Kommentar
Brandenburgs SPD nimmt Kurs auf die Sandbank

Ein Dreamteam? Landeschef Dietmar Woidke (SPD, r) und SPD-Generalsekretär Erik Stohn.
Ein Dreamteam? Landeschef Dietmar Woidke (SPD, r) und SPD-Generalsekretär Erik Stohn.
Christoph Soeder (Archiv)

Die angeschlagene Brandenburg-SPD wollte ihre Pläne fürs Wahljahr vorstellen – doch unser Korrespondent Benjamin Lassiwe kehrte ernüchtert zurück. Ein Kommentar.

Das Schiff der SPD dampft mit voller Fahrt auf eine Sandbank zu. Der Kapitän hat Urlaub, und der erste Offizier hat sich im Kartenraum eingeschlossen und kriegt die Tür zur Kommandobrücke nicht mehr auf. In etwa so wirkte der Versuch von Brandenburgs SPD-Generalsekretär Erik Stohn, einen Ausblick auf das Wahljahr 2019 zu geben.

Ideen, Programme, Initiativen – Fehlanzeige. Wie die SPD im Herbst stärkste Partei werden will? Stohn weiß das vermutlich selber nicht. Damit allerdings passt der Generalsekretär zu einer Partei, die auf der Suche nach neuen Namen tief in die Geschichte greift, und die Tochter der früheren Sozialministerin Regine Hildebrandt aufstellt. In der größten Not sucht man eben nach Heilsbringern und rettenden Strohhalmen, klammert sich an Hoffnung und Erinnerungen.

Vertrauen der Bürge könnte nach 28 Jahren aufgebraucht sein

Denn es ist ja wahr: 2004 hatte es die SPD schon einmal geschafft, einen eigentlich verlorenen Wahlkampf auf den letzten Metern noch zu drehen. Doch wenn die Parteispitze nicht einmal bereit ist, eigene Fehler als solche zu benennen und öffentlich einzugestehen, dann darf sie sich nicht wundern, wenn das Vertrauen der Bürger nach 28 Jahren SPD-Regierung schlicht und einfach aufgebraucht ist.

Erik Stohn und Dietmar Woidke jedenfalls werden in den nächsten Monaten noch zeigen müssen, dass sie als Generalsekretär und Spitzenkandidat wirklich die richtige Wahl der Brandenburger SPD sind. Im Moment nämlich ist nicht erkennbar, wie dem Team auf der Kommandobrücke des stolzen Kohledampfers der märkischen Sozialdemokratie noch ein Kurswechsel gelingen soll.