Bald auch in Deutschland?

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Britische Firmen implantieren ihren Mitarbeitern Mikrochips

Nicht größer als ein Reiskorn sind Mikrochips, die sich Menschen unter ihre Haut implantieren lassen.
Nicht größer als ein Reiskorn sind Mikrochips, die sich Menschen unter ihre Haut implantieren lassen.
Friso Gentsch

Die Chips in einer Hautfalte an der Hand sollen physische Mitarbeiterausweise ersetzen. Gewerkschaften und auch Arbeitgeberorganisationen sind alarmiert.

Es könnte eine Szene aus einem besseren Science-Fiction-Film sein. Ein Finanzprüfer fährt zur Arbeit ins Büro. Dort stellt er seinen Dienstwagen ab und schließt das Auto mit einer einzigen Handbewegung zu. Die Tür zum Büro öffnet sich automatisch, der Fahrstuhl kennt die richtige Etage, die Kaffeemaschine springt sofort von alleine an. Der Finanzprüfer hat ohne Passwort und Logins sofort Zugriff auf alle für ihn relevanten Informationen, er muss nur seine Hand an den Sensor führen. Und den Mikrochip, den er sich von seiner Firma implantieren lassen hat, den spürt er schon gar nicht mehr.

In England ist man schon soweit. Wie die Tageszeitung „The Guardian” berichtet, hat die britische Firma Bioteq bereits 150 Implantate in Großbritannien installiert. Die winzigen Chips, die in der Hautfalte zwischen Daumen und Zeigefinger implantiert werden, ähneln denen für Haustiere. Sie ermöglichen es den Menschen, ihre Haustür zu öffnen, ihr Büro zu betreten oder ihr Auto mit einer Handbewegung zu starten – und sie können auch medizinische Daten speichern.

Gewerkschaft befürchtet Kontrolle durch Technik

Offenbar sollen die Mikrochips nicht nur auf der Insel bleiben. Bioteq hat sie laut Guardian schon nach Deutschland, Spanien, Frankreich, Japan und China geliefert. Die Chips kosten zwischen 80 und 300 Euro pro Person. Sowohl Bioteq-Gründer Steve Northam als auch alle Abteilungsleiter von Bioteq und eines seiner anderen Unternehmen, Incuhive, tragen bereits einen Mikrochip unter ihrer Haut.

Aber sowohl der Gewerkschafts-Dachverband „Trades Union Congress” (TUC) als auch die größte britische Arbeitgeberorganisation „Confederation of British Industry” (CBI) zeigen sich alarmiert über eine Technologie, die nicht nur zur Verbesserung der Sicherheit, sondern auch zur Kontrolle von Arbeitern eingesetzt werden kann. „Technologie verändert unsere Arbeitsweise. Aber diese Entwicklung ist beunruhigend. Unternehmen sollten sich darauf konzentrieren, Mitarbeiter einzustellen”, sagte ein Sprecher der CBI, die 190.000 britische Firmen repräsentiert.

Der Gewerkschaftsverband TUC befürchtet, dass Mitarbeiter zu Mikrochips gezwungen werden könnten. Generalsekretär Frances O'Grady sagte: „Wir wissen, dass einige Arbeitnehmer bereits besorgt sind, dass Technologie zur Kontrolle eingesetzt wird.” Man sehe eine große Gefahr, dass die Privatsphäre der Arbeiter geschwächt würde. „Mikrochips würden den Chefs noch mehr Macht und Kontrolle über ihre Mitarbeiter geben. Es gibt offensichtliche Risiken, und die Arbeitgeber dürfen sie nicht beiseite schieben oder das Personal unter Druck setzen.”