Diskussion im Gesundheitswesen
An der Dienstpflicht scheiden sich in Demmin die Geister

Essen auf Rädern für Senioren oder kleinere Hilfen bei der Pflege im Krankenhaus – soll es dafür eine neue Dienstpflicht geben? Darüber wird seit dem CDU-Vorschlag auch in Demmin diskutiert.
Essen auf Rädern für Senioren oder kleinere Hilfen bei der Pflege im Krankenhaus – soll es dafür eine neue Dienstpflicht geben? Darüber wird seit dem CDU-Vorschlag auch in Demmin diskutiert.
Jan Woitas

Seit Anfang der Woche streiten Teile der CDU über die Wiedereinführung der Wehrdienstpflicht und einen damit verbundenen Ersatzdienst in sozialen Einrichtungen. In Demmin trifft die Idee der Christdemokraten auf ein geteiltes Echo.

Eigentlich will sich Klaus Schmidt an der Diskussion um eine allgemeine Dienstpflicht gar nicht erst beteiligen. „Für mich ist der Vorschlag in seiner jetzigen Form total unausgegoren“, poltert der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Demmin dann aber doch. „An dem vorliegenden Konzept fehlt einfach das Fleisch an den Knochen!“

Anlass des Ärgers ist eine Debatte, die CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer zu Beginn dieser Woche angeschoben hatte. Die Politikerin berichtete nach der Rückkehr von ihrer sogenannten „Zuhörtour“ von einem weit verbreiteten Bedauern der CDU-Basis über das Ende der Wehrplicht. Seitdem diskutieren die Parteien über deren Wiedereinführung und einen damit verbundenen Wehrersatzdienst in sozialen Einrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen.

Klaus Schmidt hält die Idee für einen verpflichtenden Dienst in sozialen Einrichtungen für unausgegoren. Zentrale Aspekte wie eine dafür notwendige Änderung des Grundgesetzes und die Frage der Finanzierung des Dienstes seien nicht ausreichend geklärt. Überhaupt seien die inhaltliche Ausgestaltung und Stoßrichtung der Initiative äußerst mangelhaft. Den grundsätzlichen Gedanken, gesellschaftliches Engagement zu stärken, begrüße er aber. Für dieses Ziel gebe es jedoch schon Instrumente wie das Freiwillige Ökologische Jahr, den Bundesfreiwilligendienst oder das Freiwillige Soziale Jahr (FSJ).

Einsatz der Jugendlichen darf nicht unter Zwang

Nicht ganz so kritisch wird die Debatte am Kreiskrankenhaus Demmin gesehen. „Gäbe es wieder Zivildienstleistende, würden wir die natürlich sehr herzlich bei uns empfangen“, erklärt Geschäftsführer Kai Firneisen auf Nordkurier-Nachfrage. „Eine zusätzliche helfende Hand ist uns immer willkommen!“ Gerade für kleinere Aufgaben wie das Austeilen von Essen oder das Begleiten der Patienten durch das Krankenhaus würden immer zusätzliche Hilfen gebraucht.

Das grundsätzliche Personalproblem im Gesundheitssektor könne der CDU-Vorstoß aber nicht beheben. „Was wir brauchen, sind ja qualifizierte Fachkräfte“, betont Firneisen. Er wünsche sich daher, dass junge Leute stärker zu einer entsprechenden Ausbildung in den Gesundheitsberufen angehalten würden. Andererseits biete ein Pflichtjahr aber auch die Chance, dass sich junge Männer und Frauen für einen Verbleib in der Branche entscheiden.

Birgit Küthe ist sich noch nicht ganz sicher, wie sie die Diskussion finden soll. Einerseits würde sie sich über ein bis zwei Zivildienstleistende mehr schon freuen, erklärt die Leiterin des Demminer Gertraudenstiftes. „Diese Stellen müssten dann aber auch ordentlich finanziert werden.“ Gleichzeitig habe das Pflegeheim bisher gute Erfahrungen mit dem Bundesfreiwilligendienst gemacht. Eine Gesetzes-Änderung sei aus ihrer Sicht daher nicht unbedingt nötig. Viel dringender sei im Moment aber die Suche nach ausgebildeten Pflegekräften. Zudem dürfe ein eventueller Einsatz der Jugendlichen nicht unter Zwang erfolgen. Dies könne sonst zulasten der Betreuten gehen.

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