In der Lausitz
Nach Leichenfund führt Spur zur Mafia aus Montenegro

Sogar Sprengstoffexperten wurden zum Tatort in der Stadt Forst gerufen, um Fahrzeuge zu untersuchen.
Sogar Sprengstoffexperten wurden zum Tatort in der Stadt Forst gerufen, um Fahrzeuge zu untersuchen.
Patrick Pleul

Zwei Männerleichen in der brandenburgischen Stadt Forst geben der Polizei Rätsel auf. Medien sind sich sicher: Die Männer sind Opfer eines Mafia-Streits – 40 Menschen seien bereits ermordet worden.

Bei zwei getöteten Männern im brandenburgischen Forst (Landkreis Spree-Neiße) soll es sich nach Angaben montenegrinischer Zeitungen um Mitglieder der Mafia aus dem Balkanstaat handeln. Die brandenburgische Polizei und Staatsanwaltschaft äußerten sich mit Verweis auf laufende Ermittlungen dazu am Mittwoch nicht.

Doch der Fund der Männerleichen gehe auf eine Abrechnung unter Mafia-Mitgliedern zurück, schrieb die regierungskritische Zeitung „Vijesti“. Hintergrund sei ein seit mehreren Jahren andauernder Streit in der Adria-Küstenstadt Kotor zwischen zwei Clans.

Leichen in Wohnung gefunden

Die beiden Männer sind laut „Vijesti“ polizeibekannte Montenegriner. Zwei weitere Männer, ebenfalls aus Montenegro, sollen bei dem mutmaßlichen Angriff am Montag verletzt worden sein. Die Leichen waren am frühen Montagmorgen in einer Wohnung in der Brandenburger Kleinstadt entdeckt worden. Aufgrund der Situation, in der die beiden gefunden wurden, geht die Polizei von einem Gewaltverbrechen aus.

Bei den Ermittlungen wurden nach Polizeiangaben zwei verdächtige abgestellte Autos in der Nähe des betroffenen Wohnhauses entdeckt. Sprengstoffspezialisten wurden hinzugezogen, die die Autos untersuchten. Rund 116 Anwohner mussten dafür zeitweise ihre Wohnungen verlassen, bis am Montagabend Entwarnung gegeben konnte.

40 Menschen ermordet?

Bei dem jahrelangen Banden-Streit gehe es um Drogengeschäfte, berichteten örtliche Medien. Die eine Bande soll der anderen 200  Kilogramm Kokain gestohlen haben. Seitdem seien rund 40 Menschen ermordet worden.

Darunter ist den Angaben zufolge auch ein 32-jähriger Montenegriner aus Wien. Der Mann war im vergangenen Dezember unweit des Stephansdoms von einem Unbekannten erschossen worden. Sein 23-jähriger Begleiter wurde durch Schüsse schwer verletzt. Die beiden Opfer wurden ebenfalls einem der beiden Clans zugerechnet.

Laut Brandenburger Medien soll es sich bei einem der beiden Toten aus Forst um einen Informanten des Bundeskriminalamtes handeln. Die Behörde sollte nach dem Bericht auch in weiten Teilen die Ermittlungen übernommen haben. Eine BKA-Sprecherin dementierte dies am Mittwoch: „Wir führen keine Ermittlungen“, sagte sie.