finanzspritzen“

Die Mitglieder der AfD-Kreistagsfraktion zeigten sich hingegen wenig verwundert über den Vorwurf der Veruntreuung, wie sie in einer Mitteilung am Dienstag deutlich machten. Die Fraktion habe das „Geschäftsgebaren“ des Kreisjugendrings schon seit längerer Zeit „kritisch“ beobachtet. Der Verein würde regelmäßig immense Finanzspritzen aus dem Kreishaushalt fordern, die keinesfalls gerechtfertigt seien, hieß es. Die Fraktionsmitglieder forderten daher eine „lückenlose Aufklärung“ des Vorfalls, bevor der Kreisjugendring weitere Zahlungen bekommt.

Auch Anne Siemonsmeier von der städtischen AfD stellte noch am selben Abend eine schriftliche Anfrage an Bürgermeister Michael Koch. Denn ihrer Fraktion läge viel daran zu erfahren, ob auch Gelder veruntreut wurden, die die Stadt dem Verein bereits zur Verfügung gestellt hat und wie sich der Vorfall auf die Arbeit mit den Jugendlichen in Demmin auswirkt, heißt es in dem Brief, der dem Nordkurier vorliegt. Als Mitglied im Sozialausschuss stand Siemonsmeier der Förderung des Kreisjugendrings bereits von Anfang an ablehnend gegenüber. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass Wibke Seifarth, die in Demmin die Projektarbeit betreut, ihr gegenüber in der Vergangenheit mehrfach deutlich machte, dass der Verein mit Parteien, deren Angehörige rechtspopulistische Positionen vertreten, nicht zusammenarbeiten möchte.

Zwischenbilanz angefordert

Wie Michael Koch auf Nordkurier-Anfrage mitteilte, sei das Geld nach Beschluss des Haushaltes 2020 durch die Stadtvertretung komplett an den Antragsteller ausgereicht worden. „In einem Begleitschreiben haben wir darauf hingewiesen, dass für den Nachweis der Mittelverwendung entsprechende Abrechnungsunterlagen sowie eine Erklärung über den Einsatz der Mittel abzugeben sind. Da die Projektlaufzeit noch nicht beendet ist, liegen uns derzeit aber noch keine schriftlichen Nachweise dazu vor“, betonte der Bürgermeister. Die Vertreter des Kreisjugendrings seien von ihm aus gegebenem Anlass aber bereits dazu aufgefordert worden, eine Zwischeninformation zu liefern.

Keine Ausfälle

Wie Wibke Seifarth versicherte, würde der unschöne Vorfall im Verein keinesfalls dazu führen, dass laufende oder geplante Projekte entfallen müssen. „Wenn uns derzeit ein wenig in der Arbeit einschränkt, dann sind es die Auswirkungen der Corona-Pandemie“, so die Frau vom KJR. In den vergangenen Wochen hätte sie sich daher mit den Jugendlichen überwiegend per Videochat verständigt. Alle Workshops und Kundgebungen, die der Verein eigentlich rund um den 8. Mai geplant hatte, mussten abgesagt werden. Dennoch waren die jungen Leute nicht untätig. „Wir hatten dazu aufgerufen, dass sie uns ihre Botschaften und Wünsche zum 75. Jahrestag von Kriegsende und Befreiung schicken. Davon wurden die besten Sprüche auf Plakate gedruckt, die momentan noch überall in der Stadt zu sehen sind“, sagte Wibke Seifarth.

Auch das Vorhaben, in Demmin ein Jugendcafé zu schaffen, in dem sich die Jugendlichen einmal pro Woche treffen können, sei noch nicht vom Tisch. Auf ein Ferienprogramm im Sommer müssen die Jugendlichen allerdings aufgrund der aktuellen Situation verzichten. „Das wird wahrscheinlich erst wieder im Herbst möglich sein.“ Bis dahin will sich der Verein gemeinsam mit den jungen Leuten auf die „Demokratiewerkstatt“ am 3. November im Goethe-Gymnasium vorbereiten.

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Kommentare (1)

Wie aus dem Artikel oben hervorgeht, machen die Funktionäre aus ihrer politischen Agenda keinen Hehl. Als weiterer Beleg mögen die bereits vom KJR geförderten Veranstaltungen dienen, welche keinen Nutzen für Allgemeinheit darstellen. Politische Indoktrination als Jugendarbeit zu tarnen und das Ganze auch noch aus öffentlichen Geldern zu bestreiten, wirkt nicht gerade überzeugend. Vielleicht sollte sich der Verein einfach an die Obrigkeit in Schwerin wenden, um mit einer zusätzlichen Dotation bedacht zu werden.