ROLLE BEI EINHEITSFEST

DDR-Bürgerrechtler wettern gegen Platzeck

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident Platzeck soll die große Einheitsfeier zum 30-jährigen Jubiläum organisieren. Ausgerechnet er? Die Entscheidung sorgt für Streit.
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Matthias Platzeck, Vorstandsvorsitzender „Deutsch-Russisches Forum e.V.”, soll die Einheitsfeier für die Bundesregierung organisieren.
Matthias Platzeck, Vorstandsvorsitzender „Deutsch-Russisches Forum e.V.”, soll die Einheitsfeier für die Bundesregierung organisieren. Karlheinz Schindler
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Berlin.

Matthias Platzeck (SPD) soll für die Bundesregierung die Einheitsfeier im kommenden Jahr planen. Dass ausgerechnet der 65-Jährige Chef der Fest-Kommission ist, sorgt aber für viel Kritik. DDR-Bürgerrechtler sperren sich gegen Platzeck. Der Tenor ihrer Kritik: Der ehemalige Ministerpräsident Brandenburgs habe sich 1990 in der DDR-Volkskammer vor der Abstimmung über die Wiedervereinigung und stehe nicht für eine gute Aufarbeitung der DDR-Geschichte, wie die „Bild” berichtet.

Beispielsweise Hubertus Knabe, Historiker und früherer Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen nannte Platzecks Berufung in die Fest-Kommission „grotesk”. „Zusammen mit der PDS stimmte er in der DDR-Volkskammer gegen die Währungsunion und gegen den Einigungsvertrag”, so Knabe. Dass Platzeck nun das Deutsch-Russische Forum leitet, komme noch verschärfend hinzu, sagte der 69-Jährige. Damit sei er Sprachrohr für Russlands Präsident Wladimir Putin in Deutschland.

Steckt genug DDR in Platzeck?

Der Leiter der Bundesstiftung Aufarbeitung der SED-Diktatur hält die Personalie Platzeck für eine Einheitsfeier daher ebenfalls für „wenig phantasievoll und nicht zielführend”. Innerhalb der SPD gebe es neben Platzeck viel bessere Kandidaten für die Aufgabe, die Feier für die Deutsche Einheit zu planen, kritisiert Stephan Hilsberg, Mitbegründer der DDR-SPD.

Ines Geipel, ehemalige Leiterin der Doping-Opfer-Hilfe, sagte: „Wir wollen doch wohl keine Wiederbelebung des DDR-Biedermeier! Denn dafür steht Herr Platzeck – und gerade nicht für eine kritische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit.”

Dass der frühere brandenbrugische Ministerpräsident Matthias Platzeck nicht als Chef einer Fest-Kommission zum Wende-Jubiläum taugen soll, hält Manuela Schwesig für abwegig.

Platzeck will sich nicht erklären

Von den Sozialdemokraten kam aber auch Unterstützung für Platzeck, beispielsweise aus Sachsen. Schon vor seiner Ernennung zum Vorsitzenden der Fest-Kommission teilte Henning Homann, Generalsekretär der SPD Sachsen, mit: „Matthias Platzeck wäre eine hervorragende Wahl für den Vorsitz der Kommission zur Planung und Durchführung der Gedenk- und Festveranstaltungen zum 30. Jubiläum von Mauerfall und Wiedervereinigung.” Zuvor hatte sich vor allem die Brandenburger CDU gegen Platzeck ausgesprochen.

„Ich werde keine Stellungnahme zu den Kritiken und Vorwürfen abgeben", sagte Matthias Platzeck dem Nordkurier. "Wenn es Herrn Hilsberg gefällt, solche Äußerungen zu machen, dann soll er das.” Er wolle sich inhaltlich zu dem Thema so lange nicht erklären, bis die Fest-Kommission sich Anfang Mai konstituiert habe, so Platzeck. Er sei solche durchaus auch persönlichen Angriffe gewohnt und wolle sich generell darauf nicht mehr einlassen.

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