PROTEST-SPAZIERGANG

Demminer Bürgermeister fordert mehr Rücksicht bei Corona-Demo

Beim letzten „Abendspaziergang“ in Demmin kündigten die Demonstranten gegen die Corona-Schutzmaßnahmen an: Wir kommen wieder! Ob sie Kritik an ihrem Verhalten interessiert?
Sie leugnen die Gefahr durch das Coronavirus und ignorieren jegliche angeordneten Vorsichtsmaßnahmen gegen dessen Ausbre
Sie leugnen die Gefahr durch das Coronavirus und ignorieren jegliche angeordneten Vorsichtsmaßnahmen gegen dessen Ausbreitung: Reichsbürger Stefan W. – ehemaliger Verkehrsminister des „Freistaat Preußen“ – führte die Demo gegen die Einschränkungen aufgrund der Corona-Pandemie durch Demmin. Kai Horstmann
Demmin.

Am Montagabend werden sie sich wohl wieder auf dem Demminer Marktplatz versammeln, die Kritiker der Corona-Schutzmaßnahmen. Zumindest wurde das auf ihrem letzten Spaziergang durch die Hansestadt angekündigt. Nicht nur, dass sich zahlreiche Personen aus der rechten Szene an der Demo beteiligten, sie gar anführten, ist dem Bürgermeister Dr. Michael Koch (CDU) unangenehm aufgestoßen. Niemand trug eine Schutzmaske, Abstandsregel war für alle ein Fremdwort. Da stellt sich die Frage, ob es jedem Demonstranten wirklich um die Corona-Pandemie geht.

Völlig inakzeptabel fand Koch die Aussagen mancher Demo-Teilnehmer. „Das schlimmste ist das Halbwissen. So auch die Forderung nach Lebensrecht für Viren. Ich denke mir, dass das Überlebensrecht eines Menschen gegenüber dem eines Virus wesentlich höher einzuschätzen ist“, kritisiert Michael Koch.

Bürgermeister arbeitete 28 Jahre im Krankenhaus

Der Bürgermeister behauptet selber von sich, kein Experte zu sein, wenn es um den Infektionsschutz geht, obwohl er zuvor 28 Jahre im Demminer Krankenhaus sogar als Abteilungsleiter der Bio-Medizin-Technik gearbeitet hatte und dabei einiges sehen musste, was bakterielle oder virusbedingte Infektionen an Gesundheitsschäden hervorrufen können. Er hebt hervor, dass fast alle Maßnahmen von Bund, Land oder dem Landkreis beschlossen werden. Vielmehr ist die Stadt im Grunde nur ausführendes Organ. „Solange bestimmte Maßnahmen nicht richtig erklärt werden, sind Demonstrationen berechtigt und akzeptabel“, zeigt sich Michael Koch verständnisvoll.

Doch mit dem Erklären ist das so eine Sache. Beim Demminer Rathaus gibt es kaum Anfragen, weil die Bürger sich meist gleich an den Landkreis wenden. Zudem informieren die meisten Bürger sich über die Medien. „Wir sind jedenfalls bemüht, alle Fragen zu klären. So kommen am Dienstag Vertreter von Sportvereinen, wobei besprochen werden soll, wie es mit Sport in Innenräumen weitergeht“, sagt Michael Koch.

Das Hauptproblem in der Corona-Pandemie liegt in der Wirtschaft, dass weiß auch der Bürgermeister. Aus Sicht der Hansestadt sind das aber nicht irgendwelche Großkonzerne, sondern der Mittelstand in Demmin und in der Umgebung. Hier hebt Koch hervor, dass die Existenzängste trotz milliardenschwerer Corona-Hilfen von Bund und Land nicht von der Hand zu weisen sind. Er weist darauf hin, dass die Gewerbesteuer gestundet oder deren Höhe gar angepasst werden kann. „Von der Stadt Demmin werden weiter Aufträge vergeben und unsere Investitionsliste wird abgearbeitet, um unsere Wirtschaft weiter zu unterstützen“, verspricht Michael Koch. Es gebe aber nicht nur negative Signale. Viele Gewerbetreibende hätten Verständnis für die Corona-Schutzmaßnahmen und würden auf diese Pandemie entsprechend reagieren.

Bloß keine zweite Corona-Welle!

In der Tat hofft der Demminer Bürgermeister, dass sich durch die Corona-Hilfen die lokale Wirtschaft wieder erholt. Eigene Sonderprogramme der Hansestadt sind dabei nicht geplant. Vielmehr steht für Koch im Vordergrund, keine zweite Corona-Welle zuzulassen. Deshalb sieht er auch den Infektionsschutz als nicht übertrieben an. Wenn am Montag wiederholt eine Demo gegen die Corona-Maßnahmen stattfinden sollte, wünscht sich Michael Koch, dass die Teilnehmer die Abstandsregeln einhalten und einen Mundschutz tragen. Vielmehr sollten alle verantwortungsvoll miteinander umgehen. „Zudem hoffe ich, dass die Demonstranten dieses Mal ihre Kinder zu Hause lassen. In den Schulen wird der Kontakt zwischen den Kindern auf das Notwendigste verringert, da kann ich es doch als mehrfacher Großvater nicht gutheißen, wenn Kinder mit auf eine Demo gehen“, fordert Michael Koch.

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Kommentare (1)

hat keine Forderungen zu stellen. Er sollte seinen Pflichten gemäß des im letzten Jahr abgelegten Amtseides nachkommen. Diesmal zog er es vor in seiner Limousine an den Spaziergängern vorbeizufahren. Niemand braucht eine gute Erklärung für totalitäre Maßnahmen, Maulkörbe oder sonstige Formen der Unterdrückung. Aus gegenwärtiger wissenschaftlicher Sicht ist es nicht nachvollziehbar, wie ein Doktor die Viren hier als Lebewesen darstellt und im gleichen Atemzuge anderen "Halbwissen" unterstellen will. Selbst der System-Drosten scheint zumindest im Bezug auf Masken nicht auf dieses intellektuelle Niveau gesunken zu sein.