Prozess

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Lkw-Fahrer räumt Schuld an toten Feuerwehrmännern ein

Solidarität unter Kameraden: Zum Prozessbeginn am Dienstag waren auch mehrere Feuerwehrleute im Gericht.
Solidarität unter Kameraden: Zum Prozessbeginn am Dienstag waren auch mehrere Feuerwehrleute im Gericht.
Bernd Settnik

Ein 20 Tonnen schwerer Sattelzug ist auf der A2 in ein Feuerwehrauto gerast. Zwei Feuerwehrmänner starben. Am zweiten Prozesstag bat der angeklagte Lastwagenfahrer um Verzeihung.

Im Prozess um den tragischen Tod von zwei Feuerwehrleuten hat der angeklagte Lastwagenfahrer ein weitgehendes Geständnis abgelegt. „Ich bin allein für den Tod von zwei Feuerwehrleuten und die Verletzung eines weiteren Feuerwehrmannes verantwortlich“, hieß es in einer vom Verteidiger des 57-Jährigen verlesenen Erklärung.

Allerdings könne er sich an die Ereignisse kurz vor dem tödlichen Unfall auf der Autobahn A2 nicht erinnern, sagte der Mann am Mittwoch vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel. Das Urteil soll am Donnerstag kommender Woche gesprochen werden.

Ungebremst in Unfallstelle gerast

Nach der Aussage des Gutachters im Prozess war der 57-Jährige am 5. September 2017 mit seinem Sattelzug auf der Autobahn ungebremst in eine Unfallstelle gerast. Dabei rammte er einen Polizeiwagen und zwei Feuerwehrfahrzeuge. Ein Feuerwehrwagen kippte um und begrub zwei Feuerwehrmänner im Alter von 23 und 38 Jahren unter sich. Ein weiterer Feuerwehrmann (23) wurde schwer verletzt.

Aus Sicht der Staatsanwaltschaft war der Lastwagenfahrer übermüdet. Er ist wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Er könne nicht ausschließen, dass er am Steuer kurzzeitig eingeschlafen war, erklärte der 57-Jährige. Er habe aber zuvor auf seiner Fahrt in Richtung Berlin die vorgeschriebenen Ruhepausen eingehalten, betonte er. Müde sei er nicht gewesen. Der Angeklagte bat die Angehörigen, die im Prozess als Nebenkläger auftraten, um Verzeihung.

Wehrführer rettete Kameraden

Feuerwehrmänner schilderten die Sekunden vor dem tödlichen Crash, der sich ereignete, als die Rettungskräfte ihren Einsatz an der Unfallstelle gerade beenden wollten. Er habe den Sattelzug bemerkt, der sich mit normaler Geschwindigkeit auf der rechten Spur der taghell ausgeleuchteten Unfallstelle genähert habe, berichtete ein Feuerwehrmann. „Als er ganz nahe war, wurde mir klar: ‚Der kann nicht mehr bremsen‘„, schilderte der Helfer die dramatische Situation. „Ich rief: ‚Achtung! Weg, alle weg‘ – und dann sind wir in Deckung gegangen.“

Ein Feuerwehrmann wurde in letzter Sekunde von dem später getöteten 38 Jahre alten Wehrführer gerettet. „Wir hörten von vorne den Ruf ‚Achtung! Weg, weg‘ – und da hat mich der Wehrführer von dem Fahrzeug weggestoßen“, berichtete er. Dann kippte der Wagen um und erschlug den Wehrführer und einen Kameraden. Der überlebende 23-Jährige verletzte sich an der Schulter.

Fahrer machte sich erneut strafbar

Zu Beginn des zweiten Prozesstages wurde bekannt, dass sich der Lastwagenfahrer erneut strafbar gemacht haben könnte. Er sei am Dienstag nach dem Prozess mit einem Wagen davongefahren, erklärte die Anwältin einer Nebenklägerin am Mittwoch vor dem Amtsgericht Brandenburg/Havel. Dafür gebe es Zeugen und eine Videoaufnahme.

Da dem Angeklagten der Führerschein entzogen worden war, prüft die Staatsanwaltschaft nun ein weiteres Verfahren. Vor Gericht wollte sich der Angeklagte am Mittwoch nicht zu dem Vorwurf äußern. Das sei nicht Gegenstand des jetzigen Verfahrens, so sein Anwalt.